Schufa will voll transparent sein
Schufa will voll transparent sein
Vereinfachter Score löst bis Ende 2027 bisherige Kreditbewertung ab
fir Frankfurt
Die Schufa will ihren Bonitätsscore voll transparent machen, der Auskunft über die Kreditwürdigkeit von Verbrauchern gibt. Um selbst nachrechnen zu können, wie ihre Bonitätsprognose ausfällt, stellt die Wiesbadener Auskunftei ein Tool bereit, mit dem sie kostenfrei und online nachvollziehen können, wie welche Kriterien ihren persönlichen Score beeinflussen. Vom vierten Quartal an beabsichtigt die Gesellschaft dann, einen neuen, vereinfachten und verständlicheren Schufa-Score einzuführen, wie sie am Donnerstag mitteilte.
Dieser Schufa-Score soll perspektivisch den an Privatpersonen ausgelieferten Basisscore ersetzen sowie sechs der bestehenden Branchenscores, also Banken, Sparkassen, Genossenschaftsbanken, Telekommunikation, Handel und Versandhandel/E-Commerce, die an Firmen ausgeliefert werden. Werde der Basisscore nicht an Unternehmen weitergegeben, so ist der Schufa zufolge der neue Score für Verbraucher, Unternehmen und Banken identisch.
Vorübergehend parallel laufend
Die Abschaffung besagter Branchenscores werde voraussichtlich nicht vor Ende 2027 vonstatten gehen, sagte Schufa-Vorstandsvorsitzende Tanja Birkholz im Gespräch mit der Börsen-Zeitung. „Wir können die alten Scores nicht einfach abschneiden. Sie spielen eine Rolle in der Bankenregulierung, zum Beispiel in der Bewertung der Konsumentenkredit-Portfolien und der Eigenkapitalunterlegung. Die Parallelität zwischen Alt und Neu lässt sich nicht vermeiden, so fundamental wie diese Veränderung ist.“
Verändertes Kundenverhalten
Aktuell testen 17 Banken und Unternehmen den neuen Score. Neben Vorzügen wie Transparenz, Einfachheit und Verständlichkeit führt die Schufa ins Feld, dass er den zunehmenden Anforderungen der Regulatorik ebenso gerecht werde wie verändertem Kundenverhalten. Denn die bisherigen Scores stammten aus dem Jahr 2016 und gäben das Konsumverhalten vieler Menschen nicht mehr vollumfänglich wieder. So sei etwa die Zahl der Minikredite deutlich angewachsen, zudem nutzten Verbraucher verstärkt Vergleichsplattformen.
Als einen der größten Vorteile der Änderungen bezeichnet Birkholz die Nachvollziehbarkeit des Bewertungssystems und die damit einhergehende Transparenz. „Wir haben dem Algorithmus, bei dem uns ja Intransparenz vorgeworfen worden ist, nicht nur ein Gesicht gegeben. Sondern Menschen leicht verständlich klargemacht, wie er funktioniert.“ Ziel sei auch ein Lerneffekt, nämlich zu demonstrieren, wie Verbraucher ihren persönlichen Score verändern können. Demnach wird jedes Kriterium, das in den neuen Score einfließt, mit Punkten bewertet, die zusammengerechnet werden können.
Erklärbares Scoring
„Verbraucher sollen verstehen, wie sich ihr Finanzverhalten auf ihren Score auswirkt", sagt Birkholz. „Uns wurde oft vorgehalten, dass der Einzelne nicht auf seine Bewertung einwirken kann, da er ja nicht wusste, wie sie zustande kommt.“ Mit dem neuen Schufa-Score werde somit auch regulatorischen Anforderungen, wie etwa in der MaRisk-Novelle der BaFin aus 2023, an ein transparentes und erklärbares Scoring Genüge getan.