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Bäte trimmt die Allianz auf Wachstum

Oliver Bäte geht in die letzte Amtsperiode als Vorstandsvorsitzender der Allianz. Er wird sein Programm im Dezember vorstellen. Wachstum spielt dann eine große Rolle. Es sollen zusätzliche Kunden gewonnen werden.

Bäte trimmt die Allianz auf Wachstum

Bäte trimmt die Allianz auf Wachstum

Der Vorstandsvorsitzende bereitet das nächste 3-Jahresprogramm vor – Kundenzufriedenheit in Vertriebserfolge ummünzen – Präsentation im Dezember

mic München

Wie will Oliver Bäte die Allianz auf seiner Schlussetappe prägen? Die Antwort wird der Vorstandsvorsitzende des Versicherers am 10. Dezember geben. Denn auf dem Kapitalmarkttag wird Bäte, der bis zur Hauptversammlung 2028 im Amt sein wird, seinen letzten 3-Jahresplan vorstellen. Ein Thema ist bereits erkennbar: Wachstum.

Bäte hat aus seiner Sicht seit dem Amtsanritt 2015 die Allianz auf Effizienz getrimmt. Ob IT-Systeme oder Produkte vereinfacht wurden oder er ob einen Direktversicherer durchsetzte: Immer ging es darum, kostengünstiger und besser zu produzieren. Ein Ziel darüber hinaus: Die Kundenzufriedenheit zu erhöhen.

Inflation treibt die Zahlen

Dies ist gelungen. Der Net Promoter Score ist seit dem Jahr 2016, mit einem leichten Rücksetzter im Corona-Jahr 2021, ständig gestiegen. In der Kategorie Loyality Leader erzielt die Allianz mittlerweile Werte von fast 60%, im Jahr 2016 lagen sie noch unter 20%. Dies soll sich nun auszahlen. Bäte kündigte den Aktionären denn auch auf der Hauptversammlung an: „Wir wollen stärker wachsen.“

Auf den ersten Blick allerdings sehen schon die bisherigen Wachstumsraten respektabel aus. Im vergangenen Jahr legte das gesamte Geschäftsvolumen, bereinigt um Wechselkurs- und Konsolidierungseffekte, um 8% zu. Allerdings ist diese hohe Zahl nicht immer ein Resultat von Vertriebserfolgen. Vielmehr spielt die Inflation eine Rolle. Beispielsweise stammen knapp 7 Prozentpunkte jener mehr als 11%, die die Schaden- und Unfallversicherung zulegte, aus Preisanhebungen.

Nachholbedarf im Retailgeschäft

Wo besteht Nachholbedarf? Die Wachstumsraten in der Schaden- und Unfallversicherung sind unterschiedlich. Im vergangenen Jahr hat das Firmenkundengeschäft den Umsatz in absoluten Zahlen um 13% auf 30,3 Mrd. Euro gesteigert. Dies ist ein eindrucksvoller Wert. Neben großen und mittelgroßen Unternehmen sind in der Sparte auch der Kreditversicherer Allianz Trade und die Rückversicherung für Kreditkunden gebündelt.

Dagegen geht es im Breitengeschäft, das neben den Privatkunden auch kleine Firmen wie etwa Freiberufler und das Auto-Flottengeschäft umfasst, langsamer voran. Dort betrug das Umsatzplus nur 7,8% auf 45,9 Mrd. Euro. Wie stark dabei Preiserhöhungen wirken, zeigt ein Blick in das erste Quartal. Während das Retailgeschäft bereinigt um Wechselkurs- und Konsolidierungseffekte um 9% zulegte, stiegen die Preise für die Privatkunden (hier ohne Freiberufler und Flotten) sogar stärker, und zwar um 10,9%.

Damit nicht genug. Allianz Commercial ist zudem viel profitabler als das Retailsegment. Firmenkunden&Co. lieferten beispielsweise schon vor knapp zwei Jahren, nämlich in den ersten neun Monaten 2022, fast die Hälfte des operativen Gewinns im Sachversicherungs-Segment, obwohl sie nur 35% des Segmentumsatzes erlösten.

Diese hohe Profitabilität spiegelt sich auch in der Schaden- und Kostenquote wider – je geringer der Prozentsatz ist, den ein Versicherer für Schadenzahlungen und Verwaltungskosten ausgeben muss, desto besser für die Eigentümer. Im vergangenen Jahr betrug diese Combined Ratio für Allianz Commercial 90,5%, dagegen im Retail-Segment 95,8%. Jeder Prozentpunkt, den sich das Retail-Segment verbessert, würde den operativen Gewinn um fast eine halbe Milliarde Euro steigern.

Allerdings ist fraglich, inwieweit die Allianz diesen gravierenden Unterschied als strukturell akzeptieren muss. Denn die Schadenquoten beider Segmente unterscheiden sich mit 69,3% und 69,0% kaum. Der Knackpunkt ist die Kostenquote. Während im Großkundengeschäft des Commercial-Segments nur 21,5% fällig sind, fallen im Breitengeschäft mit der ausgefeilten Vertriebsstruktur und individueller Ansprache 26,4% an.

Der Internet-Ableger Allianz Direct kommt dagegen mit 14,2% aus. Aber der Netto-Versicherungsumsatz der Ende 2018 neu an den Start gegangenen Einheit stagnierte im Jahr 2023 nicht nur, sondern ist mit 1 Mrd. Euro noch unterdimensioniert. 

Kontakt zum Kunden

Für Bäte ist die Schnittstelle zum Kunden entscheidend für das Wachstum. Dass der Allianz-Sachversicherer in Frankreich erfolgreich Kundenkontakte über Suchmaschinen in Abschlüsse verwandelt, ließ er sich in seine Rede für die Hauptversammlung schreiben.

„Wir wissen, wann Kunden ein Produkt kaufen wollen“, erklärte er. So werde beworben, was aus Käufersicht relevant sei: „Diese Kundenkontakte teilt eine künstliche Intelligenz dann mit dem Vermittler, der den Kunden am besten für die Allianz gewinnen kann.“ Das Ergebnis stuft der Allianz-Chef als beachtlich ein: „Wir haben die Zahl der digitalen Kundenkontakte um 40% gesteigert. Und die Kosten dafür fast halbiert.“ Heute führe jeder dritte Online-Kontakt zu einem neuen Kunden für die Allianz.

Oliver Bäte geht in die dritte Amtsperiode als Vorstandsvorsitzender der Allianz. Er wird sein letztes 3-Jahres-Programm im Dezember während eines Kapitalmarkttages vorstellen. Wachstum spielt dann eine große Rolle für den Versicherer. Die höhere Zufriedenheit der Kunden soll sich nun auszahlen.

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