Interhyp erwartet steigende Preise
Interhyp erwartet steigende Preise
Vermittler von Baufinanzierungen beobachtet wachsende Nachfrage nach Wohnimmobilien
jh München
Interhyp rechnet damit, dass die erholte Nachfrage nach Baufinanzierungen in Deutschland auf einem hohen Niveau bleibt. „Der Januar war ein extrem starker Monat für uns“, sagte der Vorstandsvorsitzende Jörg Utecht in der Jahrespressekonferenz. Die Interhyp-Gruppe, ein Tochterunternehmen von ING Deutschland, zählt sich zu den führenden Vermittlern privater Baufinanzierungen in Deutschland.
Utecht erwartet, dass die stark angezogene Nachfrage nach Wohnimmobilien die Preise weiter nach oben treiben wird. Objekte mit höheren Energieklassen würden schon zum Teil über den Marktwerten verkauft. „Das Pendel schwingt zurück vom Käufer- zum Verkäufermarkt“, berichtete Utecht. Für die Bauzinsen stellt er sich auf eine Seitwärtsbewegung ein: „Das Niveau dürfte sich bis zum Frühsommer weiterhin in einem Korridor zwischen 3 und 3,5% für zehnjährige Darlehen bewegen.“ Erwartete weitere Leitzinssenkungen der Europäischen Zentralbank seien eingepreist. Auf niedrigere Bauzinsen zu spekulieren, hält Utecht für keine gute Strategie von Interessenten für Immobilien und von Käufern, die eine Anschlussfinanzierung abschließen wollen.
Auch mit Blick auf die steigende Nachfrage und Preise rät er, mit dem Kauf von Immobilien nicht zu warten. „Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, sich damit zu beschäftigen“, sagte er und sprach von einem „echten Sweet Spot“.
Rückenwind vom Markt
Der deutsche Markt für Baufinanzierungen hat sich kräftig erholt. Das Neugeschäftsvolumen stieg 2024 nach Angaben von Interhyp um 23% auf 198 Mrd. Euro. Von der 2021 mit 284 Mrd. Euro erreichten Spitze ist es allerdings weit entfernt. „Wir haben den Rückenwind des Marktes sehr gut genutzt“, sagte Finanzvorstand Stefan Hillbrand. Das operative Ergebnis vor Steuern von Interhyp, das 2023 auf -29 Mill. Euro abgerutscht war, stieg auf 10 Mill. Euro. Ziel sei allerdings, die Größenordnung, die Interhyp früher schon einmal erreicht hatte. 2020 waren es 93 Mill. Euro, im Jahr darauf 107 Mill. Euro. Die Berechnung wurde 2024 jedoch geändert.
Das Volumen abgeschlossener Finanzierungen steigerte die Unternehmensgruppe auf 22,4 (i.V. 17,2) Mrd. Euro. Die Erlöse, der Rohertrag, nahm auf 185 (141) Mill. Euro zu. Ihren Marktanteil beziffert Interhyp auf 11,1%. Das sei ein Prozentpunkt mehr als ein Jahr zuvor.
Verbesserte „Leistbarkeit“
Die Erholung des Markts begründete Utecht mit den gesunkenen Zinsen und den Immobilienpreisen, die immer noch deutlich unter dem Höchststand lägen. Die „Leistbarkeit“ habe sich verbessert. Der Vorstandschef erinnerte daran, dass die Zinsen für ein zehnjähriges Darlehen im Jahr 2023 in der Spitze 4,2% betrugen. Verglichen damit zahlten die Kunden von Interhyp auf Basis der durchschnittlichen Summe von 325.000 Euro mit dem derzeitigen Zins von 3,4% auf die gesamte Laufzeit bezogen rund 25.000 Euro weniger an Rate. Zusätzlich machten die immer weiter steigenden Mieten den Kauf einer Immobilie attraktiver.
Der nach wie vor schwache Neubau schlägt sich auch in den Finanzierungen von Interhyp nieder: 2024 machten solche Käufe nur 12% des Gesamtvolumens aus. Vor der Zinswende waren es etwa 20%.