LeitartikelAbkehr von alten Fehlern

UBS will den Paradigmenwechsel

Die UBS-Führung hat sich mit der Übernahme der Credit Suisse ganz dem Pfad der Tugend verschrieben. Die Bank positioniert sich als globale Vermögensverwalterin und strebt dafür eine hohe Bewertung an der Börse an. Doch ein solcher Paradigmenwechsel kann nur als Generationenprojekt gelingen.

UBS will den Paradigmenwechsel

Abkehr von alten Fehlern

UBS will den Paradigmenwechsel

Die Börse möchte der UBS eine Abkehr von alten Untugenden zubilligen. Eine Managergeneration reicht dafür aber nicht.

Von Daniel Zulauf

UBS – die drei Buchstaben stehen auch für die weitverbreitete Auffassung, dass große Banken irgendwann zum Scheitern verurteilt sind. Die Geschichte der modernen UBS ist erst 26 Jahre alt und stützt das Paradigma in beispielhafter Weise.

Wir erinnern uns: 1997 entzogen sich die Schweizerische Bankgesellschaft und der Schweizerische Bankverein durch Fusion zur UBS der akuten Gefahr, Opfer einer feindlichen Übernahme zu werden. Die beiden Institute suchten ihr Heil in der Größe und stiegen so in die damals noch junge Kaste der „Global Player“ auf.

Das Glück der Jungvermählten währte kein volles Jahr, bis die LTCM-Pleite die ganze Finanzwelt erschütterte und die amerikanische Zentralbank zu einer Notrettung des Hedgefonds zwang. Das LTCM-Debakel bescherte UBS einen gravierenden Milliardenverlust, den niemand erwartete und kommen sah. LTCM-Gründer John Meriwether hatte sich in den 1980er Jahren als knallharter Bondhändler bei Salomon Brothers viel Geld und Respekt erworben und damit wohl den Schrittsteller Tom Wolfe zu dessen legendärem Roman „Fegefeuer der Eitelkeiten“ inspiriert.

Die UBS musste ihre Führung austauschen, um aus dem Fegefeuer wieder herauszukommen. Immerhin verfehlte der Schock nicht seine heilende Wirkung. UBS überstand die Dotcom-Krise von 2001 weit glimpflicher als die Konkurrenz. Aber dann beeilte sich das Institut umso mehr, die Eroberung der Wall Street zu schaffen – mit verheerenden Folgen. 2008 musste UBS nach Verlusten in Höhe von über 40 Mrd. Dollar vom Staat gerettet werden. Gut 15 Jahre nach jenem Nahtoderlebnis ist die sanierte und neu positionierte UBS auf die Überholspur zurückgekehrt.

Der Börsenwert des Konzerns ist mit gut 80 Mrd. sfr zwar immer noch nur halb so hoch wie damals in jenen verrückten Jahren direkt vor der Finanzkrise. Doch für die Rückkehr an die Spitze der Rangliste der wertvollsten Banken Kontinentaleuropas hat die Aktienkursrally im vergangenen Jahr (+51%) schon mal ausgereicht. Haupttreiber dieser phänomenalen Kursperformance war selbstredend die Credit Suisse, die im März im Zuge einer existenzbedrohenden Vertrauenskrise für einen fast schon symbolischen Preis in die Hände ihrer ewigen Rivalin gelangte. Die Übernahme weckt Kursfantasien. Gewiefte Finanzanalysten haben den Gegenwartswert angekündigter Kosteneinsparungen in Höhe von 10 Mrd. Dollar bereits ausgerechnet und sind dabei auf eine Summe gekommen, die nicht weit unter dem aktuellen Börsenwert der UBS liegt.

Die von der neuen UBS-Großaktionärin Cevian bereits öffentlich ausgesprochene Erwartung einer Verdopplung des Aktienkurses auf 50 sfr lässt sich also mit einer banalen Gleichung nachvollziehen. Und globale Großbankaktien liegen derzeit durchaus im Trend, wie just die UBS in einer aktuellen Branchenstudie feststellt. Doch sinnigerweise lässt auch die UBS-Studie die Frage offen, ob ehrgeizige Projektionen à la Cevian auch einer langfristigen Betrachtung standhalten.

Die Annahme ist plausibel, dass die aktuelle UBS-Führung den Fokus nicht verlieren wird. Präsident Colm Kelleher und CEO Sergio Ermotti sind offensichtlich entschlossen, UBS ganz auf das Wealth-Management-Modell umzupolen, das dem Vorbild Morgan Stanley an der Börse bereits eine Verdopplung des Buchwertes eingebracht hat. Auf verlockende Wall-Street-Wetten à la Archegos dürfte UBS vorerst also weitgehend verzichten.

Doch was ist, wenn der Wiederaufstieg zur Großmacht im globalen Banking geschafft ist und die Architekten der neuen Superbank in Rente gegangen sind? Leider legt das geltende Paradigma die Befürchtung nahe, dass eine neue Führungsgeneration mit einer noch größeren und mächtigeren Bank die alten Fehler erneut begeht. Der von UBS angestrebte Paradigmenwechsel kann deshalb nur als Generationenprojekt gelingen. Bis dahin sind die Aufsichtsbehörden gut beraten, dem Institut die strengen Regeln aufzuerlegen, die geeignet sind, den Erfahrungen der vergangenen 26 Jahre gerecht zu werden.

Die Börse möchte der UBS eine Abkehr von alten Untugenden zubilligen. Eine Managergeneration reicht dafür aber nicht.

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