Covestro trumpft auf
ak Köln
Der Kunststoffkonzern Covestro ist mit einer Margenexplosion ins Geschäftsjahr gestartet. Die Ebitda-Rendite hat sich in den ersten drei Monaten auf 22,5% mehr als verdoppelt. Die Zahlen des Dax-Konzerns zum ersten Quartal dürften einen der stärkeren Erholungseffekte in der deutschen Industrielandschaft zeigen. Covestro profitierte von einer kräftig gestiegenen Nachfrage in Asien. Dort war das Vorjahresquartal bereits von der Pandemie stark beeinflusst gewesen.
Insbesondere die Automobil- und Transportindustrie sowie die Elektrik-, Elektronik- und Haushaltsgeräteindustrie zeigten ein signifikantes Wachstum, wie der Vorstand in der Quartalsmitteilung schreibt. Covestro konnte erheblich höhere Preise (+36%) bei Weich- und Hartschäumen (Polyurethane) durchsetzen. Das führte dazu, dass die größte Sparte im Konzern ihr operatives Ergebnis verneunfachte. Ein Grund für den Preisanstieg war auch die Verknappung des Angebots durch die Winterstürme in den USA, durch die viele Industrieanlagen lahmgelegt worden waren.
Eine Sparte verdient weniger
Im Gesamtkonzern verzeichnete Covestro ein Mengenwachstum von 5,3% und einen Umsatzanstieg um fast 19% auf 3,3 Mrd. Euro. Das Ebitda verdreifachte sich auf 743 Mill. Euro – eine Zahl, die der Vorstand schon vor zwei Wochen bei der Erhöhung der Jahresziele genannt hatte.
Einzig im kleinsten Konzernsegment Coatings, Adhesives, Specialties (CAS) verringerte sich das operative Ergebnis trotz eines Mengen- und Umsatzwachstums im einstelligen Prozentbereich. Es ging um 12% zurück. Neben kurzfristig höheren Herstellungskosten durch ungeplante Produktionsengpässe verwies Covestro zur Begründung auf höhere Rückstellungen für die variable Vergütung. Der Konzern zahlt laut Finanzvorstand Thomas Toepfer allen Beschäftigten einen kurzfristigen, an die operative Performance gekoppelten Bonus. In starken Jahren, wie es sich für 2021 abzeichne, falle der Bonus hoch aus. Er sei im ersten Quartal verarbeitet worden. Im eher stabilen Segment CAS sei der Effekt im Ergebnis spürbar. Konzernweit haben die Bonusrückstellungen das Ebitda um 105 Mill. Euro gedrückt.
Im zweiten Quartal will Covestro operativ in etwa mindestens genauso viel verdienen wie in den ersten drei Monaten des Jahres. Mit bis zu 870 Mill. Euro könnte es auch noch mehr werden. Im Gesamtjahr plant Covestro ein Ebitda zwischen 2,2 und 2,7 Mrd. Euro. Zu den Marktbedingungen aus dem August („Mark-to-Market) wären das sogar 3,1 Mrd. Euro, wie der Vorstand in einer Präsentation darlegte. In den USA sind die Lieferkettenprobleme nach den Wetterkapriolen noch nicht vollständig beseitigt: In einer Telefonkonferenz sagte CEO Markus Steilemann, in den Covestro-Werken gelte noch immer „Force majeure“.
RFM sorgt mit für Zuwachs
Bei der kürzlichen Erhöhung der Gewinnerwartung für das Gesamtjahr hat der Vorstand das avisierte Mengenwachstum unverändert gelassen: Es sollen im Kerngeschäft 10 bis 15% werden. Davon werden rund 6 Prozentpunkte aus der Erstkonsolidierung von RFM stammen. Covestro hatte im Herbst vergangenen Jahres das Geschäft mit Beschichtungsharzen vom niederländischen Konkurrenten DSM übernommen. Die Leverkusener waren damit zum Weltmarktführer in diesem Bereich aufgestiegen.
Covestro | ||
Konzernzahlen nach IFRS | ||
1. Quartal | ||
in Mill. Euro | 2021 | 2020 |
Umsatz | 3307 | 2783 |
Ebitda | 743 | 254 |
Polyurethanes | 443 | 50 |
Polycarbonates | 222 | 109 |
CAS1 | 114 | 130 |
Ebitda-Marge (%) | 22,5 | 9,1 |
Ebit | 556 | 67 |
Konzernergebnis | 393 | 20 |
Free Oper. Cash-flow 2 | 318 | − 249 |
Nettofinanzschulden | 95 | 3563 |
1) Coatings, Adhesives, Specialties; 2) operativ abzgl. Ausgaben für Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte; 3) zum 31.12.2020 Börsen-Zeitung |