Branchenstudien von Bain und Allianz

Europas Autoherstellern fehlt es an Effizienz

Im Vergleich mit der chinesischen Konkurrenz haben die europäischen Autohersteller erhebliche Nachteile. Dazu zählen nicht nur die Kosten, sondern auch die längeren Entwicklungszeiten. In Studien rufen Bain & Company und Allianz Trade zu einer Änderung der Strategien auf, um effizienter zu werden.

Europas Autoherstellern fehlt es an Effizienz

Europas Autoherstellern fehlt Effizienz

Bain & Company und Allianz Trade kritisieren in Studien Modellvielfalt sowie Kosten und Dauer der Entwicklung

jh München

Im Vergleich mit der chinesischen Konkurrenz haben die europäischen Autohersteller erhebliche Nachteile. Dazu zählen nicht nur die Kosten, sondern auch die längeren Entwicklungszeiten. In Studien rufen Bain & Company und Allianz Trade zu einer Änderung der Strategien auf, um effizienter zu werden.

Das Beratungsunternehmen Bain & Company und das Kreditversicherungsunternehmen Allianz Trade warnen die europäischen Autohersteller davor, im Vergleich mit der chinesischen Konkurrenz weit zurückzufallen. Die Unternehmensberatung Bain & Company zeigt in einer Studie aus ihrer Sicht erfolgversprechende Wege auf, wie die etablierten Produzenten ihre Strategien für Forschung und Entwicklung überdenken und neu ausrichten sollten, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die Studienautoren von Bain argumentieren mit zwei alarmierenden Vergleichen. In Relation zu den Entwicklungskosten je Fahrzeug der fünf größten deutschen Autohersteller (VW, BMW, Mercedes-Benz, Audi und Porsche) gaben einige führende chinesische Anbieter von 2020 bis 2024 nur 27% aus. Der zweite Punkt sind die längeren Entwicklungszeiten: Die europäischen Unternehmen benötigten im Durchschnitt 48 bis 54 Monate, die chinesischen 24 bis 30 Monate.

„Einen Schritt voraus“

Bain-Partner Eric Zayer, Co-Autor der Studie „When less is more: Shifting Gears in Automotive R&D“, empfiehlt: „Um diesen Abstand zu verringern und einen Schritt vorauszubleiben, müssen etablierte Hersteller ihre Modell- und Variantenvielfalt reduzieren sowie die Produktentwicklungszeiten spürbar verkürzen.“ Als Ansatzpunkte für dieses Ziel nennt Zayer: zentrale Prozesse stärker „parallelisieren“, Instrumente auf Basis künstlicher Intelligenz nutzen und Entwicklungsschritte automatisieren.

Eine auch in diesen Tagen veröffentlichte Studie von Allianz Trade mahnt ebenfalls zu mehr Effizienz. Auch hier geht es um die Vielfalt des Angebots. Branchenexperte Guillaume Dejean macht den Vorschlag: „Eine Verschlankung der Modellpalette auf fünf bis sechs Modelle, die sowohl in Hybrid- als auch in Elektroversionen angeboten werden, könnte helfen, die Kosten zu senken und die Effizienz zu steigern.“ Mit einer stärkeren vertikalen Integration und maßgeschneiderten Ladelösungen könnten die Kosten gesenkt und die Abhängigkeit von Lieferanten verringert werden.

Zukunftsweisende Felder

Ohne Innovationen lässt sich freilich im Wettbewerb nicht bestehen. Dejean hält es für notwendig, mindestens ein Zehntel der Ausgaben in Technologie, Forschung, digitale Bordtechnik und Kundendienst zu stecken, „um mit den Innovationen der chinesischen und amerikanischen E-Modelle mithalten zu können“. Die Studienautoren von Bain empfehlen den Unternehmen, Ressourcen auf zukunftsweisende Felder auszurichten. Dazu zählen aus ihrer Sicht die Batterietechnik, Systeme für das Energiemanagement und softwaregesteuerte Funktionen wie Fahrerassistenz und Infotainment.

Für die europäischen Unternehmen bleibe es ein strategisch relevantes Thema, Kapazitäten für Forschung und Entwicklung von den Hochlohnländern nahe der Heimatmärkte wie die chinesische Konkurrenz in Länder mit niedrigeren Löhnen zu verlagern. Zudem könne es auch aus einem anderen Grund sinnvoll sein, Forschung und Entwicklung in Schlüsselmärkten anzusiedeln: Dort würden die Bedürfnisse und Präferenzen der dortigen Kundschaft besser verstanden. So könnten diese direkt in die Produktentwicklung einfließen.

Im Handelskonflikt verwundbar

Allianz Trade erkennt einen Innovationsrückstand der deutschen Autohersteller und -zulieferer. Zudem wären die europäischen Hersteller in einem verschärften Handelskonflikt mit den USA und China besonders verwundbar. Hinzu kommt die derzeit schwache Nachfrage – auch wegen der wieder gewachsenen Skepsis der Konsumenten gegenüber Elektroautos. Deren Preise empfinden sie in den meisten Ländern als zu hoch (siehe Grafik).

Trotz der vielfältigen Schwierigkeiten äußern sich die Autoren beider Studien zuversichtlich. Noch besäßen die europäischen Hersteller eine gute Ausgangsposition, heißt es von Bain. Dejean von Allianz Trade sagt: „Mit den richtigen Strategien und politischen Maßnahmen können sie gestärkt aus der Krise hervorgehen und eine führende Rolle in der globalen Mobilitätswende übernehmen.“

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