Erster Philipp Sandner Award geht an Maxi Günnewig
Maxi Günnewig erhält
Philipp Sandner Award
Von Anna Sleegers. Frankfurt
Warum ziehen Kunden ihre Einlagen von Banken ab? Die fehlende Antwort auf diese Frage ist es, die immer wieder Dominoeffekt im Finanzsektor auslöst. Zuletzt im Frühling 2023, als der massive Abfluss von Kundengeldern bei der Silicon Valley Bank die Regionalbanken in den USA unter Generalverdacht stellte. Der darauffolge Bankrun löste nicht nur eine Pleitewelle aus, sondern brachte auch einen jungen Wissenschaftler an der Universität Bonn auf eine spannende Idee: Was, wenn man Kryptotechnologie nutzt, um das seit den 1920er Jahren gefürchtete Phänomen zu stoppen?
Auszeichnung für Nachwuchswissenschaftler
Für das auf dieser Überlegung basierende Forschungspapier ist der heute 33-jährige Maxi Günnewig auf der Crypto Assets Conference mit dem Philipp Sandner Award ausgezeichnet worden. Der zu Ehren des 2024 viel zu früh verstorbenen Krypto-Vordenkers Philipp Sandner ausgelobte Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wurde in diesem Jahr von der Frankfurt School of Finance & Management und der WM Gruppe, zu der auch die Börsen-Zeitung gehört, zum ersten Mal vergeben. Der Preis soll alljährlich an Nachwuchswissenschaftler verliehen werden, die sich mit Themen aus dem Forschungsgebiet Digital Finance beschäftigen.
29 Beiträge aus 13 Ländern
Günnewigs Beitrag „Smart Banks“ setzte sich geger 28 Arbeiten aus dem Forschungsbereich Digital Finance durch, die aus 13 Ländern eingereicht wurden. Lobend hervor hob die Jury auch die Beiträge von Rishabh Kumar und Tong Yu aus dem Bereich Open Banking. Günnewig, der, wie er sagte, „zum ersten Mal überhaupt etwas gewonnen hat“, bedauert, dass er nie die Gelegenheit hatte, den Namensgeber des Preises persönlich kennen zu lernen. Das von Sandner aufgebaute Frankfurt School Blockchain genießt internationale Strahlkraft.
Transparenz durch Smart Contracts
Der gebürtige Recklinghausener und seine Co-Autoren Alkis Georgiadis-Harris und Yuliyan Mitkov beschäftigen sich mit Einsatzmöglichkeiten sogenannter Smart Contracts. Das sind digitale Verträge, die bei einer Abwicklung von Transaktionen auf der Blockchain unveränderbar dokumentiert werden. „Es gibt verschiedene Gründe, um Einlagen abzuziehen“, sagt der promovierte Volkswirt der Börsen-Zeitung. Indem sie die Motive abfragen und per Smart Contract dokumentierten, könnten Banken für Transparenz sorgen. Zumindest die irrationale Komponente eines Bankruns könnte sich so womöglich verhindern lassen.
„Instabilität nicht inhärent“
Die Arbeit stelle langgehegte Annahmen zur Fragilität von Banken in Frage, unterstrich Joachim Lauterbach, Beiratsvorsitzender der WM-Gruppe und Co-Chair der hochkarätig besetzten Jury. Sie eröffne die Sicht darauf, dass Instabilität nicht inhärent sei, sondern ein Versagen veralteter Mechanismen darstelle. „Die Arbeit zeigt eindrucksvoll, wie theoretische Forschung neue Perspektiven in diesem dynamischen Bereich eröffnen kann“, ergänzte Nils Stieglitz, Präsident der Frankfurt School und Co-Vorsitzender der Award-Jury.