Erstes Reallohnwachstum für Tarifbeschäftigte seit der Pandemie
Erstmals seit der Corona-Pandemie sind die Verdienste der Beschäftigten mit Tarifvertrag innerhalb eines Jahres stärker gestiegen als die Preise. Die tariflichen Monatsverdienste samt Sonderzahlungen erhöhten sich 2024 im Schnitt um 4,8% Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Ohne Sonderzahlungen ergab sich ein Plus von 4,3%. Im selben Zeitraum legten die Verbraucherpreise um 2,2% zu.
Der deutliche Anstieg ist hauptsächlich auf die Zahlungen von Inflationsausgleichsprämien zurückzuführen. Die Prämie von bis zu 3000 Euro war steuer- und abgabenfrei und konnte von den Arbeitgebern zwischen dem 26.10.2022 und dem 31.12.2024 gezahlt werden.
Als erstes Jahr mit einem realen Lohnwachstum seit 2019 markiert 2024 nur eine Trendwende, keine tatsächliche Steigerung des Reallohns in diesem Zeitraum. Die Kaufkraft von 100 Euro im Jahr 2019 entspricht heute der damaligen von 126,44 Euro. Wer 2019 100 Euro verdiente und seitdem tariflich beschäftigt war, verdient heute durch die Lohnerhöhungen mit Sonderzulagen rechnerisch aber nur 114,76 Euro. Ohne die Sonderzulagen ergeben sich 112,45 Euro. Berücksichtigt man auch außertariflich Beschäftigte, verdiente der Durchschnitt 2024 nur 109,91 Euro. Real ergibt sich somit immer noch ein Kaufkraftverlust gegenüber 2019 von 9,9%.
Tarifgewinne je Branche unterschiedlich
In den einzelnen Branchen nahmen die Tarifverdienste unterschiedlich stark zu. Die stärksten Zuwächse mit Sonderzahlungen gab es 2024 in den Bereichen „Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kfz“ (9%) und „Land- und Forstwirtschaft, Fischerei“ (5,4%). Dagegen fiel das Plus bei „Finanz- und Versicherungsdienstleistungen“ (2,7%) sowie in den Bereichen „Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden“ (2,9%) und „Information und Kommunikation“ (3,0%) am geringsten aus. Ebenfalls unterdurchschnittlich entwickelten sich die tariflichen Verdienste im Gastgewerbe (3,9%), wo es 2023 noch ein besonders großes Plus von 7,1% gegeben hatte.
Nachdem schon 2023 insbesondere die unteren Leistungsgruppen überproportional von der Inflationsausgleichsprämie profitiert hatten, war dies im vergangenen Jahr ähnlich. „Da diese Prämien in der Regel als Festbetrag – unabhängig von der Leistungsstufe – ausgezahlt wurden, profitierten geringer Verdienende prozentual stärker von dieser steuerfreien, tariflich vereinbarten Sonderzahlung“, so die Statistiker.