Versicherer

Coste-Lepoutre wird Finanzchefin der Allianz

Die Allianz hat ihr Top-Management für die nächsten Jahre bestimmt. Claire-Marie Coste-Lepoutre führt das Finanzressort, Oliver Bäte bleibt bis 2028 CEO. Interne Kandidaten für seine Nachfolge können sich nun beweisen.

Coste-Lepoutre wird Finanzchefin der Allianz

Coste-Lepoutre führt das Allianz-Finanzressort

Von Michael Flämig, München

Die Allianz hat weitgehend jenes Top-Management bestimmt, das den Versicherer bis in die zweite Hälfte der 20er Jahre leiten soll. Damit wird auch klarer, wem der Aufsichtsrat zutraut, als CEO den Versicherer in das nächste Jahrzehnt zu führen. Wenn Oliver Bäte (58) den Versicherer in viereinhalb Jahren verlässt, werden sowohl Andreas Wimmer (49) als auch Renate Wagner (50) und die neu berufene Finanzvorständin Claire-Marie Coste-Lepoutre (48) langjährig Erfahrung im Vorstand gesammelt haben.

Das Mandat des Vorstandsvorsitzenden Bäte hat der Aufsichtsrat am Montag wie erwartet verlängert, und zwar um dreieinhalb Jahre bis zum Jahr 2028. Er solle mit seinen Vorstandskollegen das nachhaltige und profitable Wachstum der Allianz fortsetzen, erklärt Michael Diekmann (69).

Kandidatenfeld für Bäte-Nachfolge

Bäte hatte zuletzt Zuspruch auch vom Kapitalmarkt erhalten. So stieg der Aktienkurs am 15. September auf den höchsten Stand seit dem Jahr 2002, und am 26. September erhöhte Moody´s das Rating. Nicht zuletzt konnte Bäte der BaFin kurz vor der Aufsichtsratssitzung das Damoklesschwert eines Kapitalaufschlags entwinden, das die Finanzaufsicht wegen IT-Mängeln über der Allianz geschwungen hatte. In der Folge dürfte außer Frage sein, dass die Allianz am juristischen Unternehmenssitz München festhält.   

Der seit Mai 2015 amtierende Bäte wird bei seinem Ausscheiden 2028 zwar 63 Jahre alt sein und damit knapp die Altersgrenze für Vorstandsmitglieder von maximal 62 Jahren reißen. Dies sei aber vertretbar, heißt es bei der Allianz. Der Vorteil dieser Sichtweise für den Versicherer: Dies entzerrt den Wechsel an den Spitzen von Aufsichtsrat und Vorstand. Denn Diekmann wird das Gremium zur Hauptversammlung 2026 verlassen. Sein Nachfolger wird dann gut ein Jahr Zeit haben, die 2027 zu verkündende Bäte-Nachbesetzung zu regeln.

Diekmann hatte bereits im Mai 2023 angekündigt, dass im Jahr 2026 an der Aufsichtsrats-Spitze kein ehemaliges Mitglied des Allianz-Vorstands zum Zug kommt, sondern ein externer Kandidat. Dies verringert die Wahrscheinlichkeit, dass die CEO-Position 2028 ebenfalls extern besetzt wird. Darüber hinaus hat die Allianz sehr gemischte Erfahrungen gemacht mit außenstehenden Managern, die unmittelbar in den Vorstand berufen wurden. Künftig sollen Externe verstärkt maximal auf der Management-Ebene unterhalb des Vorstands einsteigen.

Wimmer läuft sich warm

Vor diesem Hintergrund hat die Verlängerung des Mandats von Andreas Wimmer (49) um fünf Jahre bis zum 30. September 2029, die die Allianz am Montag verkündete, eine besondere Bedeutung. Schließlich gilt er als Nachfolge-Kandidat. Der Ex-Chef des deutschen Allianz-Lebensversicherers hat ein strategisches Projekt vor der Brust: Er soll Assetmanagement und Lebensversicherung einander annähern.

Die Lebensversicherung wird – so der Gedanke – nicht mehr ein sehr kapitalintensives Geschäft sein, sondern eher dem Assetmanagement ähneln. Außerhalb Deutschland könnten Banken interessiert sein, die Lebensversicherungspolicen selbst zu halten. Bisher allerdings sind keinerlei Fortschritte in diesem Arbeitsgebiet erkennbar.

Strategisch ebenso delikat ist eine Frage, die allerdings erst mittelfristig beantwortbar ist: Ob die Allianz sich auf eine Assetmanagement-Gesellschaft statt auf zwei Töchter beschränken sollte. Schließlich ist das traditionelle AGI-Aktiengeschäft mit niedrigen Margen verbunden und könnte abgegeben werden. Profitablere Geschäfte dagegen könnte die Tochter Pimco bündeln.

Frauen in den Startblöcken

Für die Bäte-Nachfolge kann die Allianz darüber hinaus auf einen Pool weiblicher Spitzenmanager zurückgreifen – bei einer entsprechenden Berufung stände erstmals eine Frau an der Spitze des Versicherers. Vier der neun Vorstandsmitglieder sind demnächst Frauen. Denn zum 1. Januar tritt Coste-Lepoutre die Nachfolge von Finanzvorstand Giulio Terzariol (51) an. Sie erhalte einen Vertrag bis Dezember 2026, erklärte die Allianz.

Generali bestätigte am Montag die zuvor durchgesickerte Information, dass Terzariol von Januar an die neue Funktion eines CEO Insurance erhält. Bäte lobte seinen Kollegen in den höchsten Tönen. Die Allianz hätte ihn sehr gerne gehalten, aber man respektiere seine Entscheidung und wisse, dass er in seiner neuen Rolle erfolgreich sein werde: „Giulio war ein wunderbarer Kollege, eine Führungspersönlichkeit und ein Freund, der in jedem Aspekt seines Ressorts hervorragende Leistungen und Integrität gezeigt hat.“

Die Französin Coste-Lepoutre absolviert mit der Berufung zum Mitglied des Vorstands eine Blitzkarriere. Erst seit dem 1. September dieses Jahres amtiert sie als Chefaktuarin und Leiterin der Abteilung Planning & Controlling. Zuvor hatte Coste-Lepoutre, die seit dem Jahr 2011 für die Allianz arbeitet, den hauseigenen Industrieversicherer AGCS viereinhalb Jahre als CFO und stellvertretende Vorstandsvorsitzende erfolgreich saniert.

Die Laufbahnen von Coste-Lepoutre und Bäte kreuzten sich bereits mehrfach. Teils zeitgleich mit Bäte war sie für McKinsey tätig (2004 bis 2011), wurde die Büroleiterin des damaligen Finanzvorstands (Dezember 2011 bis Januar 2013) und wechselte, als Bäte das Vorstandsressort für die Versicherungsaktivitäten in einigen europäischen Ländern übernahm, in diesen Verantwortungsbereich (Januar 2013 bis August 2015), um anschließend als CFO der Allianz Benelux zu arbeiten (September 2015 bis Februar 2019).

Strategie auf Kapitalmarkttag

Inwieweit Coste-Lepoutre, die wie Terzariol auch für Compliance zuständig sein wird, die Finanzkommunikation neu ausrichtet, wird sich weisen. Bäte hatte im Gespräch mit Analysten einmal durchscheinen lassen, dass er die Nennung von sehr vielen Daten eher als hinderlich für ein tieferes Verständnis der Allianz sieht. Insofern käme ihm eine verstärkt strategieorientierte Darstellung entgegen. Andererseits reagiert der Kapitalmarkt auf die Einschränkung von Informationen, die als verringerte Transparenz interpretiert werden kann, häufig allergisch.

Für Bäte seinerseits kommt es in den kommenden Jahren darauf an, dass die Allianz ihre PS auf die Straße bringt. Dies geht nur über den Vertrieb. Die Idee: Wenn sich die Großbanken aus der Fläche zurückziehen, kann die Allianz diese Beratungsfunktion übernehmen. So könnte das Privatkundengeschäft endlich in Schwung kommen. Wichtig für Bäte bleibt die Modernisierung der IT. Darüber hinaus wird er die Globalisierung der Allianz-Dienstleistungen vorantreiben. Seine Strategie inklusive der Dividendenpolitik präsentiert er auf dem Kapitalmarkttag am 10. Dezember 2024.

Der Allianz-Aufsichtsrat entscheidet noch über die Vorstandsmandate von Sirma Boshnakova (51) und Günther Thallinger (51). Sie laufen Ende 2024 aus und können frühestens im Januar verlängert werden. Alle anderen Verträge von Vorständen sind über das Ende der Diekmann-Amtszeit hinaus festgezurrt.

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