Neubewertung europäischer Bankaktien
Handelskrieg lässt Bankaktien einbrechen
Sorge um die Weltwirtschaft beendet Höhenflug der europäischen Finanzbranche
Sieht man die Börsenbewertung als Gradmesser an für die Wahrscheinlichkeit, dass die Commerzbank eigenständig bleibt, hätte man am Freitag aufhorchen können. Nach einem Abschlag von zeitweise mehr als 5% bewegt sich der Aktienkurs bei um die 20 Euro. Auf dem Niveau könnte sich die Übernahme für Unicredit rechnen, wie die Analysten von Keefe, Bruyette & Woods errechnet haben.
Hausse der Bankaktien ist vorbei
Doch Vorsicht! Denn diese Einschätzung datiert auf eine Zeit zurück, als der US-Präsident nur am Zündeln war. Nachdem Donald Trump am Liberation Day mit Strafzöllen das Weltwirtschaftssystem in Brand gesetzt hat, ist die Hausse der europäischen Bankaktien vorbei. Deutsche Bank, Intesa Sanpaolo, Santander – keiner der Börsenlieblinge der vergangenen Monate blieb verschont. Der Branchenindex Eurostoxx Banks brach am 4. April um knapp 10% ein. Kaum besser erging es übrigens den US-Wettbewerbern: Auch J.P. Morgan, Goldman Sachs, Morgan Stanley und Bank of America gaben deutlich nach.
Rezessionsangst und Gewinnmitnahmen
Steckte die Angst vor einer Rezession dahinter, die mit steigenden Kreditausfällen und Zinssenkungen Gift sind für die Bankbilanzen? Oder nur der verzweifelte Versuch der Anleger, durch den Verkauf wenigstens ein paar Gewinne zu realisieren? Seriöse Antworten darauf lassen sich in den Zeiten elektronischer Handelssysteme noch schwieriger finden als früher.
Unicredit hart getroffen
Besonders hart traf es jedenfalls Unicredit. Mit gut 43 Euro notiert die Aktie wieder auf dem Niveau von Mitte Januar. Will CEO Andrea Orcel seine Einkaufstour durchziehen, wird er nochmal neu rechnen müssen.