Deutsche Inflation höher als erwartet
Deutsche Inflation höher als erwartet
Kernrate fällt jedoch deutlich – Preisanstieg in Frankreich und Italien moderater als gedacht
Die Inflation verharrt in Deutschland nach europäischer Berechnungsmethode HVPI im Februar bei 2,8%. Leichte Fortschritte gibt es bei der Teuerung im Dienstleistungsbereich und damit auch bei der Kernrate. Ökonomen erwarten dennoch einen mühsamen Weg zurück zur Preisstabilität.
mpi Frankfurt
Die Inflation in Deutschland nähert sich entgegen den Erwartungen von Ökonomen im Februar nicht dem Inflationsziel der EZB für die gesamte Währungszone an. Die Verbraucherpreise legten nach einer Erstschätzung des Statistisches Bundesamtes gemäß europäischer Berechnungsmethode (HVPI) um 2,8% gegenüber dem Vorjahresmonat zu. Die Jahresrate war somit so hoch wie im Januar. Von der DPA befragte Volkswirte hatten dagegen einen leichten Rückgang auf 2,7% erwartet. Auch im Vergleich zum Vormonat legte die Inflationsrate mit 0,6% 0,1 Prozentpunkte stärker zu als prognostiziert.
„Das Warten auf das dauerhafte Abflauen der Inflation wird zum Geduldsspiel“, sagt Stephanie Schoenwald, Konjunkturexpertin bei KfW Research. „Die Preissteigerungen dürften auch in den kommenden Monaten nur wenig zurückgehen: Dienstleistungen werden sich weiter verteuern“, meint auch Michael Heise, Chefökonom von HQ Trust. Der arbeitsintensive Dienstleistungssektor ist weiterhin der Hauptgrund der Inflation. Allerdings fallen die Preiserhöhungen im Februar zumindest etwas geringer aus als in den Monaten zuvor.
Die Dienstleistungsinflation sank um 0,2 Prozentpunkte auf 3,8%. „Offensichtlich fällt es den Unternehmen schwerer, die weiter kräftig steigenden Lohnkosten an ihre Kunden weiterzugeben“, sagt Ralph Solveen, Ökonom bei der Commerzbank. Der Trend werde sich seiner Ansicht nach fortsetzen. „Da aber gleichzeitig die Teuerungsrate bei den Waren auch wegen der wieder steigenden Importpreise kaum weiter nachgeben dürfte, wird die Kernteuerungsrate in den kommenden Monaten wohl nur langsam abnehmen.“
Rückgang prognostiziert
Im Februar hat die Kerninflation jedoch ihren Abwärtstrend deutlich fortgesetzt. Sie fiel von 2,9 auf 2,6%. Bei der Kernrate werden die schwankungsanfälligen Lebensmitte- und Energiepreise nicht berücksichtigt. Daher gilt sie Ökonomen als Gradmesser für den Inflationstrend.
Anders als in Deutschland ist die Inflation in den anderen großen Volkswirtschaften Frankreich und Italien niedriger ausgefallen als erwartet. Damit deutet sich an, dass die Inflation der gesamten Eurozone im Februar gefallen ist. Das Statistikamt Eurostat präsentiert am Montag seine Schnellschätzung. „Für den Euroraum lassen die bisher verfügbaren nationalen Ergebnisse erwarten, dass die Teuerungsrate von 2,5% auf 2,3% zurückgegangen ist“, sagt Solveen.
Inflationserwartungen sinken
Das wären kurz vor dem nächsten Zinsentscheid der EZB am Donnerstag positive Nachrichten für die Notenbank. Die Währungshüter dürften sich auch durch neue Ergebnisse zu den Inflationserwartungen der Verbraucher in ihrem geldpolitischen Kurs bestätigt sehen. Wie aus dem Consumer Expectation Survey (CES) der EZB hervorgeht, erwarten die Befragten im Median in einem Jahr eine Inflationsrate von 2,6%. In der vorliegenden Befragung hatten sie noch 2,8% vorhergesagt. Der Wert für in drei Jahren stagnierte bei 2,4%.