Standortwettbewerb

Finanzplatz an einem Tisch

Auf Initiative des hessischen Landesregierung haben sich wichtige Akteure des Finanzplatzes zusammengeschlossen und wollen sich als „Finanzplatzkabinett“ austauschen.

Finanzplatz an einem Tisch

Finanzplatz an einem Tisch

Startschuss für Initiative zur Stärkung des Standorts – „Kabinett“ verabschiedet Forderungskatalog

Auf Initiative des Hessischen Ministerpräsidenten Boris Rhein und der Hessischen Minister für Wirtschaft und Finanzen haben sich wichtige Akteure des Finanzplatzes am Standort Frankfurt zusammengeschlossen und wollen sich künftig regelmäßig als „Finanzplatzkabinett“ miteinander austauschen.

fed Frankfurt

Ziel der Initiative sei es, „gemeinsam Lösungen zu erarbeiten und den Standort strategisch weiterzuentwickeln“, unterstrich Hessens Ministerpräsident Boris Rhein in einer Mitteilung, nachdem das „Finanzplatzkabinett“ am Mittwoch in der Commerzbank in Frankfurt getagt hatte. In der Sitzung wurde ein von der Taskforce Finanzplatz erarbeitetes „Policy Paper“ an die Landesregierung übergeben. Darin werden „Handlungsfelder“ identifiziert, die mithelfen sollen, den Finanzplatz „zu erneuern“ und damit den Standort Deutschland zu stärken.

Arbeits- und Steuerrecht

Recht konkret wird das Bündnis mit Blick auf die Standortbedingungen. Im gemeinsamen Papier wird beispielsweise für die Flexibilisierung der arbeitsrechtlichen Bedingungen für Fach- und Führungskräfte plädiert und für die Anrechnung ausländischer Quellensteuern und für Umsatzsteuererleichterungen bei Konsortialkrediten geworben. Unter den Stichworten Risiko und Regulatorik machen sich die Vertreter des Finanzplatzes für faire regulatorische Anforderungen im Wettbewerb mit den Konkurrenten weltweit ebenso stark wie für die Reduzierung von Dokumentationspflichten. Außerdem soll sich die Aufsicht nicht nur an den traditionellen Zielen wie Finanzstabilität oder Verbraucherschutz orientieren, sondern auch an der Förderung der Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes. Um den Standort zukunftssicher zu machen, stehen auf der Liste der Empfehlungen auch Maßnahmen, die Innovation und Start-Ups Unterstützung bieten, etwa die Förderung der Nutzung neuer Technologien oder regionale Ökosysteme, die Start-Ups bei Gründung und Wachstum helfen können.

Kapitalgedeckte Vorsorge

Ein besonderes Augenmerk gilt zudem der Mobilisierung von Kapital, beispielsweise durch eine „zielgerichtete Ausweitung der Förderung der privaten und betrieblichen kapitalgedeckten Altersvorsorge“. Nicht fehlen darf außerdem die Belebung der Verbriefungsmärkte, nachdem die EU-Kommission gerade am Mittwoch die Ankündigung einer Reform der EU-Verbriefungs-Verordnung für den Frühsommer 2025 bekräftigt hat. Die WIN-Initiative, mit der Geld für Innovation und Infrastruktur eingesammelt wird, soll fortgesetzt werden.

Ein weiteres ambitioniertes Ziel: Der Finanzplatz soll als „Vorreiter für praktikable und international wettbewerbsfähige Nachhaltigkeitslösungen“ etabliert werden. Auch will Frankfurt davon profitieren, dass mit dem House of Finance und dem Leibniz Institut SAFE sowie mit der Frankfurt School exzellente wissenschaftliche Forschung in unmittelbarer Nähe des Bankenviertels verfügbar ist. Diese „intellektuelle Infrastruktur“ am Finanzplatz soll gezielt unterstützt werden, lautet eines der gemeinsamen Ziele. Schließlich macht sich das „Finanzplatzkabinett“ Gedanken, wie internationale Institute gezielter angeworben werden können. Zu diesem Zweck ist eine „zentrale Stelle als Koordinator der Bundesebene" im Gespräch.

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