Profitables Geschäftsmodell

Börsengang von Circle rückt näher

Circle geht einen weiteren Schritt für ihren Börsengang. Den SEC-Dokumenten des Stablecoin-Emittenten sind einige Kennzahlen zu entnehmen.

Börsengang von Circle rückt näher

Circle zeigt Kennzahlen
vor Börsengang

Stablecoin-Emittent ist profitabel – Einiges an Sonderaufwand

bg Frankfurt
bg Frankfurt

Der Börsengang von Circle rückt näher. Wie am späten Dienstagabend bekannt wurde, hat der Stablecoin-Spezialist die dafür erforderlichen S1-Dokumente bei der SEC eingereicht. Damit dürfte die Vermarktung für diese Emission noch im April starten. Das Bankenkonsortium wird von Citi und J.P. Morgan angeführt. Die Struktur des Börsenganges mit Angaben dazu, wie viele Aktien zu welchem Preis ins Angebot kommen sollen, wird noch festgelegt.

Stablecoin-Gesetz in Arbeit

Im Markt wird damit gerechnet, dass auf eine Bewertung von 4 bis 5 Mrd. Dollar gezielt wird. Beim gescheiterten Spac-Listing 2022 hatte Circle eine Bewertung von maximal 9 Mrd. Euro angestrebt – aber das war inmitten eines beispiellosen Hypes. Heute ist die Lage so, dass mit der Trump-Regierung zwar eine generelle Unterstützung für die Kryptobranche besteht, die Euphorie dafür sich aber nicht in dauerhaft erhöhten Kursen widerspiegelt. Auf politischer Ebene wird noch heute in Washington weiter beraten, welche Route die USA bei der Stablecoin-Gesetzgebung einschlagen wollen. Es hat sich ein Konsens dazu herauskristallisiert, dass Stablecoin-Einlagen keine Verzinsung für Kunden erhalten sollen, da dies das bestehende System des „fractional reserve banking“ konterkarieren würde.

Gut profitabel

Mit den SEC-Dokumenten erhalten Anleger einen ersten Einblick in die Kennzahlen von Circle: Bei Erlösen von 1,1 Mrd. Dollar (+16%) wurde ein operatives Ergebnis (Ebitda) von 285 Mill. Dollar (−29%) erzielt. Unterm Strich wurden 155 Mill. Dollar (−42%) verdient. Die freie Liquidität per Ende Dezember beträgt gut 1 Mrd. Dollar, davon 751 Mill. Dollar in Cash. Die Profitabilität war schwankend über die Jahre: 2022 wurde ein Fehlbetrag von 769 Mill. Dollar verbucht, während 2023 mit einem Nettogewinn von 268 Mill. Dollar abgeschlossen wurde.

E-Money-Institut in Europa

CEO Jeremy Allaire zufolge hat Circle seit Beginn 2018 mit ihrem Stablecoin USDC Transaktionen im Volumen von mehr als 25 Bill. Dollar onchain abgewickelt. Circle ist auch in Europa tätig über eine Lizenz als E-Money-Institut, der Euro-Stablecoin EURC hat ein Volumen von 140 Mill. Dollar. USDC hat rund 55 Mrd. Dollar und ist damit die Nummer 2 hinter USDT von Tether, die vor allem in Schwellenländern tätig ist. Circle ist sehr kapitalmarktorientiert und auf Compliance bedacht. Die Europa-Zentrale befindet sich in Paris.

Absatzförderung kommt teuer

Eine enge Beziehung besteht schon lange mit Coinbase. Die beiden waren bis 2023 im sogenannten Centre Consortium verbunden. Circle kaufte ihren Joint-Venture-Partner dann aus – und wie den SEC-Dokumenten zu entnehmen ist, erhielt Coinbase für ihre 50% dann Circle-Aktien (8,4 Millionen Stücke) im Wert von 210 Mill. Dollar. Circle setzt auch Mittel ein, um die Verwendung von USDC zu fördern. Dem SEC-Dokument zufolge zahlte Circle 2024 einmalig 60 Mill. Dollar an Binance, damit diese immer mindestens USDC im Wert von 1,5 Mrd. Dollar auf ihrer Plattform hält.

Auch mit Coinbase besteht eine solche Distributoren-Vereinbarung, die sehr einträglich für den Kryptohändler ist: 2024 wurden 900 Mill. Dollar von Circle an Coinbase ausgekehrt.

Zinsen auf Anlagen in Staatsanleihen tragen den Umsatz

Das Geschäftsmodell sieht so aus, dass Circle Einzahlungen in Form von Dollar oder anderen Sicherheiten erhält und dafür USDC ausgibt. Diese eingenommenen Gelder, die als Reserve zur Absicherung dienen, legt Circle dann primär in US-Staatsanleihen an, was entsprechend Zinsen abwirft. Insofern ist dieses Geschäftsmodell zinssensitiv, da es von Schwankungen der Zinspolitik der Notenbanken abhängt. Für Regulatoren ist elementar, dass die Reserven in sicheren Wertpapieren gehalten werden und eine schnelle Verwertung von diesen Reserven möglich ist, um im Falle eines bank run handlungsfähig zu sein.

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