Telekomkonzern steigert Umsatz und Ergebnis

Telefónica schreibt rote Zahlen wegen Wertberichtigung in Lateinamerika

Telefónica verfolgt weiter das Ziel, Aktiva in Lateinamerika zu verkaufen. Der neue CEO Marc Mutra erwartet "zudem drastische Veränderungen" in Europa.

Telefónica schreibt rote Zahlen wegen Wertberichtigung in Lateinamerika

Telefónica blutet in Lateinamerika

Spanier verbuchen Jahresverlust wegen hoher Abschreibungen – Verkauf in Argentinien

ths Madrid

Der neue Vorsitzende von Telefónica, Marc Mutra, musste auf seiner ersten Bilanzpressekonferenz am Donnerstag in Madrid einen Verlust von 49 Mill. Euro im vergangenen Geschäftsjahr kommunizieren. Der spanische Telekommunikationskonzern verbuchte im vierten Quartal Abschreibungen von 2 Mrd. Euro, hauptsächlich auf Aktiva in der Division Hispanoamérica – also auf die lateinamerikanischen Töchter, mit Ausnahme des wichtigen Geschäfts in Brasilien. Im Vorjahr hatten hohe Abschreibungen in Großbritannien die Jahresbilanz verhagelt.

Hohe Abschreibungen in Argentinien, Peru und Chile

Insgesamt fielen 2024 Wertabschreibungen – vor allem in Argentinien, Peru und Chile – von fast 2,4 Mrd. Euro an. Telefónica ist seit 2019 dabei, sich von Tochtergesellschaften in Lateinamerika, außer Brasilien, zu trennen. Vor Tagen verkündete der Konzern den Verkauf des Geschäfts in Argentinien an die dortige Clarín-Gruppe für 1,2 Mrd. Euro. In Kolumbien und Mexiko wird ebenfalls über Veräußerungen verhandelt, obwohl die Telefónica-Chefs sich dazu bedeckt hielten. In Peru meldeten die Spanier vorsorglich Konkurs an vor dem Hintergrund eines Steuerstreits mit dem Staat. Damit wolle man sich neu ausrichten, so Mutra.

„Wir stehen zu unserem Plan von 2019, aber wir müssen unsere strategische Flexibilität wahren und kommentieren daher keine einzelnen Operationen“, sagte Mutra, der im Januar den langjährigen CEO José María Álvarez-Pallete abgelöst hatte. Das geschah auf Druck der spanischen Regierung, die mit 10% beim ehemaligen Staatskonzern eingestiegen war, um den Einfluss der saudischen STC zu kontern, die knapp 10% der Aktien besitzt.

Wachstumstreiber Europa

Wachstumsträger war das Geschäft in Europa, vor allem in Spanien. Auf dem Heimatmarkt wuchs der Umsatz im Jahr um 1,1% auf 12,8 Mrd. Euro. Insgesamt steigerte Telefónica 2024 den Umsatz um 1,6% auf 41,3 Mrd. Euro. Im Schlussquartal legte das Wachstum auf 5,4% zu. Der Betriebsgewinn (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen; Ebitda) lag mit 13,3 Mrd. Euro um 1,2% über dem Vorjahreswert. Der freie Cashflow legte um 14% auf 2,63 Mrd. Euro zu.

Telefónica gehört zu den Marktführern in Spanien, Deutschland und Großbritannien. Mutra erwartet große Veränderungen in Europa wegen der neuen geopolitischen Herausforderungen. Der ehemalige Chef des spanischen Technologie- und Rüstungskonzerns Indra glaubt, dass die angestrebte strategische Autonomie Europas größere und stärkere Telekomkonzern erfordere, die mit den US-Giganten mithalten können. „Was wir gerade erleben, ist die Ruhe vor dem Sturm“, meinte Mutra. „Es wird drastische Veränderungen geben.“

Vor diesem Hintergrund des Wandels werde Telefónica demnächst eine „strategische Revision“ ihrer Aktivitäten vollziehen. Dabei will man sich jedoch auf die Kernmärkte und das Kerngeschäft konzentrieren. Einen Einstieg in die Rüstung oder Raumfahrt kann sich Mutra nicht vorstellen. Der Konzern reduzierte seine hohen Verbindlichkeiten 2024 um 1,54 Mrd. auf 27,2 Mrd. Euro. Für 2025 erwarten die Spanier ein Wachstum von Umsatz und Ebitda sowie einen unverändert hohen freien Cashflow.

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