Sonderbeauftragter Florian Rentsch mahnt Geschlossenheit an

Finanzplatz Frankfurt will mehr Gehör in Berlin finden

Vertreter des Finanzplatzes Frankfurt wollen ihre Positionen in den Koalitionsgesprächen in Berlin deutlich machen. Die Chancen stehen gar nicht schlecht. Einen Stimmungswandel in der Politik zugunsten der Finanzbranche hat Florian Rentsch ausgemacht, Sonderbeauftragter der hessischen Landesregierung.

Finanzplatz Frankfurt will mehr Gehör in Berlin finden

Finanzplatz Frankfurt
will mehr Gehör in Berlin finden

Sonderbeauftragter Florian Rentsch mahnt zu Geschlossenheit

fir Frankfurt

Zur Bündelung der Kräfte zum Wohle des Finanzstandorts hat Florian Rentsch aufgerufen, Sonderbeauftragter der hessischen Landesregierung für den Finanzplatz Frankfurt. Anstatt sich im Kleinteiligen zu verlieren, gelte es angesichts des starken Wettbewerbs mit Paris, London, aber auch mit Luxemburg, gemeinsam den Standort voranzutreiben. „Wenn wir unsere Hausaufgaben nicht machen, werden andere das nutzen“, warnte Rentsch, der Vorstandsvorsitzender des Verbandes der Sparda-Banken ist und im November zum Sonderbeauftragten berufen wurde.

„Powerhouse“ für Finanzen

Es könne nicht angehen, sagte er, sich einerseits mit Standorten in Europa zu messen, andererseits aber Diskussionen über Finanzplätze wie Stuttgart, Hannover oder Düsseldorf zu führen und wessen Bedeutsamkeit überwiege. „Das ist absurd." Denn das „Powerhouse“ für Finanzen liege andernorts. „Frankfurt ist der Finanzplatz Deutschland“, machte Rentsch, der von 2012 bis 2014 hessischer Wirtschaftsminister war, am Donnerstag bei den „Frankfurter Finanzplatzgesprächen“ deutlich.

„Frankfurt ist der Finanzplatz Deutschland.“

Florian Rentsch, Sonderbeauftragter der hessischen Landesregierung für den Finanzplatz Frankfurt

Veranstaltet wurden sie vom International Bankers Forum, es moderierte Andreas Prechtel, Geschäftsführer des Verbandes der Auslandsbanken in Deutschland.

Positionen in Koalitionsgespräche eingebracht

Die Hoffnung des Sonderbeauftragten ist nun, in Berlin bei den laufenden Koalitionsgesprächen zwischen Union und SPD für eine Bundesregierung möglichst viel Gehör für die Anliegen des Finanzplatzes zu finden. Das unlängst auf Initiative der hessischen Landesregierung gegründete Finanzplatzkabinett, dem Vertreter von Politik und Finanzbranche angehören, hatte ein Policy Papers mit Positionen erarbeitet, wie der Finanzplatz voranzutreiben sei und diese in Berlin eingebracht.

Die Hoffnung ist durchaus berechtigt. So stellt Rentsch einen Stimmungswandel fest. Er habe selten erlebt, dass die Politik der Branche die Hand gereicht hat. „Ich erinnere mich an Zeiten an diesem Standort, da spielte der Finanzplatz keine Rolle. Man hat sich abgegrenzt von den Banken.“ Zudem hielt Rentsch dem voraussichtlich kommenden Bundeskanzler Friedrich Merz Verständnis für die Bedeutung der Finanzbranche zugute.

Merz gilt als Finanzexperte und war lange Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschlandtochter des Vermögensverwalters Blackrock.

Rentsch warnte davor, kleinere Wettbewerber wie Luxemburg zu unterschätzen. Die Art und Weise, wie dort für den Finanzplatz geworben werde, im Verbund aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft, könne als Blaupause auch für Frankfurt angesehen werden. „Wir müssen mit einer Stimme sprechen. Und da haben wir extremen Nachholbedarf.“ Das gelte auch für das föderale System der Bundesrepublik, dessen Vielschichtigkeit vielerorts überholungsbedürftig sei. „So können wir dieses Land nicht steuern, wir müssen es in seiner Staatsstruktur neu aufbauen“, sagte Rentsch.

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