Maschinenbauer Singulus verfehlt gesenkte Prognose
Singulus verfehlt gesenkte Jahresprognose
Auftragsverschiebungen treffen den Anlagenbauer
hek Frankfurt
Der seit langem angeschlagene Spezialmaschinenbauer Singulus ist im vergangenen Jahr unter den eigenen Erwartungen geblieben. Das führt ein Firmensprecher auf die Verschiebung von Solarprojekten zurück. Es kamen 75,9 Mill. Euro Umsatz herein, nach 73,2 Mill. Euro im Vorjahr. Die im November auf 80 Mill. bis 90 Mill. Euro gesenkte Zielzone wurde damit verfehlt. Auch beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) blieb Singulus mit -0,7 Mill. Euro unter der revidierten Guidance von 1,0 Mill. bis 3,5 Mill. Euro Gewinn. Im Geschäftsbericht 2023 hatte das Unternehmen für 2024 sogar zwischen 120 Mill. und 130 Mill. Euro Umsatz und ein Ebit im niedrigen zweistelligen Millionenbereich in Aussicht gestellt. „Positiv“ habe sich der Auftragseingang entwickelt, teilt der börsennotierte Mittelständler mit. Es seien Bestellungen für 77,2 Mill. Euro hereingekommen (2023: 43,1 Mill. Euro).
Drei Segmente
Das Eigenkapital des Konzerns ist aufgebraucht – Ende Juni 2024 war es mit 44,8 Mill. Euro negativ. Der Beschichtungsspezialist agiert derzeit in den drei Segmenten Solar, Life Science und Halbleiter. Das Schicksal ist nach wie vor eng verknüpft mit dem Solarmarkt in China und dem Großkunden China National Building Materials (CNBM), einem chinesischen Staatskonzern, der über seine Tochter Triumph Science & Technology Group mit 16,75% Ankeraktionär ist.
Kredit wird verrechnet
Ende 2024 verständigte sich Singulus mit Triumph auf eine Lösung für die 20-Mill.-Euro-Finanzierung. Demnach werden 10,3 Mill. Euro Forderungen aus Liefergeschäften mit den Verbindlichkeiten verrechnet und die restlichen 9,7 Mill. Euro als Anzahlung auf bestehende Lieferverträge umgewidmet.
Damit entfalle die Verpflichtung zur Rückzahlung der Finanzierung, gab Singulus damals bekannt. Die geplante Änderung von Anleihebedingungen, darunter eine Laufzeitverlängerung um drei Jahre und der Verzicht auf Kündigungsrechte, hatte auf der Gläubigerversammlung im Mai 2024 die erforderliche Drei-Viertel-Mehrheit verfehlt.
Viele Rückschläge
Um die Jahrtausendwende zählte der Spezialmaschinenbauer am Neuen Markt zu den soliden Unternehmen unter den vielen Hoffnungswerten. Die Anlagen für die Herstellung von CDs und DVDs waren international gefragt. Doch als der DVD-Boom auslief und sich der Nachfolger, die Blu-ray-Disc, schlechter verkaufte als erhofft, geriet das Unternehmen aus Kahl am Main zusehends in schwieriges Fahrwasser. Das Vorstoßen in neue Geschäftsfelder war mit Rückschlägen verbunden, die an den Finanzreserven zehrten.