Schweizer Großbank verdient 1,8 Mrd. Dollar

Trotz Milliardengewinns: Es knirscht zwischen Bern und der UBS

UBS-Chef Sergio Ermotti hat mit seiner Bank in den ersten drei Monaten des Jahres 1,8 Mrd. Dollar verdient. Mit dem starken Ergebnis und dem Applaus seiner Aktionäre im Rücken zeigt sich der Manager selbstbewusst und hält mit seinem Frust über die Kapitalpläne der Regierung kaum hinter dem Berg.

Trotz Milliardengewinns: Es knirscht zwischen Bern und der UBS

Es knirscht zwischen Bern und der UBS

UBS glänzt mit Milliardengewinn im ersten Quartal – Aktionäre sind begeistert – CEO Sergio Ermotti lässt Enttäuschung über seine Regierung durchscheinen

UBS-Chef Sergio Ermotti hat mit seiner Bank in den ersten drei Monaten des Jahres 1,8 Mrd. Dollar verdient. Mit dem starken Ergebnis und dem Applaus seiner Aktionäre im Rücken zeigt sich der Manager selbstbewusst und hält mit seinem Frust über die Kapitalpläne der Regierung kaum hinter dem Berg zurück.

dz Zürich

„Wir halten, was wir versprechen“, sagte UBS-Chef Sergio Ermotti gleich mehrmals, als er am Dienstagmorgen via Webcast und Telefon Finanzanalysten und Journalisten den weit über den Erwartungen ausgefallenen Gewinn von 1,8 Mrd. Dollar im ersten Quartal erklärte. Der CEO dürfte sich mit seiner Ansprache primär und in dieser Reihenfolge an die Kunden, die Aktionäre und die Mitarbeitenden der UBS gerichtet haben. Diese drei Anspruchsgruppen glücklich zu wissen, sei, so Ermotti, jedenfalls die zwingende Voraussetzung auf dem Weg zum „ultimativen Ziel“, die Bank dauerhaft erfolgreich zu machen.

Der CEO leistete sich seinen betont selbstbewussten Auftritt offenkundig im Bewusstsein, in den ersten drei Monaten des Jahres ein gutes Stück vorangekommen zu sein. In Ermottis positiver Ansage schwang aber unüberhörbar auch eine provokative Botschaft an die Adresse von Finanzministerin Karin Keller-Sutter mit, welche die UBS-Führung mit ihren vor drei Wochen vorgelegten Vorstellungen zur Festigung der Kapitalstärke der Großbank verärgert hatte.

Verzicht auf Prüfung

Ein Finanzanalyst wollte wissen, ob die UBS im März 2023 anlässlich der Notübernahme der Credit Suisse nicht auch Bedingungen für eine Maximalvariante bei der Regulierung gestellt habe. Ermotti sagte, solche Diskussionen habe es schon gegeben, und er verwies auf die damalige Vereinbarung, in der man sich mit den Behörden auf den Verzicht einer wettbewerbsrechtlichen Prüfung geeinigt hatte, wie sie für Übernahmen dieser Dimension sonst selbstverständlich wäre. Dann sagte Ermotti: „Wir halten, was wir versprechen, aber ich höre jetzt besser auf zu reden.“

Kaum unabsichtlich erweckte der Manager den Eindruck, als ob auch die Behörden Versprechungen abgegeben hätten, die sie nun aber nicht einlösen wollten. Vielleicht wird dieses Geheimnis dereinst durch den Bericht der parlamentarischen Untersuchungskommission gelüftet werden, wenn es denn überhaupt ein solches Geheimnis gibt.

Klar ist im Moment nur eines: Es knistert zwischen Bern und der UBS. Während Finanzministerin Karin Keller-Sutter Analystenschätzungen als „plausibel“ bezeichnet, nach denen die UBS gezwungen sein könnte, unter den neuen Kapitalplänen der Schweizer Regierung zwischen 15 Mrd. und 25 Mrd. Dollar an zusätzlichen Eigenmitteln beizubringen, sagte Ermotti, seine Bank sei in dieser Planung nie konsultiert worden. Konkret werde sich die UBS wahrscheinlich erst im kommenden Frühjahr äußern können, wenn das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD) die neue Eigenkapitalverordnung zur Anhörung gebe, sagte der pikierte UBS-Chef.

Derweil betonte dieser, die UBS stocke unabhängig von einer neuen Eigenkapitalverordnung die Eigenmittel bereits um 19 Mrd. Dollar auf. 9 Mrd. Dollar würden benötigt, um die Kapitallücken zu stopfen, die der Schweizer Regulator der Credit Suisse einst zugestanden hatte, und weitere 10 Mrd. Dollar brauche man im Zug der mit der Übernahme gewachsenen Bilanz und Marktgröße der Bank.

Zeit bis 2030 für Kapitalaufbau

Was Ermotti nicht sagte, ist, dass die Finanzmarktaufsicht der UBS für diesen Kapitalaufbau bis 2030 Zeit einräumt und dass die Bank im März 2023 mit der Zwangsabschreibung der verlustabsorbierenden AT1-Anleihen der Credit Suisse im Wert von umgerechnet rund 17 Mrd. Dollar erhebliche Unterstützung in der Beibringung dieses zusätzlichen Kapitals erhalten hat. Trotz der vielen offenen Fragen um die künftige Kapitalausstattung der UBS quittierte die Börse das Quartalsergebnis mit einem spektakulären Kurssprung um mehr als 9% auf über 27 sfr.

Zum ersten Mal seit Juni 2023, als die UBS begann, die Zahlen der Credit Suisse in der eigenen Rechnung zu konsolidieren, kann die Bank einen Gewinn ausweisen. Ein bedeutender Teil davon ist zwar auf den unerwartet erfolgreichen und profitablen Abverkauf von CS-Altlasten zurückzuführen, deren risikogewichteter Gesamtbestand im Berichtsquartal um 16 Mrd. Dollar oder um etwa ein Drittel reduziert werden konnte. Doch zeigt die UBS auch in allen fortgeführten Geschäften markante Fortschritte. Zudem berichtet die Bank, sie habe von ihrem Ziel, bis Ende 2026 mit jährlich 13 Mrd. Dollar weniger Kosten zu operieren, Ende März 40% erreicht. 2.000 Stellen seien im Berichtsquartal abgebaut worden, 19.000 seit Anfang 2023. Auf eine Prognose zum weiteren Stellenabbau wollte sich die UBS nicht einlassen.

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