ZF mahnt Ladeinfrastruktur an
jh München
Der beschleunigte Wandel zur Elektromobilität verschärft aus Sicht des Zulieferers ZF Friedrichshafen die Herausforderungen für die Fahrzeugbranche. Dazu trügen in Europa neue ambitionierte Grenzwerte für Kohlendioxidemissionen bei. „Das steigert zwar die Nachfrage nach rein elektrischen Antrieben“, sagte der Vorstandsvorsitzende Wolf-Henning Scheider in der Halbjahrespressekonferenz. „Doch es wird sehr schwer sein, die Balance zwischen Klimaschutz, Beschäftigung und den Mobilitätswünschen der Menschen herzustellen.“ Notwendig sei dafür zudem ein klarer Plan zum Aufbau der Infrastruktur – von der Stromerzeugung über die Stromnetze bis zu den Ladestationen.
Zu schaffen machen dem Stiftungskonzern auch Knappheit und hohe Preise von Metallen und Kunststoffen. Scheider erwartet, dass die Lieferung von Halbleitern im nächsten Jahr störungsanfällig bleibt. „Die starke Nachfrage nach unseren Produkten erfordert eine große Flexibilität“, sagte er und nannte das Beschaffungswesen als Beispiel. „Wir sind in ständigem Dialog mit unseren Lieferanten und Kunden.“ Bisher sei es überwiegend gelungen, die Lieferketten aufrechtzuerhalten.
In der ersten Hälfte dieses Jahres steigerte ZF den Umsatz im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum um 43% (siehe Tabelle). Bereinigt um Währungseffekte und den Zukauf von Wabco, des US-amerikanischen Herstellers von Bremsen für Nutzfahrzeuge, bleibt ein Zuwachs um 38%. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) verbesserte ZF auf 1 (i.V. –0,18) Mrd. Euro. Das ergibt eine bereinigte Ebit-Marge von 5,2 (–1,3)%. Fürs gesamte Jahr rechnet Scheider weiterhin mit 4,5 bis 5,5%. Er begründete die vorsichtige Prognose mit den Materialengpässen und hohen Preisen. Optimistischer äußerte er sich über den Umsatz: Der dürfte am oberen Rand der Spanne von 37 Mrd. bis 39 Mrd. Euro landen.
Integration abgeschlossen
Scheider kündigte an, die Nutzfahrzeugtechnik von ZF und Wabco würde zum Beginn des nächsten Jahres in der neuen Division Commercial Vehicles Solutions gebündelt. „Damit wird die Integration nach nur eineinhalb Jahren abgeschlossen sein.“ Es entstehe der größte internationale Zulieferer für die Nutzfahrzeugindustrie. Das Ziel sei, gemeinsam schneller als der Markt zu wachsen. Das Nutzfahrzeuggeschäft unter der Leitung von Vorstand Wilhelm Rehm macht rund ein Viertel des ZF-Konzerns aus.
ZF Friedrichshafen | ||
Konzernzahlen nach IFRS1 | ||
1. Halbjahr | ||
in Mill. Euro | 2021 | 2020 |
Umsatz | 19342 | 13509 |
F+E-Kosten | 1285 | 1063 |
Ebit | 795 | –640 |
in % vom Umsatz | 4,1 | –4,7 |
Ergebnis vor Steuern | 677 | –961 |
Ergebnis nach Steuern 2 | 443 | –942 |
Operativer Cash-flow | 208 | –396 |
Nettoverschuldung | 10931 | 12216 |
Flüssige Mittel | 1 843 | 1 593 |
1) ungeprüft; 2) auf ZF-Aktionäre entfallend Börsen-Zeitung |