Siemens zahlt das 16-Fache des Umsatzes
Siemens greift für den Kauf des US-Softwareunternehmens Dotmatics tief in die Tasche. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Boston, das 800 Personen in 14 Büros beschäftigt, wird zwar in der Pressemitteilung als hochprofitabel gekennzeichnet. Dies wird mit einer bereinigten Ebitda-Marge von mehr als 40% begründet. Sie sei zudem Cashflow-positiv.
Aber der Kaufpreis von 5,1 Mrd. Dollar entspricht einem erwarteten Ebitda-Multiple 2025 von 39, wie in einer Investorenpräsentation angegeben wird. Dies sei auf Linie mit vorherigen Verkäufen von Firmen mit einem Premium-Software-Portfolio, heißt es dort. Die M&A-Kriterien von Siemens seien erfüllt. Die Kapitalstruktur bei Abschluss der Transaktion werde voraussichtlich innerhalb des Zielkorridors von Siemens liegen.
Analysten: Teuer, aber strategisch sinnvoll
Der Deal sei sehr teuer, kommentierte Analyst Gael de-Bray von der Deutschen Bank. Die Ausweitung der Siemens-Sparte Digital Industries auf den Bereich Pharmakologie bezeichnete er als überraschend. Die kanadische Bank RBC lobte die Übernahme als strategisch ebenso sinnvoll wie zuletzt der Kauf von Altair für 10 Mrd. Dollar. Dotmatics sei aber nicht billig, lautet die Einschätzung. Es bleibe bei der jüngst aufgeworfenen Frage, ob die Milliarden in Life-Science-Software kurzfristig in die Bewertung einflössen oder lediglich zu einem weiteren unterbewerteten Konzernteil würden.
Bei der DZ Bank wurde der Preis als hoch, aber branchenüblich bezeichnet. Stifel wies darauf hin, Siemens könne mit Dotmatics die Lücke zwischen der Entwicklung von Medikamenten und deren Massenproduktion schließen. Der Verkäufer Insight Partners war 2017 als Finanzinvestor in eine Dotmatics-Vorgängerfirma eingestiegen.
Siemens-Vorstandsvorsitzender Roland Busch bezeichnete die Übernahme als Teil des Wachstumsprogramms „One Tech Company“, mit dem Siemens die führende Position bei Industriesoftware weiter ausbauen wolle. Der Konzern hatte erst kürzlich vom Closing für die Akquisition der US-Industriesoftwarefirma Altair berichtet. Dieser Zukauf kostete 10 Mrd. Dollar.
Healthineers im Schaufenster
Mit dem Einstieg in die Bedienung des Pharmamarktes mit Industriesoftware verbindet Siemens den weiteren Ausstieg auch aus der Medizintechnik. „Die Finanzierung wird in erster Linie durch den Verkauf von Anteilen an börsennotierten Unternehmen, einschließlich Siemens Healthineers, erfolgen“, lässt sich Finanzvorstand Ralf Thomas zitieren. Dort hält Siemens aktuell rund 70%. Der Anteil an Siemens Energy wurde zuletzt mit 11% angegeben. Die Siemens-Healthineers-Aktie verlor bis Donnerstagnachmittag rund 5% ihres Wertes.
Dotmatics erlöst voraussichtlich 2025 rund 310 Mill. Dollar. Das jährliche Umsatzwachstum gibt eine Investorenpräsentation mit mehr als 15% an. Das Dotmatics-Geschäftsmodell basiert auf Abos, sodass 95% der Erlöse jährlich wiederkehrend sein können. Siemens stellt aktuell die Sparte Digital Industries teils ebenfalls auf ein Abomodell um.
Den Abschluss der Transaktion erwartet Siemens in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2025/2026 (30. September).
Siemens zahlt das 16-Fache des Umsatzes
Konzern kauft Dotmatics für 5,1 Mrd. Dollar – Analysten: Teuer, aber strategisch sinnvoll – Aktienkurs unter Druck
Siemens steigt mit einem strategischen Zukauf in den Bereich Forschungssoftware für Pharmakologie ein. Der Kaufpreis für die US-Softwarefirma Dotmatics entspricht dem 16-Fachen des Umsatzes und dem 39-Fachen des Ebitda. Der Aktienkurs geriet unter Druck, allerdings waren an der Börse die Zölle das Hauptthema.