Eisenerzförderer setzen Rost an
Angesichts eines starken Überangebots und des Preisverfalls in den vergangenen Monaten bleibt Morgan Stanley skeptisch für auf die Eisenerzförderung konzentrierte Bergbauunternehmen. Die Experten der Investmentbank empfehlen derzeit nur eine Aktie aus der Branche zum Kauf.amb Frankfurt – Seit Ende 2013 ist der Eisenerzpreis gefallen wie ein Stein, 2014 halbierten sich die Notierungen nahezu, und auch seit Anfang dieses Jahres geht es weiter nach unten. Die Aktien von Minenbetreibern verloren ebenfalls zum Teil kräftig an Wert, die Titel des brasilianischen Bergbaukonzerns Vale auf Sicht von einem Jahr zum Beispiel 44 %.Morgan Stanley sieht für Eisenerzförderer wie Vale und die beiden britisch-australischen Konzerne Rio Tinto und BHP Billiton immer noch kein Licht am Ende des Tunnels. Nach Ansicht der US-Bank wird die Stahlnachfrage aus China nämlich vorerst nicht anziehen oder sogar sinken. Gleichzeitig werde das Angebot an Eisenerz stark steigen: Zwischen dem zweiten Quartal 2015 und dem ersten Quartal 2017 würden nämlich zusätzliche 300 Mill. Tonnen Eisenerz auf den Markt kommen – ein Angebotsplus von 18 % gegenüber dem Jahr 2014.Auch historisch betrachtet sei die Bewertung der Eisenerzförderer derzeit viel zu hoch, heißt es in einer Studie. Die Gewinne je Aktie und die Dividenden würden sinken. Morgan Stanley stuft daher BHP Billiton, Rio Tinto plc und den australischen Eisenerzförderer Fortescue von “Overweight” auf “Equal Weight” zurück, Vale sogar von “Equal Weight” auf “Underweight”.Unverändert auf “Underweight” stehen der britisch-südafrikanische Konzern Anglo American und dessen südafrikanische Tochter Kumba. Optimistisch sind die Analysten lediglich für die in Australien notierte Aktie von Rio Tinto Ltd.: In den vergangenen zehn Jahren sei diese zu einem Aufschlag von 14 % gegenüber Rio Tinto plc in London gehandelt worden, aktuell zu keinem. Die Einstufung mit “Overweight” wird daher bestätigt. Dividenden bedrohtMorgan Stanley hat sich die Gewinnentwicklung der Konzerne vor dem Hintergrund der Eisenerz-Preisentwicklung von den siebziger bis in die neunziger Jahre angeschaut, also der Zeit vor dem sogenannten Superzyklus der Rohstoffe mit extremen Preissteigerungen. Die Zahlen, vor allem der Gewinn je geförderter Tonne Eisenerz, wurden dann für die Zukunft fortgeschrieben. Demnach seien die Gewinnschätzungen je Aktie für die Jahre 2016 bis 2018 um 20 % bis 100 % zu hoch, heißt es im Ergebnis. Die Analysten befürchten sogar, dass Anglo American, BHP Billiton, Fortescue, Kumba und Vale Probleme mit der Dividendenzahlung bekommen könnten – selbst wenn die Investitionen sinken. Die Ausnahme sei Rio Tinto, hier sei die Dividende nicht in Gefahr. Kursziele deutlich gekapptDie Gewinnschätzungen werden deutlich gesenkt und die Kursziele reduziert. Für die in London notierte BHP Billiton plc wird nun ein Kursziel von 15,90 statt 17,50 Pfund (aktuell 16,40 Pfund) und für die in Australien notierte BHP Ltd. 35,50 statt 37,00 (aktuell 33,50) australische Dollar genannt, für Rio Tinto plc in London 31,00 statt 35,80 Pfund (aktuell 31,71) und Rio Tinto Ltd. in Australien 71,00 statt 72,50 australische Dollar (aktuell 63,58). Für Vale wird das Kursziel jetzt bei 6,30 statt 8,10 US-Dollar (aktuell 7,71) angesetzt, für Anglo American bei 9,50 statt 10,50 Pfund (aktuell 12,25) und für Fortescue bei 2,60 statt 2,90 (aktuell 2,48) australischen Dollar. Unverändert bleibt das Kursziel für Kumba mit 185 südafrikanischen Rand (aktuell: 228,30 Rand). Das Risiko weiterer Kurszielsenkungen sei darüber hinaus bei Anglo American, Kumba und Vale am größten. Morgan Stanley hatte Anfang des Monats noch die Eisenerz-Preisprognosen vom Dezember bestätigt, gerechnet wird weiterhin mit etwas anziehenden Preisen. Konkret werden in einem Basisszenario 78 US-Dollar im vierten Quartal 2015 und 79 US-Dollar für 2016 vorhergesagt, aktuell liegt der Preis bei 62,57 US-Dollar je Tonne. Allerdings seien die Abwärtsrisiken zuletzt deutlich gestiegen. Als Grund wurde die schlechtere Stimmung in der chinesischen Stahlindustrie genannt. Massives ÜberangebotDie Commerzbank geht ebenfalls davon aus, dass das massive Überangebot am Eisenerzmarkt noch weiter bestehen wird. “Laut dem brasilianischen Produzenten Vale sind allein in den letzten beiden Jahren 234 Mill. Tonnen Eisenerz neu in den seewärtigen Handel gekommen, bis 2020 sollen es weitere 196 Mill. Tonnen sein”, erklärt die Bank in einer Studie mit dem Titel “Eisenerz – die Nacht ist noch nicht vorüber”. Der Großteil der Angebotsausweitung stamme aus Australien und Brasilien. Mit einer Preiserholung sei vorerst nicht zu rechnen. “Erst wenn umfangreiche Produktionskapazitäten stillgelegt werden, dürfte sich der Eisenerzpreis stabilisieren.”