Bankenkonsolidierung in Italien erschwert

Zweifel an BPM-Übernahme durch Unicredit wachsen

Unicredit-CEO Andrea Orcel hat bei der Hauptversammlung seiner Bank deutlich gemacht, dass eine Übernahme von Italiens drittgrößter Bank BPM nur dann in Frage kommt, wenn dies wertschöpfend für sein Institut sei.

Zweifel an BPM-Übernahme durch Unicredit wachsen

Zweifel an BPM-Übernahme
durch Unicredit wachsen

Orcel: Bedingungen werden sorgfältig geprüft

bl Mailand

Die Zweifel an einer Übernahme von Italiens drittgrößter Bank BPM durch Unicredit wachsen. Vor den Aktionären bei einer ordentlichen und außerordentlichen Hauptversammlung in Mailand sagte CEO Andrea Orcel, man werde eine Übernahme sorgfältig prüfen, sobald die Anima-Übernahme abgeschlossen sei. Unicredit hatte im November ein Übernahmeangebot für den BPM vorgelegt, das den Vermögensverwalter Anima, für den der BPM eine Offerte vorgelegt hat, nicht beinhaltet. Nachdem die EZB die Anwendung des sogenannten Danish Compromise für den Kauf von Anima, der eine kapitalschonende Übernahme ermöglichen sollte, abgelehnt hat, würde eine Anima-Übernahme für den BPM bzw. einen möglichen BPM-Käufer Unicredit teurer. Die harte Kernkapitalquote (CET 1) des BPM könnte sich um bis zu 268 Basispunkte verschlechtern, bliebe aber laut BPM über 13%. Der BPM-Offerte für Anima von 1,78 Mrd. Euro haben bisher 47,2% des Anima-Kapitals zugestimmt.

Kapitalerhöhung

Bei der Unicredit-Hauptversammlung stimmten die Aktionäre der Kapitalerhöhung für die BPM-Übernahme mit einer überwältigenden Mehrheit von 99,88% zu. Der Wert des Unicredit-Angebots hat sich aufgrund der Aktienkursentwicklung inzwischen von 10,1 auf 15,3 Mrd. Euro erhöht. Eine Aufstockung der Offerte ist angesichts der jüngsten Entwicklung wohl vom Tisch. Laut Orcel ist das Angebot in der derzeitigen Form (und ohne Anima) mit einer Prämie von 15% gegenüber der Zeit vor dem BPM-Angebot für Anima wertschöpfend und attraktiv für die Anteilseigner. Im Erfolgsfall entstünde eine noch stärkere Nummer 2 in Italien. Orcel widersprach Angaben von BPM-CEO Giuseppe Castagna, wonach dann 6.000 Stellen abgebaut würden. Im Gegenteil: Man wolle mehr investieren.

Unicredit werde genau prüfen, ob die Bedingungen für die Übernahme noch stimmten. Eine Übernahme komme nur unter den strengen Rentabilitätskriterien der Bank infrage und müsse wertschöpfend sein. Sie müsse das organische Wachstum, das im Zentrum der Aufmerksamkeit bleibe, beschleunigen. In Mailänder Finanzkreisen gibt es Zweifel, dass Unicredit an der Offerte festhält.

Höhere Dividenden

Laut Orcel haben die Unicredit-Aktionäre seit 2021 eine Kapitalrendite von 750% erzielt. Er versprach ihnen für die nächsten drei Jahre höhere Dividenden als für 2024 und will 50% des Gewinns in Form von Dividenden auszahlen.

Unicredit hat auch ein Angebot für die Commerzbank vorgelegt, das vor allem wegen der Regierungsbildung in Deutschland auf Eis liegt. Außerdem hat die HVB-Mutter mehr als 5% an der Versicherung Generali erworben, ein Anteil, der laut Marktteilnehmern inzwischen auf fast 10% erhöht worden sein könnte. Damit könnte Unicredit bei der Generali-Hauptversammlung am 24. April eine Schlüsselrolle spielen.

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