Geldpolitik

Euro-Inflation steigt dritten Monat in Folge

Höhere Energiepreise drücken die Jahresrate der Inflation in der Eurozone nach oben. Zudem legen die Inflationserwartungen der Verbraucher zu. Die EZB dürfte dennoch weitere Zinssenkungen beschließen.

Euro-Inflation steigt dritten Monat in Folge

Euro-Inflation steigt dritten Monat in Folge

Teuerung klettert im Dezember auf 2,4 Prozent – Kernrate hartnäckig hoch – Inflationserwartungen legen zu – EZB visiert dennoch Zinssenkung an

Höhere Energiepreise drücken die Jahresrate der Inflation in der Eurozone nach oben. Doch anders als in Deutschland fällt die Teuerung insgesamt nicht höher aus als erwartet. Die hartnäckig hohe Kerninflation mahnt die EZB dennoch zur Vorsicht, die Geldpolitik nicht zu schnell stark zu lockern.

mpi Frankfurt

Die Inflation in der Eurozone entfernt sich weiter vom Zielwert der EZB. Im Dezember legten die Verbraucherpreise nach einer Erstschätzung von Eurostat von 2,2 auf 2,4% zu. Damit steigt die Inflation bereits den dritten Monat in Folge. Wie in den beiden Monaten zuvor liegt dies jedoch im Wesentlichen an ungünstigen statistischen Basiseffekten bei den Energiepreisen.

Da Energie vor einem Jahr vergleichsweise günstig war, drückt dies aktuell die Jahresraten der Inflation nach oben. Dieser Effekt läuft jedoch in den kommenden Monaten aus. Anders als in Deutschland fällt die Inflation für die Eurozone im Dezember nicht überraschend hoch aus. Dies liegt unter anderem daran, dass die Inflation in Italien überraschend auf 1,4% gefallen ist. Zudem ist die Inflation in Deutschland niedriger ausgefallen als zunächst gemeldet. Das Statistische Bundesamt korrigierte die Zahl am Dienstag wegen eines Fehlers von 2,9 auf 2,8%.

Ein Anstieg der Preise für Versicherungen zum Jahreswechsel dürfte dazu führen, dass die Euro-Inflation im Januar bei etwa 2,4% verharrt. Anschließend könnte die Teuerung wieder Richtung des Zwei-Prozent-Ziels der EZB fallen. Die hartnäckige Kerninflation zeigt jedoch, dass dies kein Selbstläufer ist. Die Inflationsrate ohne die schwankungsanfälligen Energie- und Lebensmittelpreise stagniert bei 2,7%. Sie gilt als guter Indikator für den zugrundeliegenden Inflationsdruck.

Hohe Preise für Dienstleistungen

„In den letzten Monaten sank die kurzfristige 3-Monatsrate und nährte die Hoffnungen, dass die Kernrate nachhaltig fallen könnte“, sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. „Im Dezember ist die 3-Monatsrate jedoch offenbar wieder etwas höher. Daher rückt ein erhoffter Rückgang der Jahresrate der Kerninflation in die Ferne.“

Hohe Preise für Dienstleistungen halten die Kerninflation hoch. Die Verbraucherpreise in diesem Sektor stiegen um 4%, nach 3,9% im November. Für ein nachhaltiges Erreichen des Inflationsziels benötigt die EZB eine moderatere Dienstleistungsinflation. Die Notenbank erwartet, dass das Lohnwachstum 2025 spürbar nachlassen wird, was den Inflationsdruck im arbeitsintensiven Dienstleistungssektor senken würde. Sollte das nicht eintreffen, würde dies den Inflationsausblick maßgeblich verschlechtern.

EZB visiert weitere Zinssenkungen an

Trotz des Inflationsanstiegs steht die EZB vor Zinssenkungen. „Die schwache konjunkturelle Entwicklung dürfte für die EZB als Problemfeld schwerer wiegen als der Inflationsanstieg“, meint Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. Eine Zinssenkung um 50 Basispunkte Ende Januar hält er wie die meisten Ökonomen jedoch für unwahrscheinlich.

Kamil Kovar, Ökonom bei Moody’s Analytics, stellt sogar die Notwendigkeit einer kleinen Zinssenkung Ende des Monats infrage. „Man muss sich fragen, ob die weithin erwartete Zinssenkung der EZB im Januar in Gefahr ist, ganz zu schweigen davon, dass eine Zinssenkung im großen Stil ein schnell verblassender Traum ist“, sagt er. „Wir gehen dennoch davon aus, dass es im Januar zu einer Senkung kommen wird, da der Inflationsbericht nicht schlecht genug war, um das Kräfteverhältnis im EZB-Rat zu verändern“.

Sollte die EZB angesichts der schwachen Konjunktur und den Auswirkungen dessen auf die Inflation zu einer Zinssenkung um 50 Basispunkte greifen, gilt der März als der wahrscheinlichere Termin dafür. Zeitgleich zu dieser Zinssitzung wird die Notenbank Projektionen zu Inflation und Wirtschaftswachstum veröffentlichen. Zudem könnte bis dahin klarer sein, wie die Wirtschaftspolitik des designierten US-Präsidenten Donald Trump im Detail aussieht und welche Inflationseffekte von ihr für die Eurozone ausgehen.

Inflationserwartungen legen zu

Die Verbraucher der Eurozone blicken wieder pessimistischer auf die Entwicklung der Preise. Im Median rechneten sie im November mit einer Inflation in den kommenden zwölf Monaten von 2,6%. Das geht aus einer am Dienstag von der EZB veröffentlichten Umfrage hervor. Bei der Befragung einen Monat zuvor hatten die Inflationserwartungen noch bei 2,5% gelegen. Auf Sicht von drei Jahren kletterten die Inflationserwartungen gar von 2,1 auf 2,4%.

Die Inflationserwartungen spielen für die Geldpolitik eine wichtige Rolle, da sie zur selbst erfüllenden Prophezeiung werden können. Ziehen Verbraucher Ausgaben in Erwartung deutlich steigender Preise – wenn möglich – von der Zukunft in die Gegenwart vor, verstärkt das den Inflationsdruck. Gehen sie umgekehrt davon aus, dass die Preise weniger stark steigen oder gar sinken, verlegen sie Ausgaben in die Zukunft, was dazu führt, dass die Inflation tatsächlich geringer ausfällt.


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