Luftverkehrsindustrie

„Südeuropa hat sich schneller erholt“

Der Airline-Verband IATA rechnet mit steigender Nachfrage in Europa. Aber Lieferengpässen könnten die Profitabilität belasten, sagt Vice President Europe Schvartzman.

„Südeuropa hat sich schneller erholt“

„Südeuropa hat sich schneller erholt“

Airline-Industrie rechnet mit steigender Nachfrage in Europa – Lieferengpässe könnten Profitabilität belasten

Für Fluggesellschaften hat sich die Wettbewerbslandschaft in Europa verschoben. In einigen Ländern wie Deutschland kämpfen sie mit zusätzlichen Kosten durch höhere Steuern und Flughafengebühren. Zusätzlich dazu könnten die Lieferengpässe von Flugzeugbauern und Lieferanten die Profitabilität belasten.

wü Paris

Verzögerte Flugzeugauslieferungen und Engpässe bei Ersatzteilen könnten die Profitabilität von Fluggesellschaften belasten, warnt der Airline-Branchenverband IATA (International Air Transport Association). Die Lieferprobleme der Flugzeugbauer und der Zulieferer führten dazu, dass sich das Durchschnittsalter der Flotten erhöhe, sagte Regional Vice President Europe Rafael Schvartzman im Gespräch mit der Börsen-Zeitung. „Eine ältere Flotte bedeutet höhere Wartungs- und Treibstoffkosten.“ Gleichzeitig hätten die Lieferprobleme dazu geführt, dass sich die Leasing-Raten für Flugzeuge bereits um 20% bis 30% oder mehr im Vergleich zum Vorkrisenzeitraum erhöht hätten. All das könne sich auf die Profitabilität der Fluggesellschaften auswirken.

Die nun von der US-Regierung angekündigten Strafzölle und die geplanten Gegenmaßnahmen der EU könnten die Lieferengpässe noch verstärken, meinen Branchenkenner. Noch sei nicht klar, welche Auswirkungen Strafzölle für die Airline-Industrie haben würden, meint Schvartzman. Bisher haben große europäische Gruppen wie Air France-KLM, IAG und Lufthansa keinen Rückgang der Buchungszahlen für das wichtige Transatlantikgeschäft beobachtet.

Entwicklung Nordamerika im Blick

Dagegen haben Virgin Atlantic und Delta Air Lines einen Rückgang der Reisen aus den USA nach Großbritannien festgestellt. Accor-Chef Sébastien Bazin berichtete in einem Interview mit der Nachrichtenagentur „Bloomberg“ von einem starken Rückgang der Hotel-Buchungen europäischer Gäste für die USA. Auch Reiseagentur-Verbände in Frankreich sprechen von deutlich rückläufigen Tendenzen. „Wir müssen die Entwicklung in Nordamerika im Auge bewahren, wo sowohl der Binnen- als auch der internationale Verkehr zurückgegangen sind“, kommentierte IATA-Chef Willie Walsh die jüngsten Zahlen des Verbandes für den Passagierverkehr im Februar.

Während die in verkauften Sitzplatzkilometern gemessene Nachfrage im Februar im Vergleich zum Vorjahresmonat 2,6% und in Europa sogar 4,3% zulegte, verringerte sie sich in Nordamerika um 3,2%. Im Frachtgeschäft gab die weltweite Nachfrage erstmals seit Mitte 2023 nach, wenn auch nur minimal um 0,1%. Die US-Strafzölle könnten jetzt aber zu starken Beeinträchtigungen des Internethandels führen, meinen Beobachter. Er gilt als einer der Treiber des Luftfrachtgeschäfts.

Nachdem die Passagierzahlen weltweit bereits letztes Jahr den Rekordwert des Vor-Covid-Jahres 2019 überstiegen haben, dürfte die Nachfrage im Passagiergeschäft 2025 ingesamt weiter zulegen, wenn auch weniger stark als 2024, meint die IATA. „Wir rechnen mit einem Anstieg der Nachfrage um 7% und einer leichten Verbesserung der Profitabilität in Europa“, erklärt Schvartzman.

Wettbewerb verschiebt sich

Seit der Corona-Krise hätten sich jedoch nicht alle Regionen gleich stark entwickelt. „Südeuropa hat sich schneller erholt als Nordeuropa.“ Einige Länder wie Deutschland, Frankreich und die Niederlande hätten mit zusätzlichen Kosten zu kämpfen — etwa durch eine höhere Besteuerung von Flugreisen, höhere Flughafengebühren oder höhere Überfluggebühren.

Dazu kommen andere Unterschiede. So steigt die Zahl der Verbindungen in Südeuropa ebenfalls stärker als im Norden. „In Deutschland hat sich die Anbindung an Regionen außerhalb von Europa seit 2014 nur um 0,2% erhöht, innerhalb Europas um 11%“, berichtet IATA-Manager Schvartzman. Dagegen ist die Anbindung Spaniens innerhalb von Europa im selben Zeitraum um 45% gestiegen, genau wie die der Türkei. Die Anbindung Spaniens an Regionen außerhalb Europas hat sogar 77% zugelegt, die der Türkei sogar 135%. „Die Wettbewerbslandschaft hat sich verschoben.“

Überflug Russlands

Dazu hat auch der Ukraine-Krieg beigetragen, seit dessen Beginn europäische Fluggesellschaften Russland nicht mehr an- und auf dem Weg nach Asien überfliegen, im Gegensatz zu Golf-Carriern und chinesischen Airlines. Europa steht seit Kriegsbeginn 20% weniger Luftraum zur Verfügung. „Europäische Airlines sind erpicht darauf, wieder effizienter in die Asien-Pazifik-Region fliegen zu können“, sagt Schvartzman.

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