Insolvenzverfahren

Ohayons Kartenhaus fällt zusammen

Seit seine Eltern als Stoffhändler von Marokko nach Bordeaux kamen, hat sich Michel Ohayon ein kleines Einzelhandels- und Immobilienimperium aufgebaut. Doch nun muss er für mehrere Ketten Schutz- und Insolvenzverfahren beantragen.

Ohayons Kartenhaus fällt zusammen

Er gehört zu den reichsten Franzosen. Und doch ist Michel Ohayon in seiner Heimat nahezu unbekannt. Zumindest bisher. Denn in den vergangenen Wochen hat der in Casablanca geborene Geschäftsmann in Frankreich mit seinem Einzelhandels- und Immobilienimperium für zahlreiche Negativschlagzeilen ge­sorgt. Nachdem seine Modekette Camaïeu mit ihren 500 Boutiquen bereits Ende 2022 abgewickelt und für den Sporteinzelhändler Gosport ein Insolvenzverfahren eingeleitet wurde, musste der 61-Jährige nun ein Schutzverfahren für die von ihm betriebenen 26 Galeries-Lafayette-Kaufhäuser und seine Investmentgesellschaft Financière Immobilière Bordelaise (FIB) beantragen.

Für Ohayons Holdings, die die Luxushotels Grand Hôtel de Bordeaux, Trianon Palace − Waldorf Astoria Versailles und das Sheraton am Pariser Flughafen Roissy-Charles-de-Gaulle betreiben, laufen ebenfalls Schutzverfahren. Ihr Hauptgläubiger, die Bank of China, hatte vor dem Handelsgericht Bordeaux geklagt, da Ohayon Kredite über 200 Mill. Euro nicht zurückgezahlt hat.

Das Imperium Ohayons scheine gerade wie ein Kartenhaus zusammenzufallen, urteilen französische Medien. Ihm werde nachgesagt, dass er der Spezialist für Übernahmen zum symbolischen Preis von 1 Euro sei, erklärte Ohayon jetzt gegenüber der Regionalzeitung „Sud Ouest“. Dabei habe seine Holding Hermione, People Brands 200 Mill. Euro in die Einzelhandelsaktivitäten ge­steckt.

Ohayon will dem Handelsgericht in Kürze einen Restrukturierungsplan für FIB vorlegen. In der südwestfranzösischen Stadt hatten sich seine Eltern als Stoffhändler niedergelassen, als er zwei Jahre alt war. Im Alter von 22 Jahren eröffnete er dort selbst in einem Einkaufszentrum in der Innenstadt eine Franchise-Boutique der Marke Daniel Hechter. Sie lief so gut, dass Ohayon mit den Einnahmen weitere Geschäfte kaufen konnte. Später investierte er in heruntergekommene Gebäude im sogenannten goldenen Dreieck von Bordeaux, die er dann gewinnbringend an internationale Ketten wie Zara, H&M und andere vermietete.

Ab 2018 ging er im unter Druck geratenen Einzelhandelssektor auf Einkaufstour und erwarb unter anderem 26 in Provinzstädten wie La Rochelle und Bayonne gelegene Kaufhäuser von Galeries Lafayette. Ohayons Appetit sei zu groß gewesen, urteilen Beobachter. Angesichts der Probleme seines Imperiums muss sich nun die Galeries-Lafayette-Gruppe um Schadensbegrenzung bemühen und verunsicherte Kunden beruhigen: Das berühmte gleichnamige Kaufhaus in Paris sei nicht betroffen, genauso wenig wie das Internetportal galerieslafayette.com. Die Gruppe, die der Familie Moulin gehört, ist jedoch gerade dabei, das BHV an die Immobiliengesellschaft des jungen Geschäftsmannes Frédéric Merlin zu verkaufen. Das gegenüber dem Pariser Hôtel de Ville gelegene Kaufhaus ist für seine Heimwerkerabteilung im Keller bekannt.

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