Bundesbank sieht „Raum für Risikovorsorge“
jsc Frankfurt
Angesichts der Energiekrise und einer heraufziehenden Rezession fordert die Bundesbank von Banken und Sparkassen eine solide Risikovorsorge: Nach einer langen Phase mit steigendem Kreditwachstum, niedrigen Risikoaufschlägen und hohen Bewertungen bestehe die Gefahr, dass Finanzakteure ihre Erfahrungen in die Zukunft fortschrieben und somit das Ausmaß der Gefahr unterschätzten, hält die Bundesbank in ihrem aktuellen Finanzstabilitätsbericht fest. „Dass die Banken ihre Kreditrisiken als eher gering einschätzen, spiegelt in erster Linie vergangene Entwicklungen“, sagte Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Frankfurt.
Für Banken sei es ratsam, ihren Ermessensspielraum im Management zu nutzen, erklärte Vorstandsmitglied Joachim Wuermeling. „Wir sehen Raum für weitere Risikovorsorge.“ Das Bild, das sich aus den bisherigen Zeitreihen ergebe, sei „zu optimistisch“, sagte Buch. Der künftige Verlauf einer Krise sei kaum vorhersehbar. „Risiken lassen sich bepreisen und mit Wahrscheinlichkeiten versehen“, sagte sie. „Für Unsicherheiten gilt das nicht.“
An den zusätzlichen Kapitalpuffern für das Kreditgewerbe hält die Bundesbank fest: Das Argument aus der Kreditwirtschaft, höhere Kapitalvorgaben stünden dem Ziel einer regen Kreditvergabe für Wohnungsbau und Energiewende im Weg, wies Buch zurück. „Wir haben keine Kreditklemme. Das muss man sehr klar sagen.“ Nach Rechnung der Bundesbank verfügen Banken und Sparkassen über die Kapitalvorgaben hinaus über Überschusskapital von rund 150 Mrd. Euro, was 4,5% der risikogewichteten Aktiva entspricht. Daher sei die Kreditvergabe insgesamt intakt. Ab Februar des kommenden Jahres müssen Banken einen „antizyklischen Kapitalpuffer“ von 0,75% für ihre inländischen Positionen beachten sowie von weiteren 2 % für inländische Wohnimmobilienkredite. Es sei sogar positiv, wenn sich Geldhäuser mit weniger Kapital stärker zurückhielten und den besser ausgestatteten Banken das Kreditneugeschäft überließen, sagte Buch. „Das System wird dadurch stabiler.“
Für Dividenden und Ausschüttungen von Banken fordert die Finanzaufsicht anders als zu Beginn der Pandemie keinen Verzicht, wohl aber auch weiterhin eine hohe Vorsicht. Im Verhältnis zur Bilanzsumme sehen die Institute laut Wuermeling keine wesentlich höheren Ausschüttungen als in der Vergangenheit vor. „Es gibt allerdings einzelne Banken, die etwas anders planen.“
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