Hannover Messe

Industrie startet schwungvoll ins Jahr

Nachdem sich die Lieferkettensituation für deutsche Maschinen- und Anlagenbauer zuletzt verbessert hat, konnte die Branche zum Jahresbeginn wieder mehr produzieren. Der Fachkräftemangel bleibt jedoch ein hartnäckiges Problem, das so gut wie jedes Unternehmen betrifft.

Industrie startet schwungvoll ins Jahr

Maschinenbau und Elektroindustrie steigern Produktion zu Jahresbeginn – Fachkräftemangel trifft alle

Die Unternehmen aus dem deutschen Maschinenbau sowie aus der Elektro- und Digitalindustrie haben zum Jahresbeginn von einer Entspannung der langwierigen globalen Lieferkettenprobleme und von einer beschleunigten Dekarbonisierung der Wirtschaft profitiert. Im Maschinenbau stieg die Produktion in den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres um gut 3%, wie der Branchenverband VDMA auf der Hannover Messe mitteilte. Im Vorjahr hatte die Industrie die Erwartungen knapp verfehlt, mit einem Produktionszuwachs von preisbereinigt 0,5%. An der Schätzung von zuletzt noch plus 1% für das Jahr 2022 hatte Verbandspräsident Karl Haeusgen bis in den Dezember hinein festgehalten.

Im laufenden Jahr rechnet der Verband weiterhin mit einem Rückgang der Produktion von preisbereinigt 2%. Die Versorgung mit für die Unternehmen wichtigen Bauteilen habe sich deutlich verbessert, wie auch eine Umfrage unter den Mitgliedsunternehmen gezeigt habe. Demnach hatten im März nur noch 57% der Firmen merkliche oder gravierende Schwierigkeiten aufgrund von Engpässen. Im Juni 2022 waren es noch 87%.

So gut wie allen Unternehmen macht derzeit aber der Mangel passender Fachkräfte zu schaffen. Der Umfrage zufolge spürten hier zuletzt 97% aller Firmen aus dem Maschinenbau Engpässe, wobei es den meisten vor allem an Ingenieuren fehlt. „Die Situation auf dem Arbeitsmarkt kann uns nicht zufriedenstellen“, sagte Haeusgen. Wie in anderen Bereichen finde auch hier ein intensiver Standortwettbewerb zwischen vielen Ländern statt. Dabei appellierte er nicht nur an die Politik, etwa die technische Bildung in Schulen zu verbessern und Frauen den Zugang zum Arbeitsmarkt durch einen Ausbau des Kinder-Betreuungsangebots zu erleichtern. Er mahnte auch gleichzeitig betroffene Unternehmen, „ihre Belegschaften weiterzubilden und ein modernes Arbeitsumfeld anzubieten“.

ZVEI wird optimistischer

In der Elektro- und Digitalbranche war die Beschäftigtenzahl trotz Fachkräftemangel zuletzt nach 25 Jahren wieder über die Marke von 900.000 gestiegen. Ohne die Probleme bei der Personalsuche wäre der Aufschwung noch deutlicher ausgefallen, sagte Gunther Kegel, Präsident des Branchenverbands ZVEI. “Momentan können wir noch jede Stelle besetzen.” Es sei aber zu beobachten, dass Bewerber mit einem Vertragsangebot den Job nicht immer antreten, da sie auch Angebote von anderen Firmen hätten.

In der Branche war die Produktion in den ersten beiden Monaten des Jahres preisbereinigt um 6% gestiegen. Zugleich ist der Auftragsbestand von fast sechs Produktionsmonaten derzeit ungewöhnlich hoch, wie Kegel sagte. Infolgedessen erhöhte der ZVEI seine Erwartungen für das Gesamtjahr, in dem die reale Produktion nun um 1 bis 2% anziehen soll. Zuvor war der Verband noch von einer Stagnation ausgegangen.

Die Lieferkettenprobleme sind für die Industrie indes noch nicht ganz vom Tisch, zumindest nicht, was die Verfügbarkeit von Chips angeht. Diese Engpässe seien “dadurch entstanden, dass in der Chipindustrie über viele Jahre hinweg keine Investitionen stattgefunden haben. Und der plötzliche Anstieg des Bedarfs hat die Kapazitäten dramatisch überfordert”, erklärte Kegel. Der Bau einer neuen Fabrik, wie sie beispielsweise von Intel in Magdeburg angekündigt wurde, sei nicht nur teuer, sondern dauere auch mehrere Jahre. Das gelte umso mehr, “wenn Investitionsentscheidungen verzögert werden, weil man auf alle möglichen Subventionen der Staaten wartet, die sich damit überbieten, wer den nächsten Schachzug macht, um eine Fabrik nach Europa oder Nordamerika oder Asien zu holen.” Der ZVEI sehe es entsprechend mit einer gewissen Verärgerung, wenn der notwendige Ausbau an Kapazitäten dadurch noch weiter verzögert wird.

Überhaupt tun sich die Vertreter der Verbände mit dem Thema Subventionen schwer. Dass beispielsweise Unternehmen, bei denen sich die Lieferketten bereits stabilisiert haben, immer noch Kurzarbeit beantragen können, sei nicht einzusehen, sagte VDMA-Präsident Haeusgen. “Wir sind der Ansicht, Unternehmen managen ihre Lieferketten selbst und stehen auch in der Verantwortung über die Ergebnisse dieses Managements.” Man könne zudem darüber philosophieren, warum bestimmte Treibstoffarten immer noch subventioniert werden. “Warum ist landwirtschaftlicher Dieseltreibstoff subventioniert? Warum ist Flugzeugbenzin subventioniert?”, so Haeusgen, der stattdessen eine Flexibilisierung auf den Arbeitsmärkten sowie einen Abbau von Regulierung und Bürokratie vor allem für den Mittelstand forderte.

Industrie startet schwungvoll ins Jahr

In den deutschen Maschinenbau- und Elektrotechnik-Unternehmen, die zusammen fast zwei Millionen Menschen beschäftigen, war zu Beginn des Jahres wieder mehr los. Die Steigerungsraten in der Produktion, zu denen es im Januar und Februar gekommen war, dürften auf Jahressicht aber nicht gehalten werden.

kro Frankfurt