Immobilienwerte sacken weiter ab
Am deutschen Aktienmarkt haben sich die Anleger am Dienstag ein Stück weit zurückgehalten. Nachdem die wichtigsten Indizes am Vormittag noch recht deutlich zugelegt hatten, gerieten sie im weiteren Handelsverlauf unter Druck. Als Belastung erwies sich insbesondere ein erneuter Kursrutsch bei den Immobilienaktien, die derzeit stark unter dem ungünstigen Mix aus steigenden Zinsen und hoher Inflation leiden.
Der Leitindex Dax notierte am Mittag noch 0,12% im Plus bei 15.145,35 Punkten, nachdem er im frühen Handel um bis zu 0,9% gestiegen war und damit die kurzfristig wichtige 21-Tage-Durchschnittslinie übersprungen hatte. Aktuell liegt er wieder unter dieser Linie.
Der MDax der mittelgroßen Börsenwerte fiel um 0,33% auf 26.625,82 Zähler. Für den Eurozonen-Leitindex Euro Stoxx 50 ging es um 0,11% nach oben.
Die Talfahrt der Immobilienwerte hat sich nach einer Verschnaufpause zu Wochenbeginn am Dienstag fortgesetzt. Der europäische Branchenindex Stoxx Europe 600 Real Estate weitete seine seit Anfang Februar laufende Verlustserie aus und fiel am Ende der Sektorübersicht um 2,5% auf 104,20 Punkte. Das Branchenbarometer bewegt sich aktuell auf dem Niveau von Oktober letzten Jahres.
Besonders schwer erwischte es in der Dax-Indexfamilie die Aroundtown-Aktien. Schlusslicht im Stoxx Europe 600 Real Estate und im Index der mittelgroßen deutschen Werte MDax sackten sie um fast 10% ab. Zwischenzeitlich waren sie um 11,6% eingebrochen und hatten damit ein erneutes Rekordtief erreicht.
Zu Aroundtown äußerten sich Analysten skeptisch mit Blick auf die am Mittwoch anstehenden Jahreszahlen. So kappte der Experte Andreas Pläsier von Warburg Research sein Ziel für die Aktien deutlich von 3,80 auf 2,60 Euro. Er glaubt, dass der Wert der Immobilien von Aroundtown in dem aktuell schwierigen Marktumfeld unter Druck gerät.
Die hohe Inflation und der damit einhergehende Anstieg der Leitzinsen hatten dem langen Immobilienboom in Deutschland in den vergangenen Monaten ein jähes Ende gesetzt. Denn höhere Zinsen erschweren die Refinanzierung von Immobilien und schmälern deren zukünftigen Wert aus heutiger Sicht. Daher müssen die Unternehmen die Werte ihrer Portfolios in den Bilanzen oftmals nach unten berichtigen.
Fachmann Rob Jones von der französischen Investmentbank Exane BNP kappte sein Ziel für die Aroundtown-Anteilsscheine gar von 2,50 auf 1,00 Euro. Der Ausblick dürfte am Mittwoch „deutlich negativ“ ausfallen, so seine These. Der Analyst geht nun davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit einer Dividendenkürzung bei nahezu 100% liegt, wie dies auch bei einer Reihe anderer deutscher Wohnimmobilienunternehmen der Fall sei. Er rechnet auch in der Zukunft mit möglichen Dividendenkürzungen.
Unter den weiteren MDax-Werten büßten TAG Immobilien gut drei und LEG Immobilien fast 5% ein. Im deutschen Leitindex Dax hielten die Anteilsscheine von Vonovia mit einem Minus von knapp 4% die rote Laterne, sie sackten damit auf ein erneutes Tief seit 2014. Unter den schwächsten Titeln im Nebenwerteindex SDax fielen Grand City Properties um mehr als fünf und Deutsche Wohnen um fast 4%.
Bereits am Montag hatten sich Experten der US-Bank Citigroup skeptisch zu der Immobilienbranche geäußert. Ihrer Meinung nach droht den europäischen Sektorwerten ein Kursrutsch um die Hälfte. Die Experten begründeten dies ebenfalls mit den durch die höheren Leitzinsen gestiegenen Kosten des Schuldendienstes sowie dem damit einhergehenden Einbruch bei den Bewertungen der Immobilien.