Dax-Betriebsrenten sind stabil
Dax-Betriebsrenten sind stabil
WTW-Studie: Betriebliche Pensionswerke erreichen Rekord-Ausfinanzierung – Mehr Pension Buy-outs
Die Pensionswerke der Dax-Unternehmen haben 2024 einen neuen Höchststand beim Ausfinanzierungsgrad erreicht. Laut aktueller WTW-Studie profitieren sie von steigenden Vermögen und sinkenden Verpflichtungen. Das schafft nicht nur Bilanzstabilität, sondern eröffnet auch neue Spielräume für Pension Buy-outs.
wbr Frankfurt
Während sich die Börsen 2024 von geopolitischen Krisen erschüttern ließen, zeigt ein Teil der Unternehmensfinanzen bemerkenswerte Stabilität: die Pensionswerke der Dax-Konzerne. Laut der aktuellen Studie der Unternehmensberatung WTW erreichte der spezifische Ausfinanzierungsgrad der 40 größten börsennotierten deutschen Unternehmen mit 82% einen neuen Rekordwert – so hoch wie noch nie in den vergangenen zehn Jahren.
„Trotz herausfordernder Rahmenbedingungen blieb der Ausfinanzierungsgrad stabil – gute Nachrichten für die betriebliche Altersvorsorge“, kommentiert Hanne Borst, Leiterin Retirement Deutschland bei WTW. Damit bestätigt sich ein Trend, der sich bereits 2023 angedeutet hatte: Die Unternehmen kümmern sich aktiv um ihre Pensionsverpflichtungen und nutzen gezielt die Kapitalmarkterholung.
Renditen stützen Pensionen
Ein wesentlicher Treiber dieser positiven Entwicklung war die Performance der Kapitalmärkte. Die Pensionsvermögen stiegen im Jahresverlauf um 1,6% auf 262 Mrd. Euro. „Die Pensionsvermögen der Dax-Unternehmen erzielten 2024 eine starke Gesamtperformance von 6,4% – ein äußerst erfolgreiches Jahr trotz hoher Zuführungen und Auszahlungen“, betont Johannes Heiniz, Leiter General Consulting bei WTW. Rückgänge bei den langfristigen Inflationsannahmen und der Rückgang der Pensionsverpflichtungen um 1,8% auf 320 Mrd. Euro sorgten zusätzlich für eine Entlastung der Bilanzen.
Ein leicht gestiegener Rechnungszins – um elf Basispunkte auf 3,43% – wirkte entlastend. Dabei wurde der Kapitalmarkt besonders von der stabilen US-Wirtschaft und ersten Leitzinssenkungen der Notenbanken gestützt.
Pension Buy-out als Option
Die neuen finanziellen Spielräume befeuern ein Thema, das bislang in der angelsächsischen Welt etabliert war: den Pension Buy-out. Dabei werden Pensionsverpflichtungen vollständig an externe Träger – oft Lebensversicherer – übertragen. Unternehmen können sich so dauerhaft aus der Verantwortung lösen.
„Pension Buy-outs sind eine attraktive Möglichkeit, sich agil und zukunftsfest aufzustellen“, erklärt Heiniz. Der hohe Ausfinanzierungsgrad schafft die Voraussetzung für diese Enthaftung. Denn: Nur wenn ausreichendes Planvermögen vorhanden ist, lassen sich solche Transaktionen überhaupt finanzieren. Gerade in Branchen mit hohem Transformationsdruck werde der Buy-out zum strategischen Instrument, um Bilanzrisiken zu reduzieren.
Laut WTW rücken Buy-out-Modelle bei immer mehr Unternehmen auf die Agenda – auch weil die Pensionsverpflichtungen oft zu den größten Einzelposten in der Bilanz gehören. Erste Pilotprojekte könnten 2025 konkret werden, so WTW. Die aktuellen Zuführungen von 5,3 Mrd. Euro deuten darauf hin, dass viele Unternehmen ihre Versorgungssysteme gezielt stärken, um für künftige Buy-out-Fähigkeit gewappnet zu sein.
2025: Jahr der Volatilität
Für 2025 erwartet WTW höhere Kapitalmarktschwankungen. Die Ankündigung des Sondervermögens zur Reform der deutschen Schuldenbremse führte bereits im März zu einem sprunghaften Anstieg der Renditen langlaufender Anleihen – und damit des Rechnungszinses um mehr als 40 Basispunkte. „Der Rechnungszins ist der Parameter mit dem größten Einfluss auf die Pensionsverpflichtungen. Eine marktbedingte Veränderung um 1 Prozentpunkt bewegt die Verpflichtungen um rund 10%“, erklärt Borst.
Langfristiger Fokus auf ESG
Trotz der Unsicherheiten halten die Dax-Unternehmen an ihren diversifizierten Kapitalanlagestrategien fest. Illiquide Anlagen wie Infrastrukturprojekte oder Private Equity gewinnen an Bedeutung – ebenso ESG-Kriterien. Laut WTW sehen Mitarbeitende zunehmend in nachhaltigen Anlagen nicht nur ein ethisches, sondern auch ein ökonomisches Plus.
Auch der demografische Wandel fordert neue Impulse. Die betriebliche Altersversorgung bleibt ein zentrales Instrument zur Mitarbeiterbindung. Digitale Plattformen, individualisierte Beratung und der Einsatz von KI zur Effizienzsteigerung rücken zunehmend in den Fokus.