Verkaufsprozess ausgesetzt

Kein Investor für Warburg Bank

M.M. Warburg pausiert ihre Investorensuche. Die Hamburger Privatbank hat trotz Cum-ex-Belastung eine Kreditlösung gefunden. Die Kapitalstärkung und Neuausrichtung sind bis 2026 geplant.

Kein Investor für Warburg Bank

Kein Investor für Warburg Bank

Verkaufsverfahren vorerst ausgesetzt – Lösung für Kredit an Gesellschafter

ste Hamburg

Die Suche nach einem neuen Investor für die im Zuge des Cum-ex-Steuerskandals in den vergangenen Jahren stark belastete Hamburger Privatbank M.M. Warburg zieht sich in die Länge. Ein seit 2024 laufender strukturierter Verkaufsprozess, für den die Gesellschafter des Instituts die Investmentbank Perella Weinberg sowie die Kanzlei Latham & Watkins mandatierten, blieb bis Ende März erfolglos. Derzeit pausiere das Investorenverfahren, teilte die Bank auf Anfrage mit. Für einen Kredit der Bank an die Eigentümer im Zusammenhang mit der Verwicklung in illegale Cum-ex-Geschäfte sei auch ohne neuen Investor eine Lösung gefunden worden.

Mit der Suche nach einem Käufer waren Erwartungen verbunden, neben der Stärkung der Kapitalbasis der Bank einen Ende März 2025 ablaufenden Kredit der Warburg Bank an die Muttergesellschaft M.M.Warburg & CO Gruppe (Warburg-Gruppe) über gut 60 Mill. Euro abzulösen. Einen solchen Kredit hatten die mit jeweils 40% an der Warburg-Gruppe beteiligten Gesellschafter Christian Olearius und Max Warburg aufgenommen, um Steuerschulden aus Cum-ex-Aktiengeschäften in den Jahren 2007 bis 2011 von knapp 280 Mill. Euro einschließlich Zinsen zurückzuzahlen. Die Finanzaufsicht verlangte später, den Kredit bis Ende März 2025 zurückzuzahlen.

Liquiditätslage „angemessen“

Ein Teil des Kredits werde zurückgeführt, ein anderer Teil prolongiert, gab die Warburg Bank nun ohne Angabe konkreter Summen, Bedingungen und einer Laufzeit bekannt. Die Finanzaufsicht sei informiert, der Aufsichtsrat der Bank habe zugestimmt. Der Kredit wurde den Angaben zufolge bereits 2023 „durch einen freiwilligen Korrekturposten“ im aufsichtsrechtlichen Kapital verarbeitet. Die Liquiditätslage sei „angemessen“, so die Warburg Bank.

Die Regelung für den Kredit verschafft dem Institut Luft, sich auf eine Fortsetzung des Investorenverfahrens einzustellen. Für eine baldige Wiederaufnahme spricht das Alter der Hauptgesellschafter: Olearius ist 82 Jahre alt, den Vorwurf der schweren Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit Cum-ex-Geschäften hatte er stets bestritten, zuletzt in einem Ende Juni 2024 aus gesundheitlichen Gründen eingestellten Strafprozess am Landgericht Bonn. Ihre Stimmrechte hatten die Gesellschafter auf Bevollmächtigte übertragen müssen.

Hohe IT-Investitionen

Einen festen Zeitpunkt für den Neustart der Investorensuche gebe es nicht, hieß es bei der Warburg Bank. Das Institut will im Zuge einer Neuausrichtung vor drei Jahren unverändert bis 2026 das Kernbankensystem wechseln. Für die Migration zum Dienstleister Atruvia fielen allein 2023 – Zahlen für das vergangene Jahr stehen aus – Investitionen im zweistelligen Millionenbereich an.