Familienkonzern im Umbau

Haniel steckt noch im Umbau fest

Einen großen Big Bang wird es beim Familienkonzern Haniel unter dem neuen CEO Joachim Drees nicht geben. Immerhin soll den Gesellschaftern im Mai das Ergebnis der Portfolioüberprüfung vorgestellt werden.

Haniel steckt noch im Umbau fest

Haniel steckt im Umbau fest

Portfolioprüfung bald abgeschlossen – Impairments auf einige Beteiligungen

ab Köln

Seit einem halben Jahr ist Joachim Drees als CEO beim Familienkonzern Haniel an Bord. Doch vom großen strategischen Wurf ist bislang nichts zu hören. Immerhin soll der Gesellschafterversammlung im Mai das Ergebnis der Portfolioüberprüfung vorgestellt werden. Bis dahin muss sich das interessierte Publikum mit dem jetzt vorgelegten Geschäftsbericht für das abgelaufene Geschäftsjahr begnügen.

Die Erkenntnis des 121 Seiten dicken Berichts: Haniel hat 2024 nur einen Teil seiner finanziellen Ziele erreicht. Das lag allerdings auch daran, dass sich die Duisburger trotz der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen (zu) ambitionierte Ziele gesteckt hatten. So sollte der Umsatz organisch um 4 bis 8% vorankommen und das operative Ergebnis um 10 bis 20% zulegen. Herausgekommen ist ein Umsatzrückgang um 5% auf 4,2 Mrd. Euro sowie ein operatives Ergebnis (Ebita) von 276 Mill. Euro, ein Zuwachs um 2%.

Rückkehr in die schwarzen Zahlen

Auf der Habenseite zu verbuchen ist ein Sprung im freien Cashflow um 71% auf 171 Mill. Euro. Zugleich konnte die Nettoverschuldung erstmals seit 2020 geringfügig auf 1.927 Mill. Euro reduziert werden. In der Holding, deren Verschuldung für das Rating ausschlaggebend ist, sank die Nettoverschuldung auf 606 (734) Mill. Euro. Das gelang nach den Angaben mit dem Verkauf sonstiger Finanzanlagen und der externen Ausfinanzierung der Portfoliofirma BauWatch. Das könnte dem Erhalt des Investmentgrade-Ratings zugutekommen. Bei Moody’s trägt das „Baa3“ noch einen negativen Ausblick. Für eine gute Bonitätsnote muss die Verschuldung laut Geschäftsbericht auf 500 Mill. Euro begrenzt werden.

Als Erfolg verbucht Haniel zudem, dass es nach zwei Verlustjahren 2024 gelungen ist, unter dem Strich in die schwarzen Zahlen zurückzukehren. Das Konzernergebnis nach Steuern von 1 (–75) Mill. Euro erlaubt allerdings noch keine großen Sprünge. Dessen ungeachtet sollen die Familiengesellschafter – das ist bei Haniel Tradition – eine Dividende von 55 Mill. Euro erhalten. Auch in den beiden Vorjahren waren trotz Verlust 58 bzw. 49 Mill. Euro ausgekehrt worden.

Realistischere Ziele

Wohl auch, um weiteres Enttäuschungspotenzial zu verringern, fallen die Ziele für 2025 realistischer aus. So soll der Gruppenumsatz mindestens auf Vorjahresniveau verharren und, wenn es gut läuft, organisch um bis zu 2% wachsen. Für das operative Ergebnis wird ein Zuwachs um bis zu 10% in Aussicht gestellt. Auch der Operating Free Cashflow soll das Vorjahresniveau erreichen.

Haniels Problem steckt im Beteiligungsportfolio, das sich aus einem Sammelsurium an Unternehmen zusammensetzt. Gemein haben die sieben Firmen nebst der Finanzbeteiligung Ceconomy (16,7%) die hohe Europalastigkeit, die sich zunehmend als Klumpenrisiko entpuppt. Allein im vorigen Jahr mussten auf diverse Beteiligungen Impairments von in Summe 195 Mill. Euro vorgenommen werden. Davon betroffen waren der Händler für Geschäftsausstattung Takkt (63 Mill. Euro), der Hersteller von Matratzenbezügen BekaertDeslee (70 Mill. Euro), der Matratzenhersteller Emma (29 Mill. Euro) sowie der Bildungsträger KMK Kinderzimmer (36 Mill. Euro).

Die zweite Säule

Inzwischen haben die Familiengesellschafter eine Eigentümerstrategie entworfen. Sie beinhaltet den Aufbau einer zum Beteiligungsportfolio ebenbürtigen Säule, die stärker zukunftsorientiert ausgerichtet ist – das sogenannte Growth Capital Portfolio. Neben Direktbeteiligungen an Clean-Tech-Unternehmen wie beispielsweise 1Komma5° geht es dabei auch um Investitionen in Risikokapitalfonds. Wo das Geld zum Ausbau der zweiten Säule herkommen soll, dürfte mit dem Ergebnis der Portfolioüberprüfung zusammenhängen. Schnellschüsse wird es unter Drees jedoch nicht geben: „Die Umgestaltung unseres Unternehmens wird mehrere Jahre dauern“, schreibt der CEO im Brief an die Gesellschafter und fügt an, dass es Haniel bislang immer gelungen sei, sich neu zu erfinden.

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