PodcastNachhaltiges Investieren

Was Patente über die ESG-Aktivität aussagen

Wie lassen sich die ESG-Bemühungen eines Unternehmens von außen einschätzen? Andreas Schubert, ESG Officer und Portfoliomanager bei Ariad Asset Management, setzt dafür auf Patente. Wie er an die Daten kommt und welches sein Lieblingsprojekt ist, erklärt er im Podcast „Nachhaltiges Investieren“.

Was Patente über die ESG-Aktivität aussagen

Was Patente über die ESG-Aktivität aussagen

Andreas Schubert von Ariad Asset Management über Innovationen und Lieblingsprojekte

Neue Produktionsverfahren, andere Materialien – es gibt viele Schritte, die ein Unternehmen auf dem Weg zur grünen Transformation voranbringen können. Andreas Schubert, ESG Officer und Portfoliomanager bei Ariad Asset Management, will solche Unternehmen aufspüren. Ariad verwaltet ein Vermögen von rund 300 Mill. Euro Assets under Management und hat sich auf weltweite Small- und Microcap-Unternehmen spezialisiert.

Um Hinweise auf Innovationen zu bekommen, arbeitet der Assetmanager mit Patentdaten, die er von den weltweiten Patentämtern bezieht. Die Datenbank aufzubauen habe Jahre gedauert, berichtet Schubert im Podcast „Nachhaltiges Investieren“ der Börsen-Zeitung. Etwa 150 Millionen Einzelpatente umfasst die Datenbank. Die Zuordnung der Patente zum Bereich Green Technologies folgt einer Definition der Vereinten Nationen. „Wir fangen quantitativ an“, erklärt Schubert. Relevanter als die reine Anzahl grüner Patente sie jedoch ihr Anteil am gesamten Portfolio – und auch ihr Einsatz in der Praxis.

„Wer es ernst meint mit ESG, der forscht und entwickelt in dem Bereich. Und das sehe ich über Patente“, sagt Schubert. Darüber ließen sich die Entwicklungen schützen und landeten „nicht irgendwo im Safe, damit die Konkurrenz das nicht benutzt“. Die Unternehmen innerhalb einer Branche bewertet Schubert im Vergleich zueinander nach einem Best-in-Class-Ansatz. Dadurch finden sich im Portfolio auch Unternehmen wie Thyssenkrupp oder Heidelberg Materials, die keine klassischen grünen Werte sind.

Patente als Hinweis auf Transition

Dort sieht der Portfoliomanager einen besonders großen Hebel im Bereich Transition – „dort, wo eben altherkömmliche Industrien – energieaufwendig, unsauber – sich sehr stark verbessern können“. Patente sind aus seiner Sicht eine neutrale und objektive Quelle für anstehende Veränderungen. „Damit habe ich etwas, was mir einen Forecast gibt zur Transition – außer dem, was mir der ESG Officer oder der Vorstand in der Pressekonferenz erzählt.“

Branchen wie Finanzdienstleister, Versorger oder Rohstoffunternehmen sind in der Betrachtung unterrepräsentiert, räumt Schubert ein – sie haben einfach wenige Patente im Bereich Green Technologies. Stark vertreten seien hingegen Technologie-, Konsumgüter-, Industrie- und Healthcare-Unternehmen. Unter den Patenten entdeckt Schubert immer wieder auch Lieblingsprojekte – etwa beim Autozulieferer SAF Holland, der über einen Generator in der Fahrzeugachse die Bewegungsenergie des Fahrzeugs in elektrische Energie umwandelt. Durch diese Rekuperation könne etwa Energie für Kühlaggregate gewonnen werden.

Moonshot-Projekte im Portfolio

Auch für sogenannte Moonshot-Projekte, die sehr weitreichende Veränderungen bewirken würden, aber entsprechend riskant sind, kann Schubert sich begeistern. Interessant findet er das Unternehmen Carbios aus Frankreich, das Plastik recycelt. Im Schnitt hat der Assetmanager etwa 130 Titel im Bestand, allesamt aus der zweiten Reihe. Dort seien die Bewertungen attraktiver, sagt Schubert. Für Riesenunternehmen wie LG oder Samsung mit ihrem umfassenden Patentportfolio sei zudem das nächste Einzelpatent nicht entscheidend. Für kleine Unternehmen mit zehn Patenten sei dies anders. „In der zweiten Reihe ist auch die Technologie noch wichtiger.“