League Tables

Goldman Sachs führt im weiter schwachen M&A-Markt

Auf das Katastrophenjahr 2022 folgte im Investment Banking ein schwieriges erstes Quartal. Während die M&A- und Fremdkapitalmärkte noch weiter zurückgingen, weckt das Eigenkapitalmarktgeschäft Hoffnung.

Goldman Sachs führt im weiter schwachen M&A-Markt

phh Frankfurt –

2022 war für das Investment Banking ein Jahr zum Vergessen. Für dieses Jahr waren Investmentbanker eigentlich optimistisch gestimmt, doch die seit nunmehr zwei Wochen schwelende Bankenkrise in den USA und in der Schweiz hat die Euphorie gebremst. Die vorläufigen Zahlen des Datenanbieters Refinitiv zeigen, dass das erste Quartal im Investment Banking teilweise sogar noch schlechter lief als im vergangenen Jahr.

So ist das weltweite angekündigte M&A-Volumen ist im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr noch einmal um mehr als die Hälfte auf rund 457 Mrd. Dollar eingebrochen. Einen so niedrigen Wert hat Refinitiv letztmals vor zwanzig Jahren gemessen. Die Transaktionsanzahl ging um 39 % auf 9.315 zurück. Auch im M&A-Markt mit deutscher Beteiligung gab es 42% weniger Transaktionen als noch vor einem Jahr. Diese waren jedoch größer als zuletzt, weshalb das Dealvolumen lediglich um 12% auf rund 21,5 Mrd. Euro gesunken ist.

Die Marktzahlen zeigen auch, dass sich deutsche Unternehmen auf der Käuferseite stark zurückgehalten haben. Es wurden mehr deutsche Unternehmen von ausländischen Käufern übernommen (Inbound) als anders herum (Outbound). Das Inbound-Volumen sank um 23% auf rund 7 Mrd., das Outbound-Volumen um 59 % auf rund 2,6 Mrd. Dollar. Besonders schwach lief der deutsche Binnen-M&A-Markt, wenn ein deutsches Unternehmen ein anderes deutsches Unternehmen übernimmt. Hier sank das Transaktionsvolumen um 63% auf nur noch rund 1,6 Mrd. Dollar.

M&A-Markt hofft auf Private Equity

Für einen kleinen Lichtblick im sonst tristen deutschen M&A-Geschäft sorgte Private Equity. Zwar ging auch hier im ersten Quartal die Transaktionsanzahl um 9% zurück, das Dealvolumen erhöhte sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum jedoch um 15% auf rund 4,8 Mrd. Euro. Global betrachtet tat sich Private Equity im ersten Quartal schwer. Die Transaktionsanzahl ging um 45% auf rund 2.000 zurück. Das Dealvolumen belief sich mit rund 105 Mrd. Euro fast nur noch auf ein Drittel des Volumens im Vorjahreszeitraum.

Im Gegensatz zu Strategen können Private-Equity-Investoren bei M&A-Deals nicht ewig abwarten. Die Finanzinvestoren verfügen über viel trockenes Pulver und müssen das Kapital zum Arbeiten bringen. Gleichzeitig haben Finanzinvestoren in ihrem Portfolio einige Beteiligungen, die sie bereits seit längerer Zeit halten und für die das Exit-Umfeld zuletzt stark eingetrübt war. „Aufgrund dieser Umstände bereiten sich viele Investoren aktuell intensiv auf eine Rückkehr der Finanzierungsmärkte vor und sind grundsätzlich bereit für Transaktionen“, sagt Burc Hesse von der Wirtschaftskanzlei Latham & Watkins.

Die deutschen M&A League Tables im ersten Quartal werden von Goldman Sachs angeführt, das drei Übernahmen im Gesamtwert von rund 11,2 Mrd. Dollar begleitet hat. Auf dem zweiten Platz landete Morgan Stanley mit ebenfalls drei Transaktionen im Gesamtwert von rund 10,2 Mrd. Dollar. Platz Drei belegte die Schweizer UBS, die fünf Transaktionen im Gesamtwert von rund 9,9 Mrd. Dollar begleitete.

Bankenkrise belastet Fremdkapitalmärkte

Dass es die M&A-Märkte zuletzt schwerhatten, lag auch an den ausgetrockneten Fremdkapitalmärkten (Debt Capital Markets, DCM). Mit dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs und der im Zuge der Inflation eingesetzten Zinswende herrschte sowohl an den Anleihemärkten als auch bei Leveraged Loans große Verunsicherung. Großen Übernahmen fehlte schlicht die Finanzierungsmöglichkeit, insbesondere wenn es dabei um hoch verschuldete Private-Equity-Übernahmen ging.

Investmentbanker zeigten sich zu Jahresbeginn optimistisch, dass die Märkte in diesem Jahr wieder öffnen, wenn die Volatilitäten aus dem vergangenen Jahr zurückgehen und sich Unternehmen an höhere Zinsen gewöhnt haben. Doch die schwelende Bankenkrise hat die Unsicherheit wieder zurückgebracht. So sind die Einnahmen der Banken im deutschen Emissionsgeschäft von Anleihen im ersten Quartal noch einmal um ein Viertel auf rund 107 Mrd. Dollar gesunken.

Die Einnahmen bei Anleiheemissionen von Unternehmen mit guten Bonitäten (Investmentgrade) sanken um 29% auf 38 Mrd. Dollar. Die Einnahmen bei Bondemissionen von Unternehmen mit schlechten Bonitäten (High Yield) stieg hingegen um 21% auf 705 Mill. Dollar. Dieser Markt war vor einem Jahr komplett eingebrochen, von 5,8 Mrd. auf 582 Mill. Euro und dürfte es auch in diesem Jahr schwer haben.

Die League Tables zu deutschen Anleihen werden von der Deutschen Bank angeführt. Die Bank erlöste mit 30 begleiteten Emissionen 14,9 Mrd. Dollar. Das sind doppelt so viele Transaktionen und fast dreimal so hohe Erlöse wie beim Zweitplatzierten J.P. Morgan, dessen Einnahmen aus 15 Transaktionen sich auf 5,5 Mrd. Dollar beliefen. Die LBBW belegt mit 24 Transaktionen und Einnahmen von 4,9 Mrd. Dollar den dritten Platz.

Eigenkapitalmarktgeschäft macht Hoffnung

Nicht nur die Fremdkapitalmärkte litten unter der hohen Marktvolatilität. Auch die Eigenkapitalmärkte (Equity Capital Markets, ECM) wurden stark gebeutelt. Insbesondere die hohe Zinsvolatilität machte es Marktteilnehmern schwer, sich auf eine Unternehmensbewertung zu einigen, da der Zins in den Bewertungsmodellen eine wichtige Rolle spielt und einen hohen Einfluss auf den Unternehmenswert hat. Im ersten Quartal senden die Eigenkapitalmärkte aber positive Signale.

Die Einnahmen von Banken aus dem Geschäft mit Börsengängen, Kapitalerhöhungen und anderen Eigenkapitalinstrumenten hat sich im ersten Quartal verglichen mit dem Vorjahreszeitraum auf 4,6 Mrd. Dollar mehr als verdreifacht. Banker und Anwälte zeigen sich hoffnungsvoll. „Im Vergleich zu den USA beobachten wir in Deutschland durchaus wieder Aktivität am IPO-Markt. Abhängig von den Marktgegebenheiten halten wir daher auch IPOs vor der Sommerpause durchaus für möglich“, sagt Oliver Seiler von Latham & Watkins. Bei größeren Portfoliounternehmen würden Private-Equity-Investoren als Exit-Option zum Verkauf inzwischen auch wieder einen Börsengang als Alternative diskutieren, da sich die Akquisitionsfinanzierung als erhebliche Herausforderung darstelle. In Krisenzeiten sind die Leveraged-Finance-Märkte für gewöhnlich die Ersten die schließen und die letzten, die wieder öffnen.

In den ECM League Tables hatte im ersten Quartal Barclays die Nase vorn. Die Briten erlösten 620 Mill. Dollar und damit deutlich mehr als die zweitplatzierten Unicredit und HSBC, die jeweils 511 Mill. Dollar verdienten. Die beiden deutschen Vertreter Deutsche Bank und Berenberg schafften es mit 150 Mill. beziehungsweise 134 Mill. Dollar nicht in die Top Ten. Wie sich das IPO-Geschäft in diesem Jahr entwickelt, bleibt abzuwarten. Investmentbanker hoffen im Eigenkapitalmarktgeschäft aber vor allem auf mehr Kapitalerhöhungen und Bezugsrechtsemissionen, wo sich Unternehmen und Investoren bereits kennen.

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