Einlagengeschäft schiebt Naspa an
Einlagengeschäft schiebt Naspa an
Höhere Zins- und Provisionseinnahmen machen Kostenanstieg mehr als wett – Laue Aussichten
fir Wiesbaden
Die Nassauische Sparkasse hat sich 2024 besser geschlagen als selbst erwartet. Insbesondere der starke Anstieg des Zinsüberschusses trug dazu bei. Für dieses Jahr sind die Wiesbadener angesichts des unsicheren wirtschaftlichen und politischen Umfelds deutlich pessimistischer.
Abermals florierende Zinseinnahmen haben maßgeblich dazu beigetragen, dass die Nassauische Sparkasse (Naspa) im vergangenen Jahr den Gewinn leicht steigern konnte. Im Verbund mit höheren Provisionserträgen konnte der kräftige Zuwachs der Kosten mehr als ausgeglichen werden. Das in Wiesbaden ansässige Haus verdiente schließlich knapp 2% mehr: vor Bewertung 128 Mill., nach Bewertung 94 Mill. Euro. „Das ist ein außergewöhnlich gutes Ergebnis“, urteilte der Vorstandsvorsitzende Marcus Nähser, der sodann auf rauere Zeiten einstimmte. „Es erwarten uns größere Herausforderungen durch das wirtschaftliche Umfeld, das uns mit Sicherheit stressen wird.“
Unsicheres Umfeld
Die hohe politische wie wirtschaftliche Unsicherheit mache es sehr schwer, stabile Prognosen abzugeben, heißt es weiter. Der Vorstand kalkuliert daher vorsichtig für dieses Jahr mit einem Betriebsergebnis nach Bewertung von ungefähr 80 bis 85 Mill. Euro, mithin 9 bis 14 Mill. Euro weniger als noch 2024.
Mit höheren Puffern bereitet sich die Naspa auf schwierigere Szenarien vor. So steckte sie 2024 insgesamt 37 Mill. Euro in die Reserven nach Paragraf 340f und 340g BGB, die sich im Bewertungsergebnis wiederfinden. Mit 34,5 Mill. Euro blieb es weitgehend stabil.
Geringe Risikovorsorge
Verwundert hat das Naspa-Management die geringe Kreditrisikovorsorge, obwohl allerorten von schwierigen Bedingungen zu hören ist. 1,7 Mill. Euro wurden im vergangenen Jahr zugeführt, was angesichts der Stimmung in der Wirtschaft erstaunlich wenig sei. Doch gebe es keine Anzeichen dafür, dass mehr vonnöten wäre. „Wir haben faktisch im Moment keine Einschläge, die wir jetzt schon messen können, in das Kreditportfolio“, sagte Nähser, der sich das möglicherweise mit dem heterogenen Verbreitungsgebiet der Bank erklärt. „Das riesengroße Geschäftsgebiet mit bald 4.500 Quadratkilometern ist für uns in diesem wirtschaftlichen Umfeld ein Segen.“
Heterogenes Geschäftsgebiet
So gebe es keine Leitbranche, die Anfälligkeiten für das Kreditportfolio mit sich bringe. Vielmehr brächten verschiedenste mittelständische Familienbetriebe, der starke Verwaltungsfokus in Wiesbaden und die Dienstleister in der Nähe Frankfurts eine sehr ausgewogene Mischung im Geschäftsgebiet mit sich, die sich auch in einem unauffälligen Kreditgeschäft spiegele. „Angesichts des Grundrauschens, das wir draußen erleben, ist die Risikovorsorge ein Wert, der uns selbst verwundert, da wir unter diesen Marktbedingungen mehr erwartet hätten.“
2023 hatte die Risikovorsorge noch fast 30 Mill. Euro betragen. Nähser erklärte nun, dass es ein Signa-Engagement gab, das aber mit dem Jahr 2024 erledigt sei, weitere Signa-Engagements gebe es nicht. Einzelheiten nannte er keine. Medial spekuliert wurde im vergangenen Jahr, dass es sich möglicherweise um 15,5 Mill. Euro gehandelt habe.
Den starken Anstieg der Aufwendungen auf 223 Mill. Euro führt die Naspa zum einen auf Investitionen in Filialen und Digitalisierung zurück, zum anderen auf erhöhte Personalkosten im Zuge von Neueinstellungen. Unterm Strich nahm die Belegschaft um 35 Personen auf 1.625 am Jahresende zu.
Einlagen wachsen
Trotz der vier Zinssenkungen der EZB im vergangenen Jahr brachten die Kunden mehr Geld zur Bank. Die Einlagen schwollen um 5% auf 12,4 Mrd. Euro an und verliehen dem Institut einen weiteren Zinsschub um knapp ein Zehntel auf fast 260 Mill. Euro. Schon im Jahr zuvor war der Zinsüberschuss um nahezu 30 Mill. Euro angewachsen und hatte der Naspa einen Gewinnzuwachs von 45% verpasst. Das Kreditvolumen stieg deutlich schwächer. Der Bestand nahm im Vergleich zu 2023 um 1,3% auf 10,9 Mrd. Euro zu.
Der starke Einlagenzuwachs und das schwache Kreditgeschäft führten letztlich zu einer Situation, die Firmenkundenvorstand Frank Diefenbach als ungewöhnlich beschrieb: An einen Passivüberhang von aktuell 1,6 Mrd. Euro könne er sich nicht erinnern. Im Gegenteil sei das Haus meist eher aktivlastig gewesen.