Im InterviewUlrich Ackermann, VDMA

„Wir brauchen mit allen wichtigen Partnern Freihandelsabkommen“

Donald Trumps neue Zollregeln schüren in Deutschland vor allem Sorgen um die Autoindustrie – dabei sind die USA auch für den Maschinenbau der wichtigste Absatzmarkt. Der Branchenverband VDMA fordert die EU deswegen zu mehr Tempo bei der Vertiefung internationaler Handelsbeziehungen auf.

„Wir brauchen mit allen wichtigen Partnern Freihandelsabkommen“

„Wir brauchen Freihandelsabkommen“

Im Interview: Ulrich Ackermann

Maschinenbauverband VDMA sieht USA bei Investitionsgütern teils schwach aufgestellt – Hoffnung auf schnellen Handelspakt mit Indien

Donald Trumps neue Zollregeln schüren in Deutschland vor allem Sorgen um die Autoindustrie – dabei sind die USA auch für den Maschinenbau der wichtigste Absatzmarkt. Ulrich Ackermann, Leiter Außenwirtschaft beim Branchenverband VDMA, fordert die EU vor dem Hintergrund zu mehr Tempo bei der Vertiefung internationaler Handelsbeziehungen auf.

Herr Ackermann, mit Donald Trumps neuen Zollregeln werden nun auch deutsche Maschinen in den USA deutlich teurer – was bedeutet das für die hiesige Branche?

Konkret kalkulieren lässt sich das zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht. Klar ist aber, dass diese Zölle letztlich zu einer Verteuerung der Investitionen in den USA führen werden. Die USA wollten unter Donald Trump ihre Industrie ja eigentlich ausbauen. Dafür brauchen sie aber Maschinen, die sie bislang in weiten Teilen aus dem Ausland beziehen müssen, weil sie selbst gar nicht über die notwendigen Technologien verfügen.

Welche Technologien zum Beispiel?

Das ist wirklich eine riesige Bandbreite. Eigentlich müsste man eher die Frage stellen, wo die USA bei Investitionsgütern überhaupt etwas zu bieten haben. Natürlich gibt es auch in den Vereinigten Staaten ein paar große Konzerne im Bau- und Landmaschinenbereich sowie in der Öl- und Gasförderung. Aber dann wird es schon langsam dünn. In Bereichen wie der Lebensmittel- oder Kunststoffverarbeitung oder bei Werkzeug- oder Druckmaschinen gibt es in den USA im Moment kein international wettbewerbsfähiges Angebot. Hier ist das Land massiv auf Importe angewiesen. Und die werden wegen der höheren Kosten jetzt wohl erstmal zurückgehen. 

Die Branche ist – anders als beispielsweise die Auto- oder Chemieindustrie – nicht durch Großkonzerne geprägt, sondern durch den Mittelstand.

Ulrich Ackermann

Wie kann sich der US-Präsident dieser Problematik nicht bewusst sein?

Ich weiß natürlich nicht, ob Donald Trump sich dessen so bewusst ist. In seinen Reden geht es zumindest selten um Maschinen und meist eher um Autos. In der deutschen Politik ist das übrigens nicht viel anders – wann wird hier schon über den Maschinenbau geredet? Wir sind zwar der größte industrielle Arbeitgeber in Deutschland. In der öffentlichen Diskussion kommt der Maschinenbau trotzdem nicht wirklich vor. Denn die Branche ist – anders als beispielsweise die Auto- oder Chemieindustrie – nun mal nicht durch Großkonzerne geprägt, sondern durch den Mittelstand.

Und das fällt den Firmen jetzt auf die Füße?

Natürlich sind die jetzt anfallenden Zölle von 20% nicht in den Projektkalkulationen berücksichtigt. Deshalb kann ich mir nicht vorstellen, dass unter diesen Bedingungen die in den USA geplanten Investitionen einfach eins zu eins durchgezogen werden. Bei so hohen Kostensteigerungen werden einige Projekte vielleicht nochmal neu kalkuliert werden müssen.

Wird sich das auf die Beschäftigung im deutschen Maschinenbau auswirken?

Das kann man aktuell noch nicht sagen. Die große Frage ist ja, ob nun das letzte Wort in den USA gesprochen ist oder ob Trumps Zollpaket ein Angebot zu Verhandlungen ist. Ich hoffe natürlich auf Letzteres, dass wir also mit den USA ins Gespräch kommen, um die Zollschraube in absehbarer Zeit nach unten zu drehen.

Der US-Exportanteil deutscher Maschinenbauer ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen – zuletzt waren es knapp 14%. Hat sich die Branche hier zu stark exponiert?

Nein. Die USA waren in der Vergangenheit aus ganz nachvollziehbaren Gründen der wichtigste Exportmarkt für den deutschen Maschinenbau außerhalb der EU. Es ist einfach ein riesiger Markt mit hoher Nachfrage und es gibt in vielen Fällen wenig nationalen Wettbewerb. Deswegen war es immer sehr lukrativ, in den USA Geschäfte zu machen. Abgesehen davon waren die USA bisher auch immer ein verlässlicher Partner, der auch unsere Werte geteilt hat.

Ist denn damit zu rechnen, dass jetzt noch mehr Maschinenbauer einen Teil ihrer Produktion in die USA verlagern?

Über 80% unserer Mitglieder haben weniger als 150 Beschäftigte. Diese kleinen Firmen sind nicht in der Lage, mal eben eine komplette Produktion im Ausland aufzubauen.

Ulrich Ackermann

Von unseren Mitgliedsfirmen haben ja 70% in einer Umfrage im Herbst erklärt, dass sie sich noch stärker in den USA engagieren wollen – einfach, weil der Markt so groß ist, weil er wächst und weil Kundennähe immer wichtiger wird. Das Zollrisiko spielte da noch keine wirkliche Rolle. Ich glaube auch nicht, dass jetzt plötzlich ganz viele Unternehmen wegen des Zollpakets – von dem man ja nicht mal weiß, ob es so langfristig Bestand haben wird – beschließen, in den USA eine Fertigung aufzumachen. Solche Prozesse sind ja gerade im Maschinenbau sehr komplex und dauern oft zwei bis drei Jahre. Warum sollten die Unternehmen gerade jetzt, wo alles so unvorhersehbar ist, solche Entscheidungen treffen?

Wenn es um geo- und handelspolitische Risiken ging, haben deutsche Maschinenbauer in der Vergangenheit oft auf ihren Local-für-Local-Ansatz verwiesen, also auf die jeweilige Produktion vor Ort. Kann sich wirklich die gesamte Branche darauf berufen?

Nein, nicht die gesamte Branche. Wir sind ja mittelständisch geprägt, über 80% unserer Mitglieder haben weniger als 150 Beschäftigte. Diese kleinen Firmen sind natürlich nicht in der Lage, mal eben eine komplette Produktion im Ausland aufzubauen. Sie liefern stattdessen von hier aus bzw. von Europa aus in die Welt und haben in ihren wichtigsten Absatzmärkten meist noch Vertriebs- und Servicenetze, um schnell beim Kunden reagieren zu können. Einige verfügen auch über kleinere Montagewerke, in denen Produkte an die lokalen Gegebenheiten angepasst werden. Komplette Maschinen können aber tatsächlich nur unsere großen Mitglieder im Ausland produzieren.

In den aktuellen Zeiten entscheidet also Größe über den Erfolg?

Ja und nein. Der Maschinenbau ist ja sehr heterogen. Dort, wo Unternehmen in der Nische unterwegs sind und es weltweit wenige Wettbewerber gibt, brauchen sich die Anbieter auch in Zeiten geopolitischer Verwerfungen weniger Sorgen zu machen. Wo es aber Hunderte oder Tausende von Wettbewerbern weltweit gibt, können diese Verwerfungen durchaus zu Schwierigkeiten führen. Deswegen plädieren wir bei der EU schon seit Jahren für offene Märkte. Wir brauchen mit allen wichtigen Partnern – auch jenen außerhalb der großen Blöcke wie China oder den USA – Freihandelsabkommen. Und wir glauben, dass die EU das jetzt verstanden hat und dass entsprechende Verhandlungen demnächst schneller vorangehen werden.

Wo sind Freihandelsabkommen jetzt besonders wichtig?

Das Abkommen der EU mit den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay, das noch ratifiziert werden muss, ist für uns momentan besonders wichtig. Von großer Bedeutung wäre zudem ein Freihandelspakt mit Indien. Da ist die EU bislang aber nicht so richtig vorangekommen. Ursula von der Leyen war vor wenigen Wochen mit ihrem gesamten Kabinett in dem Land und hat sich mit Indiens Premier Narendra Modi darauf geeinigt, bis Ende des Jahres ein solches Abkommen über die Bühne bringen zu wollen. Das halte ich zwar für optimistisch, aber Indien steht noch stärker als wir unter Druck, denn die US-Zölle sind mit 27% noch höher als bei der EU.

Das Interview führte Karolin Rothbart.