Investmentfonds

Demografie wird Indiens Aufstieg auf Jahre stützen

Bessere Investitionschancen als in China - Gewaltiger Nachholbedarf bei Infrastruktur - Leitindex Sensex auf 25-Monats-Hoch - Lohnende Fonds

Demografie wird Indiens Aufstieg auf Jahre stützen

Von Frank Bremser, Frankfurt An einem Investment in den Schwellenländern kam und kommt kaum ein Anleger vorbei. Das Augenmerk liegt dabei insbesondere auf den BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China). Das größte Verdienst jener 2003 von Goldman-Sachs-Chefvolkswirt Jim O’Neill erstellten Studie, welche den Begriff BRIC prägte, ist jedoch, dass sie den Anlegern die Chancen der Schwellenländer bewusst gemacht hat. Emerging Markets sind zum Standardanlagethema geworden, das die Investoren begeistert. Nicht von ungefähr wurde mit den “Next Eleven”, einer Gruppe von Staaten, denen ebenfalls ein rasanter Aufstieg bevorstehen soll, ein weiteres interessantes Anlagethema geschaffen. Das BRIC-Investment hat auch deshalb so viel Erfolg, weil es in diesen Ländern im Gegensatz zu vielen anderen Schwellenländern weiterentwickelte und ausreichend große Finanzmärkte gibt, die ein Investment überhaupt ermöglichen. Auch wenn das von O’Neill geprägte Schlagwort gerne als Gesamtinvestmentbegriff verstanden wird – die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern sind gewaltig. Während Russland etwa von seinem Rohstoffreichtum profitiert, ist es in Indien vor allem der gewaltige Inlandsmarkt, der Nachholbedarf in vielen Bereichen bei einer gleichzeitig gut ausgebildeten Bevölkerung und einem investitionsfreundlichen politischen Klima. Die Fondsindustrie bietet eine Fülle von Produkten für die BRIC insgesamt, aber auch für die einzelnen Staaten des Viererblocks an, die allesamt satte Rendite abwerfen (siehe Text auf dieser Seite).Als wichtigstes Schwellenland gilt immer noch China, auch wenn die neue Lokomotive der Weltwirtschaft in vielen Bereichen kaum noch als Entwicklungsland zu bezeichnen ist. Immer etwas im Schatten des Nachbarn steht Indien. Dabei sind dort die langfristigen Investitionschancen unbestritten – und sie sind teilweise sogar besser als im Reich der Mitte. Dies gilt insbesondere für die demografische Struktur des Landes. Vom Problem einer überalterten Bevölkerung, vor dem China auch wegen seiner Ein-Kind-Politik bald stehen wird, ist Indien weit entfernt. Rund 30 % der knapp 1,2 Milliarden Inder sind jünger als 15 Jahre, gut 65 % sind zwischen 15 und 64 Jahren. Dies bedeutet, dass ein Großteil der Bevölkerung in jener Lebensphase ist oder in selbige kommen wird, in der man am produktivsten und konsumfreudigsten ist. Dies wird die Binnennachfrage stützen. Vor allem aber sind diese Inder zum größten Teil sehr gut ausgebildet.Während sich andere Emerging Markets noch im Übergang vom Agrarland zu einer Industrienation und schließlich Dienstleistungsnation befinden, ist diese Entwicklung in Indien schon sehr weit fortgeschritten. Die Industriesektoren sind mit einem Anteil von 25 % am Bruttoinlandsprodukt zu einem wichtigen Wachstumstreiber geworden. Großunternehmen wie die Bank ICICI oder das IT-Unternehmen Infosys sind feste Größen im internationalen Wirtschaftszirkel. Vor allem macht der indische IT-Sektor von sich reden. Viele Unternehmen haben bereits einen Teil ihrer IT-Infrastruktur auf den Subkontinent ausgelagert. Höherwertige NahrungDiese Situation impliziert aber auch: Ein höherer Bildungsstand führt zu höherem Einkommen, das in Konsum umgesetzt werden kann. Neben der Tatsache, dass das Land in vielen Bereichen noch als unterversorgt gilt, zieht ein steigendes Einkommen statistisch gesehen auch veränderte Konsumstrukturen nach sich – etwa eine steigende Nachfrage nach höherwertigen Lebensmitteln. Dies birgt viel Potenzial für Einzelhandel und Produzenten.Dennoch darf in diesem Zusammenhang eines nicht vergessen werden: Das hoch entwickelte Indien konzentriert sich auf einzelne Städte und Regionen, der Großteil des Landes ist in seiner Entwicklung immer noch Jahrzehnte hinter der Situation etwa in Mumbai zurück. Dies macht in den kommenden Jahren große Anstrengungen nötig, um den Fortschritt in diesen Regionen voranzubringen. Zudem fördert das starke Wirtschaftswachstum die Urbanisierung – Faktoren, die vor allem den Infrastruktursektor stützen werden. So fehlen in keinem globalen Infrastrukturfonds derzeit indische Unternehmen. Steef Bergakker, Fondsmanager bei Robeco, rechnet vor allem aufgrund der Situation in China und Indien damit, dass das kommende Jahrzehnt die größten Steigerungen bei den Infrastrukturausgaben bringen wird, welche die Welt je gesehen hat.Auch wenn die indische Wirtschaft allein bereits sehr stark ist, ist sie doch sehr eng mit der westlicher Industriestaaten verzahnt. Eine Schwäche in den USA oder der EU ließe daher den Subkontinent nicht verschont. Dies würde insbesondere an den Kapitalströmen und den Aktienmärkten abzulesen sein. Derzeit ist davon aber nichts zu bemerken, allein im März betrugen die ausländischen Kapitalflüsse an den indischen Aktienmarkt 4,4 Mrd. Dollar. Ein Kapitalabzug könnte jedoch das indische Haushaltsdefizit und das Handelsbilanzdefizit (siehe Grafik) noch vergrößern und auch den Leitindex Sensex empfindlich schwächen.Insgesamt dürfte Indien das Wirtschaftswachstum der Industrienationen 2010 weit übertreffen. So sagt Commerzbank-Analyst Ashley Davis: “Die indische Wirtschaft hat sich während der Krise hervorragend behauptet, und die Konjunkturerholung gewinnt dank des zunehmenden Konsums und steigender Investitionen an Fahrt.” Selbst 2009 wuchs die Wirtschaft um 5,6 %, die indische Notenbank hat kürzlich die Zinsen erhöht. Der Aktienmarktindex Sensex kletterte jüngst auf ein 25-Monats-Hoch. Fondsmanager wie Nick Price von Fidelity bezeichnen die Titel immer noch als moderat bewertet. Auch die Raiffeisen Zentralbank erwartet in den kommenden Monaten Kurszuwächse, die sich im Gesamtjahr auf 20 bis 25 % belaufen sollten. “Indien hat bereits viel erreicht, aber die größten Chancen liegen noch voraus”, meint Fidelity-Mann Price: “Keine Frage: Der Elefant macht Tempo.”