Teurer Vorstandsumbau

Mehr als die Hälfte der gezahlten SAP-Vorstandsvergütung geht an ehemalige Board-Mitglieder

Die starke Kursentwicklung der SAP-Aktie spiegelt sich in einem kräftigen Anstieg der Vorstandsvergütung. Weit mehr als die Hälfte der Gesamtvergütung von 91 Mill. Euro floss dabei an ausgeschiedene Vorstandsmitglieder.

Mehr als die Hälfte der gezahlten SAP-Vorstandsvergütung geht an ehemalige Board-Mitglieder

SAP-Erfolg füllt ehemaligen Vorständen die Taschen

Von 91 Mill. Euro Gesamtvergütung fließen 57 Mill. Euro an Ausgeschiedene

scd Frankfurt

Der Softwarekonzern SAP hat seine Aktionäre im vergangenen Jahr mit einer guten Verdopplung des Aktienkurses verwöhnt. Das hat sich, wie zu erwarten war, in der Bezahlung des Vorstands des Walldorfer Softwarekonzerns niedergeschlagen. Die ausgezahlte Vergütung an die Führungsmannschaft hat sich 2024 in Summe gegenüber dem Vorjahr auf gut 91 Mill. Euro mehr als verdoppelt.

CEO Klein nicht Topverdiener

Der Vorstandvorsitzende Christian Klein hat als Spitzenverdiener des aktiven Vorstands knapp 19 Mill. Euro erhalten. Mit 14 Mill. Euro stammt das Gros der Zuflüsse aus langfristiger variabler Vergütung. Hier schlägt sich der kräftige Kursanstieg der SAP-Aktie in den vergangenen Jahren nieder. Allerdings gibt es einen nicht mehr aktiven Top-Manager, der noch mehr als Klein eingestrichen hat. Der Ende August ausgeschiedene Chief Revenue Officer Scott Russell hat seine Vergütung inklusive Abfindungspaket auf knapp 21,5 Mill. Euro mehr als versechsfacht. Die zeitgleich mit dem Australier ausgeschiedene Amerikanerin Julia White durfte sich über einen Zufluss von 17 Mill. Euro freuen. Alle drei Topverdiener 2024 kommen indes nicht an den ehemaligen SAP-Vorstandschef Bill McDermott heran. Dessen Dax-Vergütungsrekord aus dem Jahr 2017 hat mit 21,8 Mill. Euro noch immer Bestand. An US-Niveaus kommt die Vergütung von Europas größtem Softwarehaus ohnehin noch nicht heran. Als CEO von ServiceNow hat McDermott zuletzt knapp 38 Mill. Dollar im Jahr eingestrichen.

Vertriebschef schon mit neuem Job

Der umfangreiche Umbau des Executive Boards in den vergangenen beiden Jahren mit insgesamt fünf Abgängen hat zur Folge, dass der Softwarekonzern erstmals, seit Christian Klein 2020 die Konzernspitze übernommen hat, wieder mehr Geld an Ex-Vorstände auszahlen musste als an das amtierende Board. In Summe fließen 57 Mill. Euro an ausgeschiedene Manager. Und das obwohl dem wegen eines Fehlverhaltens verabschiedeten Ex-Technologiechef Jürgen Müller laut Vergütungsbericht keine Abfindungszahlung gewährt wurde. Scott Russell erhielt hingegen 12,61 Mill. Euro als Abfindung. Bei Julia White sind es 9 Mill. Euro.

Anders als bei den beiden letztgenannten wurde bei Müller derweil auf eine Wettbewerbsklausel verzichtet. Besonders strikt fällt diese aber wohl ohnehin nicht aus, da sie meistens nur die größeren Wettbewerber einschließt. Russell ist mittlerweile CEO des börsennotierten US-Softwareunternehmens Nice. Dieses konkurriert zwar auch mit SAP, kann sich aber weder im Börsenwert (knapp 10 Mrd. Dollar) noch in der Kursperformance (–8% seit Jahresbeginn) mit den Walldorfern messen.

BZ+
Jetzt weiterlesen mit BZ+
4 Wochen für nur 1 € testen
Zugang zu allen Premium-Artikeln
Flexible Laufzeit, monatlich kündbar.