Boehringer fährt Investitionen hoch
Boehringer fährt Investitionen hoch
Pharmakonzern plant Welle an Arzneimittelzulassungen − Erweiterte Forschung in den USA
swa Frankfurt
Der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim forciert die Anstrengungen zum Ausbau des Produktportfolios. Der deutsche Marktführer hat die Investitionen in neue Medikamente 2024 deutlich ausgebaut und rechnet auch zukünftig mit höheren Aufwendungen für Forschung und Entwicklung. Die Forschungspipeline im Bereich Humanmedizin umfasse mehr als zehn neue Studien in Phase II und Phase III in den nächsten 12 bis 18 Monaten, teilte das Familienunternehmen mit Bekanntgabe der Jahreszahlen 2024 mit.
Dabei sind zwei Therapien im Zulassungsverfahren und sollen im laufenden Turnus in den Markt eingeführt werden. Es geht um ein Medikament gegen Lungenkrebs und ein Mittel gegen Lungenfibrose, eine chronische Erkrankung der Lunge. Bis 2030 will Boehringer in der Humanmedizin bis zu 20 neue Behandlungen auf den Markt bringen. In der Tiergesundheit sind bis 2026 rund 20 neue Markteinführungen geplant.
Partnerschaften gesucht
„Da unsere aktuelle Pipeline weiter reift und mehr Produkte sich einer möglichen Markteinführung nähern, sind wir in eine entscheidende Phase hoher Investitionen eingetreten“, unterstreicht CEO Hubertus von Baumbach. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen die F&E-Aufwendungen um 8% auf 6,2 Mrd. Euro gesteigert. In der Humanmedizin kletterten die F&E-Aufwendungen um 9,6% auf 5,7 Mrd. Euro oder 27,6% des Umsatzes in dem Segment. Damit liege Boehringer über dem Branchendurchschnitt. Auch künftig werde das Unternehmen zum Ausbau des Portfolios „starke Partnerschaften“ suchen, sagte von Baumbach.
Der Konzernumsatz legte 2024 währungsbereinigt um 6,1% auf 26,8 Mrd. Euro zu. Schwerpunkt der Aktivitäten mit einem Anteil von fast 82% ist das Humanpharmageschäft mit einem Wachstum um 7% auf 21,9 Mrd. Euro. Treiber waren die etablierten Produkte, darunter das umsatzstärkste Medikament Jardiance mit einem Umsatzplus um 14,6% auf 8,4 Mrd. Euro. Das gegen Diabetes und Herzinsuffizienz eingesetzte Mittel ist zuletzt auch zur Behandlung von chronischen Nierenerkrankungen zugelassen worden. In der neuen Indikation rechnet sich Boehringer hohes Wachstum aus.
Umsatzanstieg prognostiziert
Deutlich gewachsen ist auch das zweitgrößte Produkt OFEV, das gegen Lungenerkrankungen eingesetzt wird. Hier legte der Umsatz 2024 um 8,9% auf 3,8 Mrd. Euro zu. Auch das wachsende Lizenzgeschäft habe maßgeblich zur positiven Entwicklung beigetragen. Hier hebt Boehringer das vom Partner Abbvie global vermarktete Schuppenflechte-Medikament Skyrizi hervor. Es wurde 2023 auch zur Behandlung der chronischen Darmerkrankung Morbus Crohn zugelassen.
In der Prognose für 2025 rechnet das Unternehmen mit einem Umsatzanstieg, bereinigt um Währungs- und Sondereffekte. Für Unsicherheit sorgten geopolitische Risiken sowie die Auswirkungen der Haushaltsplanungen in den Ländern auf innovative Medikamente. Boehringer gehe 2025 von einem hohen einstelligen Marktwachstum für verschreibungspflichtige Pharmazeutika aus, beobachte aber auch die zunehmenden weltweiten institutionellen Bemühungen zur Senkung von Arzneimittelpreisen.
Mit Blick auf mögliche Zölle der US-Regierung auf Pharmaprodukte sagte von Baumbach, Boehringer habe die Lieferkette in der Region regionalisiert und verfüge dort über umfangreiche Produktions- und Forschungskapazitäten. Der US-Markt werde mit einem weltweiten Anteil von 45% der relevanteste Markt bleiben. Es habe mit Blick auf die Patientenversorgung gute Gründe gegeben, Pharmaprodukte über Jahrzehnte von Zöllen auszuschließen.
Boehringer hat erst im Oktober 2024 in den USA in Georgia eine erweiterte Forschungseinrichtung eröffnet. Es ist der größte F&E-Standort des Konzerns in den USA und der drittgrößte weltweit.