Survey of Professional Forecasters

Inflationserwartungen legen leicht zu

Die vierteljährliche EZB-Umfrage unter Ökonomen zeugt von höheren Inflationserwartungen. Zumindest, was die Kernrate betrifft. Bei der Gesamtrate steht aber die 2,0%, das Preisziel der Euro-Hüter.

Inflationserwartungen legen leicht zu

Inflationserwartungen
legen leicht zu

EZB-Umfrage: Höhere Prognosen für Kernrate

ba Frankfurt

Die Inflationserwartungen im Euroraum haben leicht zugenommen − zumindest hinsichtlich der Kernrate, die Energie und Nahrungsmittel unberücksichtigt lässt. In der vierteljährlichen EZB-Umfrage unter Ökonomen (Survey of Professional Forecasters, SPF) wurden die Prognosen für 2024 und 2025 um je 0,1 Prozentpunkt auf 2,7% bzw. 2,2% nach oben geschraubt.

„Darin spiegeln sich entsprechende Datenveröffentlichungen, ein unerwartet persistenter Preisauftrieb bei den Dienstleistungen und ein länger anhaltendes Wachstum der Arbeitskosten wider“, hieß es dazu bei der EZB. Für 2026 bleibt es ebenso wie bei den längerfristigen Erwartungen bei den 2,0%, die schon zum Halbjahr auf dem Zettel standen. Auch die Voraussagen für die Gesamtinflation in diesem und im kommenden Jahr blieben mit 2,4% bzw. 2,0% stabil. Für 2026 wurden sie geringfügig auf 1,9% nach unten revidiert. Insofern liegt die Europäische Zentralbank (EZB) wieder auf Kurs zu ihrem Preisziel von 2%.

EZB-Vize liefert Hinweise für nächste Zinslockerung

Das unerwartet starke Wirtschaftswachstum im ersten Quartal hat bei den Befragten zu einer höheren Erwartung geführt: 2024 sollen es 0,7% werden, das sind 0,2 Punkte mehr als in der vorherigen Umfragerunde. Für 2025 ging es um 0,1 Punkte auf 1,3% nach unten. Die 1,4% für 2026 sowie 1,3% auf die längere Frist stehen unverändert. Die Arbeitslosenquote soll in diesem Jahr auf 6,5% steigen, 2026 wieder auf 6,4% zurückgehen und auf längere Sicht auf diesem Niveau bleiben.

Zur Ratssitzung im September legen dann die EZB-Ökonomen ihre Projektionen vor − daher gilt dieser Termin auch als der wahrscheinlichste für die nächste Zinslockerung. EZB-Vizepräsident Luis de Guindos lieferte dazu am Dienstag einen Hinweis in einem Interview mit der spanischen Nachrichtenagentur „Europa Press“.

September günstiger für EZB-Entscheidungen als der Juli

De Guindos sprach zwar von einer derzeit „enormen Unsicherheit“, und dass die Notenbank bei ihren Entscheidungen „umsichtig“ vorgehen müsse, verwies aber zugleich auf die anstehenden Projektionen: „Datenmäßig ist der September ein viel günstigerer Monat für Entscheidungen als der Juli." Vor allem der Preisdruck, der von den Dienstleistern kommt, steht im Fokus der Euro-Hüter: "Die Inflation im Dienstleistungssektor liegt bei 4,1%, und dieser Teil der Inflation ist derzeit am schwierigsten zu senken“, betonte der EZB-Vize. Im Juni hatten die Geldpolitiker mit dem ersten Lockerungsschritt seit fast fünf Jahren die Zinswende eingeleitet. Am Markt werden für dieses Jahr zwei weitere erwartet. Vergangene Woche hatten sie dann die Füße still gehalten und erneut die Datenabhängigkeit der künftigen Entscheidungen betont.

BZ+
Jetzt weiterlesen mit BZ+
4 Wochen für nur 1 € testen
Zugang zu allen Premium-Artikeln
Flexible Laufzeit, monatlich kündbar.