Venture-Firma Andreessen Horowitz geht ins Rennen

Investoren buhlen kurz vor Deal-Deadline um TikTok

Bytedance muss bis zum 5. April einem Verkauf des US-Arms von TikTok zustimmen oder einen Bann gegen die Video-App akzeptieren. Schlagkräftige Finanzinvestoren ringen nun in letzter Minute um einen Deal.

Investoren buhlen kurz vor Deal-Deadline um TikTok

Investoren buhlen kurz vor Deadline um TikTok

Andreessen Horowitz schließt sich laut Insidern Gebot für chinesisch kontrollierte Video-App an – Trump ringt vor Fristablauf am Samstag um Deal

Die chinesische Bytedance muss bis zum 5. April einem Verkauf des US-Arms von TikTok zustimmen oder einen Bann gegen die Video-App akzeptieren. US-Präsident Donald Trump und schlagkräftige Finanzinvestoren, darunter nun wohl auch Andreessen Horowitz, ringen in letzter Minute um einen Deal.

xaw New York

Kurz vor Ablauf der von Washington gesetzten Verkaufsfrist für TikTok kämpfen US-Investoren um die chinesisch kontrollierte Video-App. So hat sich die Venture-Capital-Firma Andreessen Horowitz Berichten der „Financial Times“ zufolge einer vom Datenbankriesen Oracle angeführten Bietergruppe angeschlossen. Sie sollen den Social-Media-Anbieter aus dem Mutterkonzern Bytedance herauslösen und somit einen Plan von US-Präsident Donald Trump ausführen, der die Plattform unter amerikanische Kontrolle bringen will. Ebenfalls involviert seien Bytedance-Bestandsinvestoren um General Atlantic, Susquehanna, Coatue und KKR, die größere Anteile an einem abgespaltenen US-Arm von TikTok übernehmen wollen.

Das Weiße Haus und Dealberater sollen auch auf führende Assetmanager wie Blackstone zugegangen sein, um dem Gebot mehr finanziellen Nachdruck zu verleihen. Laut Insidern verhandelt der New Yorker Private-Equity-Riese über ein Investment von deutlich unter 1 Mrd. Dollar, während Andreessen Horowitz bereit sei, eine größere Summe beizusteuern. Firmengründer Marc Andreessen, der als lautstarker Unterstützer Trumps auftritt und bei der Personalrekrutierung für das von Milliardär Elon Musk geführte Department of Government Efficiency half, soll das Projekt mit großem Nachdruck verfolgen. Seine Firma hat eine lange Historie bei Social-Media-Beteiligungen, war zum Beispiel früh als Investor bei Facebook an Bord und steckte 400 Mill. Dollar in Musks Übernahme des Kurznachrichtendienstes Twitter (heute X).

Neue Bieter treten auf den Plan

In letzter Minute melden sich allerdings auch andere Bieter zu Wort: Amazon hat sich nach Berichten der „New York Times“ mit einem Brief an Vizepräsident JD Vance und Handelsminister Howard Lutnick gewandt und darin ihr Interesse bekundet. Von der Börsen-Zeitung befragte M&A-Experten sehen eine Übernahme durch den E-Commerce-Riesen als „optimalen Fit“, da dieser so seine Social-Media-Präsenz aufbauen und darüber eine Quervermarktung für den Onlinehandel aufbauen könne sowie die nötige technologische Infrastruktur besitze, um die Video-App weiter zu skalieren.

Angeblich sehen US-Regierungsvertreter es aber nicht als wahrscheinlich an, dass das Interesse von Amazon zu einem Abschluss führt. Zugleich bietet das Mobiltechnologie-Unternehmen AppLovin wohl für TikTok und hat sich bezüglich der Finanzierung laut Insidern an den Casino-Magnaten Steve Wynn gewandt. Die im Nasdaq 100 gelistete Gesellschaft, die auf eine Marktkapitalisierung von rund 100 Mrd. Dollar, bietet Werbe- und Marketinganalyse-Anwendungen für App-Entwickler an und hilft diesen somit bei der Monetarisierung. Analysten heben die leistungsfähige künstliche Intelligenz hervor, mit der AppLovin Werbung passgenau auf Social-Media-Nutzer zuschneiden könne. Im Pitch gegenüber der Trump-Administration soll das Unternehmen betont haben, durch eine Übernahme von TikTok nationale Sicherheitsbedenken lösen und neue Jobs und Wachstum in den Vereinigten Staaten kreieren zu können.

Dramatische Wendungen

Allerdings ist weiterhin unklar, ob Bytedance einer Veräußerung von TikTok überhaupt zustimmen wird. Trumps Amtsvorgänger Joe Biden hatte im vergangenen April ein Gesetz unterzeichnet, das die chinesische Mutter vor die Wahl zwischen einem Verkauf der Plattform oder einem US-Bann gegen die Video-App stellte. Die ursprünglich gesetzte Frist lief einen Tag vor Trumps Amtseinführung ab, TikTok ging daraufhin in den Vereinigten Staaten vorübergehend vom Netz.

Nach seinem Antritt verschob der neue US-Präsident die Deadline dann allerdings um 75 Tage. Sie läuft damit am 5. April ab. Trump berief für Mittwoch ein Treffen mit Vizepräsident JD Vance, Handelsminister Howard Lutnick, dem nationalen Sicherheitsberater Mike Waltz und Geheimdienstchefin Tulsi Gabbard ein, bei dem es um finale Vorschläge zur Lösung des TikTok-Konflikts gehen soll.

Nach der Fristverlängerung im Januar ventilierte der Präsident Pläne, die Video-App in ein Joint Venture mit 50-prozentiger US-Beteiligung zu überführen. Dabei brachte er einen neuen US-Staatsfonds, dessen Schaffung binnen eines Jahres er per Exekutivbeschluss anordnete, als Käufer ins Spiel. Wie Washington ein solches Vehikel finanzieren will, ist angesichts hoher Haushaltsdefizite allerdings unklar. Zuletzt kursierten Pläne, die staatlich gesponserten Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac in den Staatsfonds zu überführen, den Wert der US-Beteiligung an den beiden Häusern schätzt die Wall Street auf 250 Mrd. Dollar.

Lösung fraglich

Kritiker merken indes an, dass ein TikTok-Deal das Problem eventuell gar nicht lösen würde, das Biden zu seinem Gesetz über Bann oder Verkauf der App bewegte: Die Sorge, dass Peking über Bytedance auf US-Nutzerdaten zugreifen könne. Diese bestehe so lange weiter, wie Bytedance beteiligt sei und der TikTok-Algorithmus in chinesischer Hand liege.

Bezüglich eines möglichen Kaufpreises für TikTok herrscht ebenfalls Unklarheit. Kurz nach seinem Amtsantritt sagte Trump, die Plattform sei „wertlos, wenn ich keinen Deal schließe“. CFRA Research bezifferte den Wert des US-Geschäfs im Januar hingegen auf 40 Mrd. bis 50 Mrd. Dollar. Die Investmentbank Wedbush legt für die Plattform sogar eine Bewertung von „deutlich über“ 100 Mrd. Dollar an, sofern ein Deal den Algorithmus der Bytedance-Tochter einschließe.

Nützliche Politik-Plattform

Mit aktuellen Verhandlungen vertraute Personen gehen laut „Financial Times“ davon aus, dass die Partner TikTok auf Basis des Umsatzes bewerten. Global – mit Ausnahme Chinas – soll dieser 2024 bei 36 Mrd. Dollar gelegen haben, rund ein Drittel davon sei auf die USA entfallen. Das Nutzerwachstum in Nordamerika hat sich zwar abgeschwächt. Trump, der in seiner ersten Amtszeit noch für einen Bann der App eingetreten war, versteht die Plattform inzwischen aber als nützliches Mittel, um ein jüngeres Publikum zu erreichen. Indem sie TikTok in den USA am Netz halten, versuchen sich Andreessen Horowitz und Konsorten nun das Wohlwollen des Präsidenten zu sichern.

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