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Diamanten schlagen Gold

Der härtesten Währung der Welt wird für 2012 eine weitere Aufwertung prognostiziert - Angebotsdefizit nimmt zu

Diamanten schlagen Gold

Solide Umsatzzahlen im Weihnachtsgeschäft der Schmuckindustrie lassen den Diamantenhandel auf ein gutes Jahr 2012 hoffen. Mancher Analyst sieht Diamanten aber nicht nur in diesem Jahr im Aufwind. Auf lange Sicht wird schon davon ausgegangen, dass die edelsten aller Steine sogar Gold abhängen. Begründet wird dies mit der fundamentalen Verfassung des Marktes: Ein preistreibendes Angebotsdefizit wird prognostiziert.Von Kai Johannsen, Frankfurt”Tiffanys Weihnachtsumsatz plus 7 % – trotz schwächerer EU” – so lautete Anfang Januar die Headline, die im Diamantenhandel positiv aufgenommen wurde. Auch andere im Schmuckbereich tätige Firmen, vornehmlich aus Nordamerika, wie beispielsweise Signet’s und Zale’s, berichteten von Umsatzzuwächsen, auch wenn mancherorts die sehr hochgesteckten Erwartungen nicht mehr übertroffen werden konnten. Bei Signet’s waren es 8 % Steigerung, bei Zale’s wurde von einem Plus von 6 % berichtet.2011 war für den Diamantenhandel bereits ein ausgesprochen solides Jahr, auch wenn es in der zweiten Jahreshälfte unter dem Einfluss der zunehmenden Nervosität in Sachen Schuldenkrise zu Preisabschwächungen kam. Die Bilanz für 2011 kann sich durchaus sehen lassen und erinnert an gute Aktienjahrgänge. Der von Rapaport, dem maßgeblichen Preisprovider für den Diamantenhandel, berechnete RapNet Diamond Index für einkarätige zertifizierte Diamanten legte im Gesamtjahr 19 % zu. Im ersten Halbjahr war es noch ein Plus von rund 34 %. Es ist der stärkste Anstieg seit dem Jahr 2006. 2009 war es ein Plus von 14 %. Das Jahr zuvor büßte der Index unter dem Einfluss der Banken- und Finanzmarktkrise sowie der damit einhergehenden Rezessionstendenzen der Konjunktur in vielen Ländern 0,5 % ein.Für dieses Jahr wird im Diamantenhandel zumeist von weiter steigenden Preisen ausgegangen, auch wenn das Tempo der Aufwärtsbewegung den Prognosen zufolge nachlassen wird. Das wird im Handel aber als eine gesunde Entwicklung charakterisiert. So prognostiziert etwa BMO Capital Markets für dieses Jahr einen Anstieg der Diamantenpreise von durchschnittlich etwa 9 %. 2013 soll es dann noch ein leichtes Plus von 1,4 % sein, 2014 eines von + 4,8 %. Auch für die Jahre danach werden schon Prognosen gewagt: + 2,6 % für 2015 und + 3,2 % für 2016. Andere Häuser gehen von noch etwas stärkeren Preiszuwächsen sowohl in diesem Jahr als auch in den Folgejahren aus. Ab 2013 abwärtsExperten erwarten sogar, dass die Diamantenpreise auf längere Sicht den Goldpreis, der insbesondere unter dem Einfluss der Schuldenkrise in Europa stark zugelegt hat, abhängen werden. Von Bloomberg befragte Analysten sehen beim Goldpreis in diesem Jahr noch einen Anstieg um 19 %. Ab dem Jahr 2013 sollte der Goldpreis ihrer Einschätzung nach dann aber fallen, und zwar drei Jahre lang. Die Performance der härtesten Währung der Welt würde dann die Preisentwicklung des gelben Metalls schlagen. Experten vertreten die Ansicht, dass der Goldpreis nicht mehr die fundamentale Verfassung des Marktes, d. h. die Angebots-/Nachfragestrukturen reflektiert. Für viele Anleger ist Gold zu einem Hedge gegen politisch unruhige Zeiten und schwierige wirtschaftliche Phasen geworden. Dieser Faktor trieb den Preis in erster Linie auf die Rekordhöhen. Nun werden von vielen Beobachtern substanzielle Korrekturen erwartet.Diese Preisavancen hat der Diamantenmarkt – trotz der positiven Performance 2011 – nicht erlebt. Die Fundamentaldaten sprechen für solide Aussichten. So geht etwa Anglo American, die Ende 2011 den Anteil der Familie Oppenheimer am früheren Diamantmonopolisten De Beers übernommen hat, davon aus, dass China, Indien und Länder des Mittleren Ostens bereits 2015 rund 40 % der weltweiten Nachfrage nach Diamanten auf sich vereinen werden. 2005 waren es noch 8 %, derzeit wird ihr Anteil mit etwa 25 % angegeben. Angetrieben wird die Nachfrage nach Diamantschmuck in erster Linie durch den Konsum der neu entstehenden Mittel- und Oberschichten der aufstrebenden Volkswirtschaften. In diesen Gesellschaften haben Schmuck und damit auch die Diamanten einen sehr viel höheren Stellenwert als in weiten Kreisen europäischer Bevölkerungsschichten. So wird in Europa in den nächsten Jahren auch nur von leichten Nachfrageanstiegen ausgegangen.Prognosen der britischen Diamond Forecasts zufolge steigt der Wert des nachgefragten Diamantschmucks bis zum Jahr 2015 weltweit auf mehr als 100 Mrd. Dollar an. Für 2010 geben die Experten den aggregierten Nachfragewert mit rund 74 Mrd. Dollar an. Die weltweite Schmuckindustrie setzt dabei in erster Linie auf China. Laut Berichten von De Beers haben die Chinesen die Japaner längst auf der Nachfrageseite für Diamanten überholt und sind hinter den USA bereits die größte Käufergruppe. In den USA berichtete De Beers für 2010 von Nachfrageanstiegen von rund 7 %. In China ist es den Angaben zufolge ein entsprechendes Plus von 25 % gewesen.”Gedanken macht sich der Handel aber zunehmend über die Angebotsseite. Viele Minengesellschaften betreiben ihre Minen an der Kapazitätsgrenze. Neue Explorationen werden aus Kostengründen häufig gescheut. Und selbst wenn neue Diamantvorkommen entdeckt und zutage gefördert werden sollten, reichen sie nach gegenwärtiger Einschätzung nicht, um auf kurze und mittlere Sicht die Nachfrage und erwarteten Nachfrageschübe zu decken, denn dafür dauert der Explorationsprozess zu lang”, sagt Ulrich Freiesleben, Rohdiamantenhändler an der Diamantenbörse in Antwerpen. Das wird laut Freiesleben dafür sorgen, dass ein Angebotsdefizit die Preise weiterhin in sehr stabilen Bahnen halten bzw. weitere Anstiege begünstigen wird. Immer weniger gefördertDiese Einschätzung wird geteilt. Die in Moskau ansässige Investmentgesellschaft Finam Investment gab kürzlich gegenüber Bloomberg die Prognose ab, dass die weltweite Nachfrage nach Diamanten bereits 2016 das Angebot um rund 7 Mill. Karat übertreffen wird. Es gibt aber noch weitreichendere Prognosen. Bain & Company etwa rechnet damit, dass das Angebotsdefizit im Jahr 2020 bereits bei mehr als 70 Mill. Karat liegen wird, berichtete Bloomberg jüngst. Tatsache ist, dass die Minengesellschaften in den vergangenen Jahren immer weniger Karatmengen gefördert haben (vgl. Bericht auf dieser Seite). Bei einer zunehmenden Nachfrage wirkt auf den Markt damit zudem der Druck eines knapper werdenden Angebots.