ZEB rät Private Bankern zu mehr Selbstbewusstsein
Private Banking am Zinstropf
ZEB rät zu selbstbewussterer Preisgestaltung und stärkerem Fokus auf Provisionen
lee Frankfurt
Nach hohen Investitionen in neue Kernbankensysteme und digitale Angebote für die Erbengeneration müssen die Anbieter nach Ansicht der Branchenberatung ZEB den Fokus auf eine Stabilisierung der Ertragsseite legen. Auf die von hohen Zinserträgen geprägten Jahre könnten andernfalls böse Überraschungen folgen.
Die Anbieter von Private Banking müssen sich unabhängiger von der Zinsentwicklung machen. Das ist die Quintessenz einer Branchenstudie der Unternehmensberatung ZEB aus Münster. „Die hohen Erträge der vergangenen zwei Jahre waren mehrheitlich zinsgetrieben“, konstatiert Markus Bräckle, Senior Manager der Beratungsgesellschaft. Die Provisionserträge seien dagegen branchenweit sogar zurückgegangen, was ein erhebliches Risiko für den Fall darstelle, dass die Zinsen weiter sinken.
Kundenvermögen wachsen
Grundsätzlich sind die Autoren zuversichtlich für das zuletzt von Konsolidierung geprägte Geschäftsfeld. Das Kundenvermögen auf dem deutschen Markt werde von geschätzten 7 Bill. Euro im Jahr 2023 bis 2028 voraussichtlich auf 9,3 Bill. Euro wachsen, heißt es in der Studie. Das wecke Begehrlichkeiten, zumal die positive Ertragsentwicklung der vergangenen Dekade den Geschäftsrückgang der Nullerjahre wettgemacht habe.

In den vergangenen zwei Jahren sei das Wachstum allerdings größtenteils auf vorübergehende Passivzinseffekte zurückzuführen, geben die Studienautoren zu bedenken. Denn die Erträge aus Einlagen hätten sich 2023 fast 50% über dem Vorjahresniveau bewegt. Bis 2028 stehe ein Rückgang der Erträge aus Einlagen um gut ein Viertel an.
„Die Private-Banking-Anbieter haben in den vergangenen Jahren hohe Investitionen getätigt, etwa in ihre Kernbankensysteme oder in die Digitalisierung ihres Angebots“, sagt Bräckle. Im Fokus stehen sollte daher jetzt nicht die Kostenseite, sondern die Ertragsentwicklung.
Regionalbanken holen auf
Die Branche durchlaufe derzeit einen tiefgreifenden Wandel durch den Generationswechsel auf der Kundenseite. „Viele Erben orientieren sich mit Blick auf ihre Bank neu, nicht zuletzt auch, weil mit der Vorgängergeneration auch deren Berater in den Ruhestand wechseln“, sagt Bräckle. Das führe dazu, dass klassische Anbieter Kunden verlieren und neue Anbieter in die Lücke stoßen, beobachtet der Branchenexperte. „Gerade die Regionalbanken haben sich durch den Ausbau ihres Angebots zu validen Wettbewerbern entwickelt.“
Nach Ansicht des ZEB-Experten wird der Wettbewerb im deutschen Private Banking zurzeit viel zu stark über den Preis geführt. „Die Anbieter sollten die Qualität ihres Angebots stärker in den Vordergrund stellen“, findet Bräckle. Auch wenn Private Banking heute ein digitales Angebot bieten müsse, seien die Hauptkonkurrenten in diesem Geschäftsfeld nicht die Neobroker. „Kern des Angebots bleibt die persönliche Beratung, dafür sind die Kunden auch bereit zu zahlen“, zeigt er sich überzeugt.