US-Banken wollen Homeoffice ein Ende setzen
US-Banken wollen Ende des Homeoffice
J.P. Morgan beordert alle Mitarbeiter zurück ins Büro – Impuls für angeschlagenen Gewerbeimmobilienmarkt
xaw New York
Amerikas führende Geldhäuser machen im Kampf gegen den Homeoffice-Trend Ernst. So will J.P. Morgan alle ihrer weltweit rund 300.000 Mitarbeiter an fünf Tagen pro Woche zurück ins Büro beordern. CEO Jamie Dimon hatte diese Präsenzregelung bereits im vergangenen Jahr öffentlich als „ideal“ bezeichnet – nun folgt das nach Bilanzsumme größte US-Finanzinstitut der Konkurrentin Goldman Sachs, die bereits ähnliche Anweisungen getroffen hat.
Denn den Chefs an der Wall Street sind vermeintliche Produktivitätsverluste und eine erschwerte Arbeitszeitkontrolle infolge des Homeoffice-Trends ein Dorn im Auge. Regulatoren warnen bereits seit der Hochphase der Corona-Pandemie vor „Fat Finger“-Fehlern – also fehlerhaften Orders und Überweisungen, die durch Abgelenktheit von Tradern am heimischen Schreib- oder Küchentisch entstehen.
Millionenschaden durch „Fat Finger“-Trades
Bei der Citigroup war es 2020 zu einer solchen Panne gekommen: Die Bank beglich mit Eigenmitteln versehentlich Schulden des inzwischen restrukturierten Kosmetikanbieters Revlon von 894 Mill. Dollar, obwohl lediglich eine Zinszahlung von 7,8 Mill. Dollar angestanden hatte. Da nur ein Teil der Gläubiger das Geld zurücküberwies, schloss sich ein langer Rechtsstreit um fehlende Mittel im Volumen von 500 Mill. Dollar an, der erst im Dezember 2022 endete.
Im Mai 2022 folgte beim gleichen Geldhaus der nächste folgenschwere „Fat Finger“-Fehler: Ein Londoner Trader, der über einen Feiertag von zu Hause aus arbeitete, wollte einen Aktienkorb im Wert von 58 Mill. Dollar abstoßen – füllte dabei aber das falsche Feld im Computersystem aus und stellte trotz Warnsignalen Verkaufsorders für Wertpapiere im Volumen von 444 Mrd. Dollar. Bevor der Fehler auffiel und der Händler die Transaktion abbrechen konnte, wurden immerhin Dividendentitel im Volumen von 1,4 Mrd. Dollar verkauft. Es kam zu kurzfristigen Kursverfällen und Handelsstopps in mehreren europäischen Märkten, britische Regulatoren brummten Citigroup schließlich eine Strafzahlung von umgerechnet 78 Mill. Dollar auf.
Gewerbeimmobilienmarkt im Feuer
Durch ihren Kampf gegen flexible Arbeitszeitregelungen versuchen Amerikas Großbanken aber wohl nicht nur solche kostspieligen Fehler auszumerzen und mehr Kontrolle über ihre Mitarbeiter zurückzuerlangen. Sie streben laut Insidern auch danach, dem US-Gewerbeimmobilienmarkt neue Impulse zu geben.

Bei Krediten für Bürogebäude, die hypothekenbesicherten Wertpapieren zugrunde liegen, ist die Rate der Zahlungsverzüge laut dem Datendienst Trepp im Dezember erstmals seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2000 auf über 11% gestiegen. Hintergrund der Verwerfungen ist ein Zusammenspiel aus strukturellen Problemen und der restriktiven Geldpolitik der Fed zwischen Anfang 2022 und September des vergangenen Jahres.
So sorgt der Bauboom des vorangegangenen Jahrzehnts in Metropolen für ein Überangebot an Gewerbeflächen, während der Homeoffice-Trend einen hohen Leerstand in Bürogebäuden nach sich zieht. Zwischen dem zweiten Quartal 2020 und dem dritten Quartal 2024 gaben US-Büromieter laut dem Informationsdienstleister Costar Group nahezu 209 Millionen Quadratfuß (über 19,4 Millionen Quadratmeter) an Flächen auf, dies bedeutet den höchsten Wert jemals für einen solchen Zeitraum.
Assetqualität im Abwärtstrend
Die Schwierigkeiten, selbst bei den noch verbleibenden Mietern Zahlungen einzutreiben, bringt die Gebäudeeigner in Bedrängnis – und damit auch die Banken, die ihnen in rosigeren Marktphasen Kredite ausgestellt haben. Die Analysten von S&P Global warnen davor, dass die Assetqualität in den Bilanzen der US-Banken in einem Abwärtstrend liege, und verweisen auf den Gewerbeimmobilienmarkt als zentrale Problemquelle. Nun wollen J.P. Morgan und Konsorten wohl selbst dazu beitragen, das Segment wieder in eine positivere Richtung zu stoßen.
Amerikas führende Banken wollen ihre Mitarbeiter wieder an fünf Tagen pro Woche ins Büro holen. Damit versuchen sie die Produktivität zu steigern und wohl auch dem US-Gewerbeimmobilienmarkt, der seit Jahren unter einem strukturellen Überangebot und hohen Leerstandsraten leidet, einen Schub zu verpassen.