Auftragseingang unverändert

Deutsche Industrie kommt nicht voran

Statt die Scharte vom Jahresanfang auszuwetzen, sammelt die darbende deutsche Industrie im Februar gerade mal so viele Bestellungen ein wie im Vormonat. Und die schon vor den Ankündigungen neuer US-Zölle schmalen Erholungsaussichten trüben sich nun wieder ein.

Deutsche Industrie kommt nicht voran

Deutsche Industrie kommt nicht voran

Auftragseingang stagniert − Schwache Nachfrage aus dem Inland und dem Euroraum

ba Frankfurt

Statt die Scharte vom Jahresanfang auszuwetzen, sammelt die darbende deutsche Industrie im Februar gerade mal so viele Bestellungen ein wie im Vormonat. Und die schon vor den Ankündigungen neuer US-Zölle schmalen Erholungsaussichten trüben sich nun wieder ein. Die Nachfragebelebung lässt auf sich warten.

Die deutsche Industrie kommt wegen der geringeren Nachfrage aus dem Inland und den Euro-Mitgliedsländern im Februar nicht vom Fleck. Laut dem Statistischen Bundesamt (Destatis) stagnierte der Auftragseingang unerwartet. Nach dem Einbruch von revidiert 5,5 (zuvor −7,0)% im Januar hatten Ökonomen einen Zuwachs von 3,5% prognostiziert. Die erhoffte Nachfragebelebung wird wohl weiter auf sich warten lassen: Angesichts der von US-Präsident Donald Trump angekündigten reziproken Zölle dürfte die von Frühindikatoren angedeutete Erholung nur schwach ausfallen, wenn sie überhaupt kommt.

Diesmal nur geringer Einfluss der Großaufträge

Der Einfluss der volatil ausfallenden Großaufträge war im Februar weniger ausgeprägt: Rechnet man diese heraus, ergibt sich ein Minus von 0,2%. Damit setzt sich die seit einem Jahr währende Seitwärtsbewegung dieser Kerngröße fort. Die Großaufträge werden meist mit einer beträchtlichen Verzögerung abgearbeitet werden und beeinflussen die kurzfristige Entwicklung der Produktion kaum.

Für größere Revisionen sorgten im Februar vor allem Anpassungen im Maschinenbau, die aus dem für Januar zunächst gemeldeten Umsatzplus von 0,4% im Monatsvergleich ein Minus von 0,9% machten. Für Februar geben die Statistiker einen vorläufigen Umsatzzuwachs von 0,2% an. Die relativ kräftige Änderung der Daten zum Auftragseingang im Januar führt Destatis nicht nur auf Nachmeldungen im Maschinenbau, sondern auch auf solche in den Bereichen Metallerzeugung und -bearbeitung sowie aus der Automobilindustrie zurück.

Damoklesschwert US-Zölle

„Die Nachfrage im verarbeitenden Gewerbe blieb in der Tendenz abwärtsgerichtet, auch wenn sich zuletzt eine gewisse Stabilisierung abzeichnet“, kommentierte das Bundeswirtschaftsministerium die Daten. Trotz eines Rückgangs der Unsicherheit über wichtige wirtschafts- und finanzpolitische Rahmenbedingungen im Inland stünden einer nachhaltigen Stimmungsaufhellung Risiken durch die jüngsten Entscheidungen in der US-Handelspolitik entgegen. Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, sieht die Auftragseingänge in den kommenden Monaten als Seismograf: „Sie werden als Erstes aufzeichnen, wie stark die deutsche Wirtschaft von den Zöllen betroffen sein wird.“ Werden wegen der erhobenen Zölle deutsche Waren in den USA teurer, wird von US-Unternehmen weniger bestellt, was sich wiederum in den Auftragseingängen niederschlägt. 2024 gingen deutsche Waren im Rekordwert von 161,4 Mrd. Euro in die USA, der Exportüberschuss lag bei 70,0 Mrd. Euro.

Schwache Binnennachfrage

Derzeit machen sich die Zollankündigungen nur in der regionalen Betrachtung bemerkbar: Da sich US-Firmen noch mit ausländischen Waren eindecken, sind die Auslandsaufträge aus den Ländern außerhalb der Eurozone um 3,4% gestiegen. Die Bestellungen aus dem Euroraum fielen um 3,0%. Für die Auslandsaufträge insgesamt weisen die Statistiker ein Plus von 0,8% aus. Die Inlandsnachfrage sank um 1,2%. Das von der möglichen zukünftigen Regierungskoalition lancierte Sondervermögen für Infrastruktur verspreche zwar die Inlandsaufträge zu stärken − aber erst zu einem späteren Zeitpunkt, kommentierte Gitzel. Alexander Krüger, Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank, findet bedauerlich, „dass Strukturreformen von den künftigen Koalitionären offenbar nicht auf die Beine gestellt werden“. Unternehmen würden sich weiter zwischen Durchhalten und Abwandern entscheiden.

Verheißungsvoller Einkaufsmanagerindex

Für ein wenig Zuversicht sorgten zuletzt etwas positiver ausgefallene Stimmungsindikatoren wie der Einkaufsmanagerindex (PMI). Dieser ist den endgültigen Daten zufolge im März um 1,8 auf 48,3 Punkte gesprungen und notiert nach dem dritten Anstieg in Folge auf dem höchsten Stand seit August 2022. Zwar signalisiert der PMI erst mit einem Wert über der neutralen 50er Marke Wachstum. Die Unterkomponente für die Auftragseingänge ist aber in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen und lag im März erstmals seit drei Jahren wieder über dieser Wachstumsschwelle. „Insbesondere die in vielen Ländern spürbar gelockerte Geldpolitik spricht dafür, dass sich die Nachfrage nach Industriegütern beleben wird“, erklärte dazu Ralph Solveen von der Commerzbank.

Schwergewichte legen zu

Unter den Wirtschaftszweigen ergab sich im Februar ein Auftragsminus zum Vormonat in den Bereichen Metallerzeugnisse (−7,4 %), elektrische Ausrüstungen (−5,3%) und Pharma (−5,9%). Mehr Bestellungen gab es hingegen in den schwergewichtigen Bereichen Maschinenbau (3,4%), sonstiger Fahrzeugbau, zu dem Flugzeuge, Schiffe, Züge und Militärfahrzeuge zählen (3,8%), und der Automobilindustrie (0,6%).

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