Finanzmarktkalender10. April

Neuanfang mit Nebengeräuschen bei Julius Bär

Die am 10. April auf der Generalversammlung der Bank Julius Bär anstehende Wahl des früheren HSBC-Chefs Noel Quinn zum neuen Verwaltungsratspräsidenten ist für die Stimmrechtsberaterin ISS eine Geldfrage, aber nicht nur.

Neuanfang mit Nebengeräuschen bei Julius Bär

dz Zürich

10. April

Julius Bärs Neuanfang mit Nebengeräuschen

An diesem Donnerstag wird sich zeigen, was den Aktionären von Julius Bär ein Neuanfang wirklich wert ist. Die Eigentümer der Schweizer Vermögensverwaltungsbank haben an ihrer Generalversammlung über die Wahl von Noel Quinn in den Verwaltungsrat abzustimmen. Der 63-jährige Brite war während 37 Jahren für HSBC tätig, von 2020 bis Herbst 2024 als CEO. Quinn ist also ein Schwergewicht und hat seinen Preis: Sein Gehalt für den Teilzeitjob bei Julius Bär wurde für die Periode 2025/26 auf 2,2 Mill. sfr festgelegt – mehr als doppelt so viel, wie der aktuelle Präsident Romeo Lacher erhält.

Über Managerlöhne lässt sich bekanntlich trefflich streiten. Die Stimmrechtsberaterin ISS hat die Diskussion bereits angefacht und forderte zunächst die Ablehnung dieser Gehaltsaufstockung, weil eine überzeugende Begründung fehle. Inzwischen hat ISS diese Ansicht kürzlich geändert. Gefallen finden könnten manche Aktionäre nämlich an der Vorstellung, dass der im Firmenkundengeschäft groß gewordene Quinn die drei 200-Mill.-sfr-Kredite an René Benko und dessen fallierte Signa-Gruppe vielleicht nicht gutgeheißen hätte. Lacher, ein gelernter Private Banker, und dessen Gremium hatten die Kredite dreimal abgenickt und so der Bank und ihren Aktionären einen erheblichen Schaden zugefügt.

Internationaler Erfahrungshorizont

Quinn hat auch die Risiken des Schweizer Private Bankings persönlich erlebt. 2015 war HSBC über ihren Genfer Ableger in einen handfesten Skandal über Steuerhinterziehung geraten, der die britische Öffentlichkeit nachhaltig aufwühlte und selbst den damaligen HSBC-Chef Stuart Gulliver zwang, die verschlungenen Pfade zu seinem Schweizer Konto zu erklären.

Asien gehört indes mit dem wichtigen Finanzplatz Hongkong zu den „strategischen Schlüsselmärkten“ von Julius Bär. Und Quinn weiß nur zu gut um die politischen Risiken, die das Geschäft in dieser Region birgt. Eine Aufspaltung des in Hongkong entstandenen und dort groß gewordenen HSBC-Konzerns entlang einer Ost-West-Grenze, wie sie von einem chinesischen Großaktionär seit Ausbruch der politischen Unruhen in Hongkong vor fünf Jahren gefordert wird, hat die Bank unter Quinn verhindert.

Inzwischen hat sich die Großbank HSBC entlang dieser Ost-West-Grenze aber eine neue Struktur gegeben. Dies interpretieren manche Beobachter als eine Art Sollbruchstelle für den Fall, dass die geopolitischen Spannungen zwischen Ost und West zu groß werden sollten. Julius Bär ist indes gut beraten, auch über solche Szenarien nachzudenken. Und Quinn könnte diesbezüglich seinem als wenig erfahrenen geltenden CEO Stefan Bollinger höchst nützlich werden.

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