Kauf von Softwarefirma

Siemens übernimmt Dotmatics für 5,1 Mrd. Dollar

Siemens kauft in den USA zu: Dotmatics ist ein Anbieter von Forschungs- und Entwicklungssoftware im Bereich Life Sciences. Die Übernahme soll mit Aktienverkäufen finanziert werden.

Siemens übernimmt Dotmatics für 5,1 Mrd. Dollar

Siemens kauft zum zweiten Mal binnen weniger Monate eine Softwarefirma aus den USA und will damit sein Geschäft mit Automatisierungstechnik stärken. Der Münchner Technologiekonzern zahlt 5,1 Mrd. Dollar für Dotmatics, eine auf Software für die Forschung und Entwicklung von Arzneimitteln spezialisierte Firma aus Boston, wie Siemens am Mittwochabend mitteilte. „Die Übernahme von Dotmatics ist Teil unseres Wachstumsprogramms ,One Tech Company', mit dem wir unsere führende Position bei Industriesoftware weiter ausbauen und unseren Kunden helfen, noch schneller innovativ zu sein“, sagte Vorstandschef Roland Busch. Erst im Herbst hatte der Konzern rund 10 Mrd. Dollar für die US-Industriesoftwarefirma Altair ausgegeben.

Dotmatics gehört bisher dem Finanzinvestor Insight Partners und erwartet im laufenden Jahr mit rund 800 Mitarbeitern und 14.000 Kunden einen Umsatz von 310 Mill Dollar – bei einer operativen Umsatzrendite (Ebitda-Marge) von mehr als 40%. Siemens zahlt damit das 39-Fache des erwarteten operativen Gewinns (Ebitda), wie aus einer Präsentation hervorgeht.

Einer der teuersten Zukäufe

Für Siemens ist es eine der drei teuersten Übernahmen der Firmengeschichte. „Die Akquisition von Dotmatics schafft starke Umsatzsynergien, ist hochprofitabel und wird sich positiv auf den Cashflow auswirken“, sagte Siemens-Finanzvorstand Ralf Thomas. Siemens rechnet kurzfristig mit positiven Umsatzeffekten von 100 Mill. Dollar, die später auf eine halbe Mrd. pro Jahr wachsen könnten.

Siemens erhofft sich von der Übernahme mehr Geschäft mit der Pharmaindustrie, einer Branche, in der die Automatisierungs-Sparte Digital Industries bisher kaum vertreten ist. Der Markt, den Siemens mit seinen Produkten erschließen könne, wachse damit um 11 Mrd. Dollar. „Künstliche Intelligenz hat sich in zahlreichen Branchen zu einer transformativen Kraft entwickelt, und ihre Anwendung in den Life Sciences gewinnt zunehmend an Bedeutung“, sagte Busch.

Die Wurzeln von Dotmatics liegen im Jahr 2005, 2017 stieg Insight Partners bei der Firma ein, die damals noch Insightful Science hieß. 2021 kaufte Insight Partners die britische Dotmatics zu und übernahm deren Firmennamen.

Verkauf von Siemens-Healthineers-Anteilen

Die Übernahme soll im Herbst oder Winter 2025/26 vollzogen werden. Finanzieren will Siemens den Zukauf wie bei Altair „in erster Linie“ mit dem Verkauf von Anteilen an börsennotierten Unternehmen, darunter der Medizintechnik-Tochter Siemens Healthineers, wie Finanzvorstand Thomas ankündigte. Für Altair hatte er bereits den Erlös aus dem Abbau der Beteiligung an Healthineers von 75 auf 70% reserviert. Der Verkauf von weiteren 6% an Siemens Energy läuft bereits, inzwischen hält Siemens nur noch 11%. Auch beim US-Energiespeicher-Unternehmen Fluence Energy ist Siemens Großaktionär.