Warmlaufen fürs Kabinett
Notiert in Berlin
Warmlaufen fürs Kabinett
Von Andreas Heitker
Noch bevor am Freitag das erste Sondierungsgespräch zwischen CDU/CSU und SPD über die Bildung einer Koalition begonnen hatte, war die Berliner Luft voll von Spekulationen, wer was werden könnte in der künftigen Regierung. Zwar ist noch nicht einmal klar, ob es unter einem Bundeskanzler Friedrich Merz beim derzeitigen Ressortzuschnitt mit 16 Ministerien bleiben wird. Aber es dürfte auch niemanden wundern, wenn sich aus der Gruppe der je neun Sondierer von Union und SPD einige am Kabinettstisch wiedertreffen werden.
In der CDU gilt dies insbesondere für Generalsekretär Carsten Linnemann und den Ersten Parlamentarischen Geschäftsführer Thorsten Frei, beides Vertraute von Parteichef Merz. Der 47 Jahre alte promovierte Volkswirt Linnemann wird als möglicher Wirtschaftsminister gehandelt, könnte aber auch Fraktionschef werden. Der Jurist Frei (51), Ex-Oberbürgermeister von Donaueschingen, ist als Innenpolitiker ein möglicher Nachfolger von Nancy Faeser. Gute Chancen auf ein Amt werden auch Karin Prien zugeschrieben, die ebenfalls zur Sondierungsrunde gehört. Die 59-Jährige ist seit 2017 Bildungsministerin in Schleswig-Holstein.
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Die CDU hätte noch weitere ambitionierte Kandidaten in ihren Reihen: Dazu gehört etwa die bisherige wirtschaftspolitische Sprecherin der Unions-Bundestagsfraktion, Julia Klöckner (52), der Energie- und Klimapolitiker Andreas Jung (49) sowie Jens Spahn (44), der nicht nur das Gesundheitsressort geführt hatte, sondern auch Staatssekretär im Finanzministerium war. Und dies wird wohl das Schlüsselministerium im anstehenden Koalitionsringen sein.
Von CSU-Seiten, so ist in Berlin zu vernehmen, könnte auch Landesgruppenchef Alexander Dobrindt Ansprüche auf das Finanzressort anmelden. Der 54 Jahre alte Soziologe war bereits Verkehrsminister. Die CSU dürfte in den Verhandlungen auf jeden Fall auf das Landwirtschaftsministerium pochen und hat hierfür bereits Günther Felßner (58) vom bayerischen Bauernverband in Stellung gebracht. Gesetzt sein dürfte auch Dorothee Bär (46), die in der letzten „GroKo“ als Staatsministerin für den Bereich Digitalisierung zuständig war.
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Und bei den Sozialdemokraten? Hier dürfte es sich der neue starke Mann, Parteichef Lars Klingbeil (47), nicht nehmen lassen, sein Amt als Fraktionsvorsitzender schnell wieder abzugeben und an den Kabinettstisch zu wechseln. Aus machtpolitischen Gründen könnte der Niedersachse ebenfalls das Finanzministerium ins Visier nehmen. Übergangsminister Jörg Kukies müsste dann wohl weichen. Als gesetzt gilt in der SPD ansonsten natürlich Verteidigungsminister Boris Pistorius. Der 64-jährige, schon lange beliebteste deutsche Bundespolitiker, könnte auch das Innenressort übernehmen. Chancen auf wichtige Posten dürften sich erneut auch Langzeit-Arbeitsminister Hubertus Heil (52) und die aktuelle Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (56) machen. Der Koalitionspoker kann beginnen.