Crypto Assets Conference

Neue Technologien für ein widerstandsfähigeres Finanzsystem

Auf der Crypto Assets Conference diskutierte die Jury um EZB-Direktor Piero Cipollone mit Philipp-Sandner-Preisträger Maxi Günnewig über Chancen und Risiken der Blockchain.

Neue Technologien für ein widerstandsfähigeres Finanzsystem

Neue Technologien für ein widerstandsfähigeres Finanzsystem

Jurymitglieder des Philipp Sandner Awards in Digital Finance Research diskutieren mit Preisträger Günnewig über Chancen und Risiken der Blockchain

lee Frankfurt

Die Disruption des Finanzsystems durch Kryptotechnologie ist in vollem Gange. In diesem Punkt waren sich die hochrangigen Experten einig, die am Mittwochabend auf der Crypto Assets Conference an der Frankfurt School of Finance & Management über Chancen und Risiken der neuen Technologie diskutierten.

„Vorteile überwiegen“

Welche Hoffnungen sie mit der Blockchain-Technologie verknüpfen, hing nachvollziehbarerweise vom Blickwinkel ihrer Funktion ab. Für die Frankfurter Oberstaatsanwältin Jana Ringwald etwa, die sich als Bitcoin-Jägerin im Darknet bundesweit einen Namen gemacht hat, stehen naturgemäß die Risiken im Vordergrund, die sich etwa aus Lücken in der Regulierung ergeben und von Kriminellen genutzt werden. „Der große Vorteil der Blockchain-Technologie ist, dass der Mensch keinen Einfluss nehmen kann“, erkannte sie jedoch an. Aus ihrer Sicht überwiegen die Vorteile für die Finanzstabilität, auch wenn man die Risiken im Blick behalten müsse.

Vertrauensfördernde Blockchain

Der für sein Forschungspapier „Smart Banks“ ausgezeichnete Volkswirt Maxi Günnewig hielt dem entgegen, dass Smart Contracts das Informationsmanagement optimieren und somit das Vertrauen in das Finanzsystem verbessern können. Der Postdoktorand der Universität Bonn ist in seiner Arbeit der Frage nachgegangen, inwieweit sich durch diese Technologie das Risiko von Bankruns reduzieren lässt. Für Co-Pierre Georg, Professor of Practice in Digital Finance and Technology an der Frankfurt School, ist es faszinierend, dass sich nach vielen Jahrzehnten die Frage stelle, welchen Beitrag die Blockchain leisten kann, um die Einlagensicherung zu reformieren. An Staatsanwältin Ringwald gerichtet sagte er, dass die Wissenschaft einen Beitrag leisten wolle, um zu verhindern, dass die neuen Anwendungen auf ihrem Schreibtisch landen.

Für Piero Cippolone, Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) kommt es vor allem auf die Frage an, wofür man die neue Technologie nutzt. „Wir setzen uns intensiv mit der Frage auseinander, was passiert, wenn man zum Beispiel Staatsanleihen über die DLT transportiert“, sagte er. Viele Banken hofften darauf, dadurch effizienter zu werden. Zugleich eröffne die Technologie vielen Unternehmen einen leichteren Zugang zu den Kapitalmärkten. Und auch die Marktteilnehmer würden profitieren: „Es wird möglich sein, rund um die Uhr zu handeln.“ Auch die EZB selbst habe sich intensiv mit der Blockchain-Technologie beschäftigt und begonnen, mit digitalem Zentralbankgeld zu experimentieren. Diese Tests seien sehr erfolgreich gewesen, die Banken bauten nun die erforderliche Infrastruktur auf.

Erfolgreiche Experimente

Auf die Frage aus dem Publikum, wann der digitale Euro zugelassen werde, sagte Cippolone, dass der Druck auf die EZB zuletzt sehr zugenommen haben. Auf einen konkreten Zeitpunkt festlegen lassen wollte er sich zwar nicht. „Es ist aber keine Frage von Jahren, sondern von Monaten“, sagte er.

Abschließend unterstrich Georg, der das Blockchain Center der Frankfurt School leitet, dass die Universitäten die theoretische Grundlage liefern müssten, um die Vernetzung mit den Banken und dem Regulator sicherstellen zu können. „Wenn uns das gelingt, mache ich mir keine Sorgen um die Wettbewerbsfähigkeit Europas“, unterstrich er.

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