Für die Silicon Valley Bank geht es jetzt um alles
Die Silicon Valley Bank kämpft um ihre Kunden und damit ums Überleben. Die gute Nachricht: Der Bank ist es in den USA gelungen, sich aus der Zwangsverwaltung des Einlagensicherungsfonds (FDIC) zu lösen, indem eine Brückenbank aufgesetzt wurde, die mit Kunden Geschäft machen darf. Die schlechte Nachricht: Der Bank laufen die Kunden und die Zeit davon. In einer Mitteilung an seine (Ex-)Kunden flehte der neue CEO Tim Mayopoulos diese regelrecht an, ihre wieder freigegebenen Gelder nicht abzuziehen und bereits transferierte Gelder zurückzubringen. Die Einlagenbasis wieder aufzubauen, sei das Wichtigste, was Kunden nun tun könnten, um die Zukunft der Bank zu unterstützen. Für die Bank geht es dabei um nicht weniger als um alles. Zwar wurde die SVB in den USA für systemrelevant erklärt und alle Einlagen werden vom FDIC garantiert. Doch jeder weitere verlorene Kunde senkt den Wert der Bank und schwächt die Verhandlungsposition gegenüber potenziellen neuen Investoren.
Und auch um das Geschäft, wie von CEO Mayopoulos angekündigt, wieder hochfahren zu können, braucht die Silicon Valley Bank die Einlagen, über die sie sich zu einem Großteil refinanziert. Doch selbst wenn es der Bank gelingt, den Einlagenschwund zumindest zu stoppen, ist es sehr unwahrscheinlich, dass sie schnell zu alter Stärke zurückfindet. Vor dem Zusammenbruch hatten viele Start-ups nahezu ihr gesamtes Cash aus der Finanzierungsrunde bei der SVB geparkt, auf das sie zeitweise nicht mehr zugreifen konnten. Dieses Problem hat sich durch die Übernahme der UK-Tochter durch die HSBC und die staatlichen Garantien in den USA inzwischen zwar wieder gelöst, dennoch werden Start-ups dieses Konzentrationsrisiko künftig nicht mehr eingehen und ihre Einlagen breiter streuen. Hinzu kommt, dass die Deutschlandtochter der Silicon Valley Bank weiterhin lahmgelegt ist. Das am Montag von der BaFin verhängte Moratorium gilt weiterhin, was wohl mit der neuen Brückenbank zusammenhängt, die für Deutschland eine juristische Hürde darstellt. Die deutsche Niederlassung der alten SVB darf damit weiterhin keine Geschäfte machen. Hierfür muss die Bank schleunigst eine Lösung finden.
Zwar genießt sie auch im deutschen Markt einen exzellenten Ruf und hat einen gewissen Vertrauensvorsprung. Dieser ist jedoch endlich, und die Finanzierungsalternativen sind vorhanden. Es gibt genug Venture Debt Funds, die nur zu gern in die Bresche springen würden. Die Bank braucht nun dringend Erfolge. Nicht nur um die Kunden und Märkte, sondern auch um die eigenen Mitarbeiter zu beruhigen. Sonst droht der Bank neben dem Cash- als Nächstes der Braindrain.