Patrizia versucht die Kehrtwende
Patrizia versucht die Kehrtwende
Von Michael Flämig, München
GELD ODER BRIEF
Patrizia hat schwere Jahre hinter sich. Das Augsburger Unternehmen, das sich als Investmentmanager für Real Assets definiert, kommt daher auch an der Börse nicht recht vom Fleck. Von Anfang 2021 bis Ende 2022 hat sich der Aktienkurs mit dem Einbruch der Immobilienmärkte gedrittelt, seitdem notiert das Papier immer wieder in der Größenordnung von nur 7 Euro. Doch nun sehen die Auguren die Talsohle für Immobilieninvestments erreicht, daher ist die Frage: Wird die Börse auch die Patrizia-Bewertung wieder anheben?
Der Vorstand rund um den CEO Asoka Wöhrmann hat auf jeden Fall die Erwartungen nach oben geschraubt, als er Ende März die vorläufigen Zahlen für das vergangene Jahr präsentierte. Er erklärte, das Jahr 2025 sei „ein entscheidendes Jahr“, und zwar für die Rückkehr zum Wachstum. Die neue Führungsmannschaft hatte Mitte vergangenen Jahres angekündigt, sie wolle die Assets under Management in den nächsten fünf Jahren auf 100 Mrd. Euro steigern. Damit wäre von Anfang des laufenden Jahres bis 2029 ein Plus von 77% erforderlich.
Analysten überrascht
Der Kapitalmarkt ist von der Zuversicht, im laufenden Jahr die Wende schaffen zu wollen, eher überrascht. Schließlich sind die Assets under Management im vergangenen Jahr um 1,5% auf 56,4 Mrd. Euro gesunken. Im Jahr zuvor betrug der Rückgang sogar 3,2%.
Die für 2025 ausgegebenen Ziele des Investmentspezialisten lägen über seinen Schätzungen, erklärt denn auch Analyst Philipp Kaiser von Warburg Research nach Veröffentlichung der 2024er-Zahlen, die ursprünglich am 27. Februar hätten vorgelegt werden sollen. Die Privatbank Berenberg stellt fest, bemerkenswert seien die optimistischen Aussagen für das laufende Jahr. Die Deutsche Bank wählt die Worte vorsichtiger: Es stelle sich die Frage, ob der Immobilienmarkt die Talsohle erreicht habe.
Aktienmarkt zurückhaltend
„Patrizia rechnet nach eigenen Angaben mit einer allmählichen Belebung des Kundeninteresses an Investitionen in Sachwerte in der zweiten Hälfte des Jahres 2025“, bilanziert Andre Remke von der Baader Bank. Damit ist klar, dass dies im laufenden Jahr in der Gewinn- und Verlustrechnung noch überschaubare Spuren hinterlässt, schließlich handelt es sich bestenfalls um einen Endspurt. Der Patrizia-Vorstand prognostiziert im gesamten Turnus tatsächlich nur ein moderates Wachstum des Umsatzes.
Der Aktienkurs reagiert denn auch vorsichtig auf die Ankündigung der Wende 2025. Nach Veröffentlichung der Prognose am 24. März ging die Bewertung ausgehend von 7,60 Euro je Aktie um gut 5% in die Knie, mittlerweile hat der Kurs sich erholt. Er steht nun in der Größenordnung von 7,50 Euro je Aktie. Die Deutsche Bank setzt ein Kursziel von 11,00 Euro, Warburg stuft Patrizia mit 9,90 Euro ein, Berenberg hält 9,50 Euro für angemessen und die Baader Bank 8,70 Euro.
Fünf Wachstumsfelder
Letztlich sind die heutigen Zuwächse im verwalteten Vermögen deswegen interessant, weil sie die Gebühren für die Verwaltung und erfolgreiche Wertsteigerung von Assets liefern. In dieser Kategorie müssen die Aktionäre Geduld zeigen. Für die laufende Periode prognostiziert der Vorstand ein Ebitda von 40 bis 60 Mill. Euro nach 45,1 Mill. Euro im Jahr 2024. Von einstigen Höhen wie 129 Mill. Euro im Jahr 2021 oder 137 Mill. Euro im Jahr 2019 ist die Aktiengesellschaft weit entfernt. Die Baader Bank spricht denn auch von einer Stabilisierung der Gewinne auf einem noch relativ niedrigen Niveau.
Klar ist aber auch: Patrizia kann durchaus Tempo machen, das zeigt das Jahr 2022. Damals stiegen die Assets under Management um 22%. Das Wachstumsszenario, das im vergangenen Jahr vorgestellt wurde, identifiziert fünf Felder: Living, Value-Add-Strategien, europäische Infrastrukturinvestments, die unabhängige Fund-of-Funds-Plattform Advantage Investment Partners und Re-Infra & Smart City Solutions.
Sparkurs mit Folgen
Im Wachstumsfeld Re-Infra & Smart City Solutions sieht Patrizia sich besonders gut positioniert mit dem Ansatz, Infrastruktur und Immobilien in einer neuen Anlageklasse zu verzahnen – beispielsweise bei der Energieversorgung mit dem Bau von Fernwärmenetzen. Inwieweit das Infrastrukturpaket der künftigen Bundesregierung die Branche beschleunigt oder bremst, ist allerdings nicht entschieden. Während ein Teil der Anleger auf indirekt angeregte Privatinvestitionen setzt, fürchtet der andere Teil, dass angesichts der Geldschwemme von mehreren hundert Milliarden Euro der Staat keine Notwendigkeit sieht, aufwändige Public-Private Partnerships zu initiieren.
Der Patrizia-Umbau kostet bisher jede Menge Geld. Das Ebitda wurde im vergangenen Jahr mit 11 Mill. Euro belastet, im Vorjahr sind es 16 Mill. Euro gewesen. Zwar steigt die Dividende nun zum siebten Mal in Folge, teilweise musste jedoch auf die Substanz zurückgegriffen werden. Inwieweit der konsequente Sparkurs – die Personalkosten wurden im vergangenen Jahr um 13% gedrückt – die Fähigkeit von Patrizia schwächen wird, in einem Marktaufschwung voll einzusteigen, ist unklar.
Im Rahmen der Abschlussprüfung 2024 musste Patrizia eine M&A-Transaktion teils neu verbuchen. Dies steigerte den Personalaufwand 2022 bis 2024, senkte den Gewinn und verzögerte die Zahlenvorlage. Der Geschäftsbericht wird erst am 10. April statt am 21. März erscheinen.