Brände um Los Angeles kosten Munich Re 1,2 Mrd. Euro
Munich Re punktet mit Dividendensprung
Aktie des weltgrößten Rückversicherers steigt auf Rekordhoch – Verheerende Brände in Los Angeles kosten 1,2 Mrd. Euro
sck München
Trotz hoher Belastungen aus der zurückliegenden Hurrikan-Saison hat die Munich Re mit dem höchsten Überschuss in ihrer langen Unternehmensgeschichte die Analystenerwartungen übertroffen. Der größte Rückversicherer der Welt steigerte im vergangenen Jahr den Nettogewinn um 23% auf 5,7 Mrd. Euro. Das sind rund 100 Mill. Euro mehr, als Analysten im Schnitt prognostiziert hatten. Zur Bilanzvorlage bekräftigte Vorstandschef Joachim Wenning das Ziel, im laufenden Jahr einen Gewinn nach Steuern von 6 Mrd. Euro zu erwirtschaften.
Seine Zuversicht, dass das Ergebniswachstum sich fortsetzt, beruht vor allem auf weiterhin steigenden Preise für Deckungen gegen Naturkatastrophenschäden. Damit gelingt es dem Branchenprimus, die hohen Belastungen aus den Anfang Januar rund um Los Angeles ausgebrochenen Waldbränden gut zu verdauen. Das Management schätzt die Schadenkosten für die Munich Re auf 1,2 Mrd. Euro. Diese würden im laufenden Quartal ins Kontor schlagen.
Aktie erreicht Allzeithoch
Die Nachrichten von der Konzernspitze kamen bei Anlegern gut an. Die Aktie der Munich Re sprang im Xetra-Handel zeitweise um 5,9% auf 557,80 Euro. So viel war der Titel noch nie wert. Das Papier setzte damit seinen Höhenflug fort. Die Munich Re bringt derzeit am Markt 75 Mrd. Euro auf die Waage. Auf Beifall der Börsianer stieß auch die Ankündigung, die Dividende und die Aktienrückkäufe deutlich auszuweiten.
Der Vorstand schlägt der kommenden Hauptversammlung vor, die Dividende je Aktie um 5 Euro oder ein Drittel auf rekordhohe 20 Euro anzuheben. Damit steigt die Ausschüttung deutlich stärker als der Konzernüberschuss. Das ist auch mehr, als Analysten erwartet hatten. Diese gingen im Schnitt von 16,40 Euro aus.
Ausschüttungsquote steigt auf 47 Prozent
Bei einem in 133,76 Millionen dividendenberechtigte Anteilscheine aufgeteilten Grundkapital entspräche das einer Ausschüttungssumme von 2,7 Mrd. Euro. Das wären 666 Mill. Euro mehr als für 2023. Die gesamte Dividendensumme entspräche 47,2% des Konzerngewinns. Das heißt, der Marktführer überweist fast die Hälfte des Nettogewinns an die Aktionäre. Ein Jahr zuvor lag die Quote bei 43,7%. Die Dividendenrendite bleibt mit 4% nahezu unverändert.
Zugleich kündigte das Management an, ein neues Aktienrückkaufprogramm im Volumen von bis zu 2 Mrd. Euro aufzulegen. Das sind rund 500 Mill. Euro mehr als zuvor. Das neue Programm soll im April 2025 starten und bis Ende April 2026 laufen.
„Harter Markt“ dauert an
Wenning stellte heraus, dass 2024 das vierte Jahr in Folge gewesen sei, in dem die Munich Re mit ihrem erzielten Gewinn die Erwartungen übertroffen habe. Die Ergebnisschätzung der Analysten für 2025 liegt weitgehend im Rahmen des Unternehmensziels. Rückenwind bekommt der Branchenprimus von gestiegenen Marktzinsen, dem Boom an den Aktienmärkten und einem soliden Preisanstieg bei Deckungen von Rückversicherern. Die Phase des „harten Marktes“, wie den laufenden Zyklus Fachleute bezeichnen, dauert an.
Der CEO bezeichnete das Resultat der zurückliegende turnusmäßige Vertragserneuerungsrunde zum Jahreswechsel für die Munich Re als „gut“. Das gezeichnete Geschäftsvolumen verringerte sich geringfügig um 2% auf 15,6 Mrd. Euro. Der Konzern trennte sich von aus seiner Sicht unrentabel gewordenen Aktivitäten. In der Runde, die vor allem Policen in Europa und in den USA betraf, verzeichnete die Munich Re insgesamt einen leichten Preisrückgang von 0,6% nach einem geringfügigen Plus von 0,3% ein Jahr zuvor. Insgesamt sei das „gute Preisniveau“ im Portfolio gehalten worden, so die Konzernführung. Die jüngsten Großschäden aus Naturkatastrophen hätten dazu beigetragen, dass trotz eines zunehmenden Preiswettbewerbs die Raten „aufweichen“. Bei einem wachsenden Marktdruck äußerte sich der Vorstand zuversichtlich, auch in den Vertragsrunden zum 1. April und zum 1. Juli solide abzuschneiden.
Beide Geschäftssäulen verzeichnen Schub
Im Detail steigerte die Munich Re ihr Ergebnis aus Kapitalanlagen um ein Drittel oder 1,8 Mrd. Euro auf 7,2 Mrd. Euro. Das entsprach einer Rendite von 3,1%. Das ist ein Zuwachs um 0,6 Prozentpunkte. Infolge des Booms an den Kapitalmärkten sprang der Buchwert der gesamten Kapitalanlagen um 12,2 Mrd. auf 230,7 Mrd. Euro per Ende 2024.
Das Geschäftsfeld Rückversicherung steuerte mit einem Überschuss von 4,9 Mrd. Euro den Löwenanteil zum Konzerngewinn bei. Das größte Konzernsegment steigerte sein Nettoergebnis um 1 Mrd. Euro oder ein Viertel. Damit gelang es der Munich Re, die gestiegene Gesamtbelastung aus Naturkatastrophenschäden robust abzufedern. Letztere Kosten wuchsen um 300 Mill. auf 2,6 Mrd. Euro. Größter Einzelschaden war der Hurrikan „Helen“ mit rund 500 Mill. Euro. Die Schaden-Kosten-Quote des Bereichs Schaden/Unfall-Rückversicherung verbesserte sich auf 82,4% (minus 2,8 Punkte) des Netto-Versicherungsumsatzes. Werte von unter 100% zeigen, dass Versicherer die Kosten aus Schäden und der Verwaltung mit Einnahmen aus den Policen decken können.
Die Düsseldorfer Erstversicherungstochter Ergo steigerte ihren Überschuss um 10% auf 791 Mill. Euro. Sehr gute Resultate aus Kapitalanlagen und ein stabiles Geschäft im europäischen Ausland trugen zum Gewinnzuwachs bei.
Die Munich Re hat die Anleger überzeugt. Nach einem Rekordgewinn glänzte der größte Rückversicherer der Welt an der Börse mit einem Dividendenschub. Der Konzern schüttet fast die Hälfte des Gewinns aus. Die Aktie des Dax-Mitglieds erreichte ein Allzeithoch. Das Papier sprang zeitweise um nahezu 6%.